04.05.2018

Tipps zur Gestaltung

Gottesdienst als Fest der Sinne

Um auch den Jüngsten den Glauben zu vermitteln, bieten Kindergottesdienste eine angemessene Form. Auch Bewegung, Musik und Tanz haben hier ihren Platz. Kerstin Silies, Gemeindereferentin aus dem emsländischen Emsbüren, gibt Tipps zur Gestaltung.

Es muss nicht immer in der Kirche sein: Gemeindereferentin Kerstin Silies gestaltet einen Kindergottesdienst im Wald. Foto: Sebastian Hamel

Warum überhaupt Kindergottesdienste?
Kinder an den Glauben heranzuführen, das funktioniert am besten in der Gemeinschaft des Gottesdienstes. Sie spüren dann, was es bedeutet, getauft und in dieser Gemeinschaft aufgenommen zu sein. Die Heranführung sollte natürlich auch zu Hause geschehen – doch das gemeinsame Feiern ist etwas anderes, als daheim ein Buch vorgelesen zu bekommen: Der Gottesdienst bietet einen Raum, sich als Person auf die Liebe Gottes einzulassen und Spiritualität zu erleben. Selbst die Kleinsten, die die Worte noch nicht verstehen, fühlen: Da ist etwas, an das meine Eltern glauben!

Anlässe für Kindergottesdienste sind vielfältig: In katholischen Kindertagesstätten sind sie ein festes Element, um die Feste im Jahreskreis – wie Erntedank, die Advents- und Weihnachtszeit oder Ostern – zu gestalten. Auch in vielen Kirchengemeinden sind liturgische Angebote für Kinder ein wesentlicher Bestandteil: Dazu zählen Krabbelgottesdienste, für Eltern mit Kindern im Alter von null bis drei Jahren oder die Kinderkirche parallel zur regulären Messe.


Aufbau der Feier:
Auch Kindergottesdienste orientieren sich am Aufbau der heiligen Messe. Da sie für kleinere Kinder gestaltet und darüber hinaus häufig von Ehrenamtlichen  geleitet werden, entfällt meistens die Eucharistiefeier. Welche Elemente sollten erhalten bleiben? Die Eröffnung beginnt mit dem Kreuzzeichen und einem Lied. Es folgt kindgerecht mindestens einer der Aspekte Schuldbekenntnis, Kyrie, Lob oder Dank, dazu ein Tagesgebet und eine biblische Lesung. Ergänzend dazu kann auch ein nicht-biblischer Text hinzugezogen werden. Die Auslegung dazu  sollte nicht zu lang sein und kann auch ein Wechsel zwischen Ansprache und Gespräch sein – unter Einbeziehung von Symbolen und anderen Methoden, die die Kernaussage greifbar werden lassen. Der Inhalt sollte immer an der Lebenswelt der Kinder und Familien anknüpfen.

Auch für das Glaubensbekenntnis gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, wie etwa ein Lied, Tanz oder Spiel. Die Fürbitten können Kinder selbst formulieren. Unbedingt in der Feier enthalten sein soll te das Vaterunser. Zum Abschied können persönliche Worte eine Brücke zum Alltag schlagen. Der abschließende Segen ist mit dem Kreuzzeichen verbunden.

Die Dauer des Gottesdienstes sollte dem Alter der Kinder angemessen sein – etwa 15 bis 20 Minuten genügen im „Krabbelalter“, bei älteren Kindern können es 30 bis 45 Minuten sein.


Inhaltliche Gestaltung:
Wichtig für Kinder sind wiederkehrende Rituale – das gilt auch für den Gottesdienst. Dazu zählt etwa das Sich-Versammeln, das Kreuzzeichen, das Anzünden der Kerze, ein festes Eröffnungslied oder das Vaterunser. Es gibt verschiedene Elemente, die eine Atmosphäre schaffen, dass Kinder Gott spüren können. Eines davon ist die Stille. Die Gottesdienstleiter können Stille bewusst herbeiführen. Sie laden dazu ein, achtsam zu werden und die Sinne zu schärfen. Das funktioniert zum Beispiel durch eine bewusste Körperhaltung, durch Konzentration auf eine Sache („Betrachte einen Augenblick die Flamme der Kerze“), durch Nennung einer klaren Zeitvorgabe („Wir werden jetzt eine Minute schweigen“) oder indem einem Geräusch gelauscht wird, wie zum Beispiel einer Klangschale, deren Ton langsam verklingt.


Sprache, Gesten und Musik:
Die Texte im Kindergottesdienst sollten in einer einfachen Sprache sein, ohne banal zu werden. Kinder können so ihren Glauben und ihre Hoffnung ausdrücken. Außerdem muss die Sprache einen Bezug zum Alltag haben. Einen hohen Stellenwert genießen auch Symbole wie Frieden, Liebe und Freundschaft. Auch Jesus nutzte alltägliche Dinge wie Brot und Wein, um ihnen eine besondere Bedeutung zu übertragen. Ein Symbol kann etwa der Kerzenschein sein („Jesus ist das Licht der Welt“), aber auch Fotos und (selbst gemalte) Bilder. Nicht zuletzt ist auch die Körpersprache wichtig: Gesten und Bewegung tragen dazu bei, den Gottesdienst zu einem Fest der Sinne werden zu lassen. Auch Musik, Tanz und Rollenspiele lassen sich gut integrieren. Liedrufe mit Wiederholungen – etwa aus Taizé – oder Kehrverslieder sind besonders geeignet. Auch instrumental können die Kleinen mitwirken, zum Beispiel mit Glöckchen oder Trommeln.

Sebastian Hamel

 

Buchtipps

„Meine  erste Bibel. Geschichten von Jesus“, Rolf Krenzer und Constanza Droop, Loewe Verlag, 7,95 Euro

„Mit den Kleinsten Gott entdecken: Religionspädagogik mit Kindern von 0 bis 3 Jahren“, Maike Lauther-Pohl, Gütersloher Verlagshaus, 17,99 Euro

„Mit Kindern den Glauben feiern“: Arbeitshilfe zur Gestaltung von Gottesdiensten mit Kindern, Herausgegeben vom Erzbistum Köln. Hier geht es zum direkten Download