29.08.2019

Was wurde aus dem „Perspektivplan"?

Gottesdienstordnung – die erste harte Nuss

Der „Perspektivplan“ hat das Bistum verändert. Viele neu gegründete Pfarreien oder Pfarreiengemeinschaften arbeiten seit langem gut zusammen – wie beispielsweise im Dekanat Bremen oder in Meppen-Ost.

Das Kreuz verbindet: Christa Gerdzen( v.l.), Thomas Fangmeyer,
Angelika Lau, Petra Kleene, Dorothea Gerdes und Martina Rensen
zeigen die Fahne der Pfarreiengemeinschaft Meppen-Ost.
Foto: Petra Diek-Münchow

„Die Richtung stimmt, aber wir sind noch auf dem Weg“, sagt Martina Rensen. Sie leitet den Pfarrgemeinderat der Pfarreiengemeinschaft Meppen-Ost, die jetzt zehn Jahre alt wird. Etwa 7600 Katholiken leben in dem Verbund, der sich aus der Stadtgemeinde St. Paulus und den drei Dörfern Apeldorn, Bokeloh und Hemsen zusammensetzt.

Meppen-Ost ist kein Einzelfall. Im Laufe der vergangenen Jahre sind immer mehr Pfarreiengemeinschaften entstanden – teils sehr schnell, teils mit langem Vorlauf. Begonnen hatte der Strukturprozess schon 2007 im Dekanat Bremen. In der Regel behielten die Kirchengemeinden auf dem Land ihre Selbstständigkeit, während es in den Städten oft zu Fusionen kam. Viele Pfarreiengemeinschaften haben sich einen neuen Namen gegeben, zum Beispiel der „BoJe“-Verbund im Dekanat Emsland-Nord.

Die Entstehung ist keine reine Jubelgeschichte

Die Fahne der Pfarreiengemeinschaft Meppen-Ost hat ein vielsagendes Logo: Vier Elemente bilden ein Kreuz – mit einem Raum in der Mitte, der verbindet und zugleich Platz lässt für eigene Wege. „Wir haben Grund zu danken“, sagt Christa Gerdzen, die frühere Pfarrgemeinderatsvorsitzende. Bei einem Gespräch über die vergangenen zehn Jahre sitzen auch Gemeindereferentin Petra Kleene und weitere Mitstreiter aus den Gremien am Tisch: Thomas Fangmeyer aus Apeldorn, Dorothea Gerdes aus Bokeloh und Angelika Lau aus St. Paulus. Alle haben in ihren unterschiedlichen Funktionen geholfen, die Pfarreiengemeinschaft aufzubauen. Wenn sie davon erzählen, ist das keine reine Jubelgeschichte. „Das Zusammenwachsen war nicht leicht“, sagt Gerdzen. Weil es nicht einfach ist, aus vier Stadt- und Landgemeinden einen Verbund zu bilden und gleichzeitig die Identität zu wahren. Und weil es dauert, bis das „Kirchturmdenken“ aus den Köpfen verschwindet.

Mancher „große Brocken“ musste zu Beginn aus dem Weg geräumt werden. „Die erste harte Nuss war die Gottesdienstordnung“, erinnert sich Kleene. Die Zahl der Messen musste bei nur noch zwei Priestern zuerst von zehn auf acht und später auf jetzt vier beschränkt werden. „Jeder wollte seinen Status Quo bewahren“, erzählt die Gemeindereferentin, „da sind auch mal unfreundliche Worte gefallen.“

Hat das schmalere Angebot dazu geführt, dass weniger Menschen zur Messe gehen, weil sie eine Beheimatung vermissen? Petra Kleene will das nicht ausschließen, aber nach ihrer Einschätzung fahren heute mehr Mitglieder der Pfarreiengemeinschaft auch mal in den Nachbarort zur Kirche. „Wem der Gottesdienst wichtig ist, der findet seinen Ort.“ Gewöhnen mussten sich die Menschen auch daran, dass nicht mehr in jeder Gemeinde ein Hauptamtlicher lebt und arbeitet – statt früher sieben Seelsorger ist die Personaldecke heute mit 3,5 Hauptamtlichen und dem nebenamtlichen Ständigen Diakon deutlich dünner geworden. Die Meppener haben den Mangel aber als Chance für Veränderung genutzt.

Vieles von dem, was sie 2009 in die verbindliche Kooperationsvereinbarung geschrieben haben, ist geschafft. Das ist der gemeinsame Pfarrgemeinderat (PGR), der schon ein Jahr später an den Start ging – auch wenn das für viele Ehrenamtliche mit den Ortsausschüssen mehr Termine bedeutet. Das ist die Internetseite, die einheitlichen Konzepte für die Erstkommunion und die Firmung, die Männerarbeit, Wallfahrten und gemeinsame Aktionen wie das Bibelcafé, Projektchöre, die „Faire Gemeinde“ oder Kinderbibeltage. „Wir haben gemerkt, dass manche Dinge besser funktionieren, wenn man sie zusammen macht“, sagt Kleene. Wie das Pfarrfest, denn das feiern die Gemeindemitglieder nicht mehr viermal und in vier Orten, sondern einmal im Jahr im Wechsel. Und da sieht man immer mehr Leute auch aus den anderen Gemeinden.

Über den Glauben reden, nicht über Strukturen

Ganz ehrlich sagen die sechs Meppener aber auch, dass sie noch nicht am Ziel sind. „Der Prozess ist nicht abgeschlossen“, sagt Martina Rensen. Denn manches hat bisher nicht geklappt – wie der gemeinsame Pfarrbrief, aber die PGR-Vorsitzende will im Sinne verbindender Transparenz weiter dafür plädieren. „Wir wissen noch zu wenig voneinander“, sagt sie und benennt damit eine Baustelle. Die nächste entdeckt sie im eigenen Gremium. Nach den vergangenen Jahren muss ihrer Ansicht nach der PGR eine inhaltliche Vision entwickeln, „wo wir hinwollen. Wir müssen wissen, was die Menschen brauchen. Sonst planen wir am Bedarf vorbei“.

Wie Christa Gerdzen wünscht sich Petra Kleene eine größere Besinnung auf die Kernaufgaben von Kirche. Was ist unsere Botschaft? Wie vermitteln wir den Glauben? Wie können wir Menschen begleiten? „Darüber müssen wir sprechen und nicht mehr nur über Strukturen.“

Petra Diek-Münchow
 
Die Pfarreiengemeinschaft Meppen-Ost feiert ihr zehnjähriges Bestehen am Sonntag, 1. September, auf dem „Kossehof“. Zu Beginn gibt es einen Open-Air-Familiengottesdienst um 10.30 Uhr.

 

Zahlen

73 Einheiten in zehn Dekanaten

Durch die Strukturreformen, den „Perspektivplan“, ist die Zahl der Pfarreien im Bistum von 255 im Jahr 1995 auf jetzt 208 gesunken. Diese 208 Pfarreien sind nun in 73 pastoralen Einheiten zusammengefasst: 55 Pfarreiengemeinschaften, deren Kirchengemeinden selbstständig bleiben, und 18 Pfarreien, die in der Regel aus mehreren Gemeinden fusioniert wurden. Die Zahl der Dekanate hat sich von 16 auf jetzt 10 reduziert.

Im vergangenen Jahr arbeiteten im Bistum 339 Priester, 93 Ständige Diakone, 104 Pastoralreferenten und 235 Gemeindereferenten.

Laut Pressesprecher Hermann Haarmann plant die Bistumsleitung nicht, trotz des Priestermangels noch größere Einheiten zu bilden. Stattdessen sollen Ständige Diakone, Pastoral- oder Gemeindereferenten die Gemeindeleitung übernehmen – wie bereits in Gesmold und Wellingholzhausen, seit kurzer Zeit auf Norderney, Juist und Langeoog und ab Dezember 2019 in Bad Iburg und Glane. (pd)