31.07.2020

Kindertagesstätten und Kirchengemeinden

Groß werden mit Gott

Kindertagesstätten sind für Kirchengemeinden wichtige Einrichtungen: Hier erreichen sie viele Familien, die sie im Gottesdienst nicht mehr unbedingt sehen. Wie die Zusammenarbeit gelingen kann und was eine christliche Kita ausmacht.

Gottesdienst mit Kindergartenkindern bei der 25-Jahr-Feier der Kita Spatzennest in Eutin (Schleswig-Holstein). Mit passenden Liedern und Gebeten kann man auch junge Kinder ansprechen. Foto: Marco Heinen

Die Kirche St. Barbara in Osnabrück und die gleichnamige Kindertagesstätte liegen nur wenige Meter auseinander, dennoch ist der Kirchenraum vielen der Eltern fremd, die ihre Kinder täglich in die Kita bringen. In jüngster Zeit lassen sich aber immer mehr Familien (wieder) auf das Gemeindeleben ein. Leiterin Nadine Gertken begrüsst diese Entwicklung:

 

Spielt es bei der Kita-Anmeldung eine Rolle für Sie, ob die Eltern engagierte Gemeindemitglieder sind und regelmäßig in die Kirche gehen?

Wir sind ein Haus, das grundsätzlich offen ist für alle Familien. Als Einrichtung der Dom-Gemeinde ist die Zugehörigkeit zur Gemeinde ein zusätzliches Aufnahmekriterium, das uns von städtischen oder privaten Einrichtungen unterscheidet. Dabei überprüfen wir aber nicht, wie aktiv die Familien der Kinder im Gemeindeleben sind. 
Vielmehr ist es so, dass Eltern und Großeltern miterleben, wie kirchliche Gemeinschaft auch bei uns in der Kita gelebt wird. Sie lassen sich einladen, unsere Familiengottesdienste mitzufeiern und fühlen sich wieder stärker miteinbezogen.

Wie gelingt es Ihnen, über die Kinder die Eltern zu erreichen?

Davon möchten wir uns distanzieren. Wir „nutzen“ die Kinder nicht, um an die Eltern ranzukommen oder sie für die Kirche zurückzugewinnen. Unser Fokus liegt auf den Kindern, denen wir in unserer pädagogischen Arbeit vermitteln möchten, dass sie von Gott geliebt werden und dass wir genau das in unseren Gottesdiensten feiern. Von diesem freudigen Gedanken lassen sich viele Eltern anstecken.

Wie sieht so ein Familiengottesdienst aus?

Als ich vor rund zehn Jahren in St. Barbara anfing, gab es drei Familiengottesdienste im Jahr, Palmsonntag, Erntedank und Ostermontag. Das sah so aus, dass die Kinder im regulären Gottesdienst einen kurzen „Auftritt“ hatten. Dieses Konzept haben wir von Grund auf verändert: Jetzt gibt es jeden Monat einen Familiengottesdienst, der von Anfang bis Ende an die Familien gerichtet ist, die anderen Gemeindemitglieder aber natürlich nicht ausschließt.
Unser Ansatz war es dabei, weg von der Sprache und hin zum Erleben zu kommen. Das sieht dann beispielsweise so aus, dass anstelle der Predigt das Tagesevangelium als Rollenspiel nachgespielt wird. Lieder und Gebete richten sich speziell an die Kinder. Die Fürbitten werden von den jüngeren und älteren Kindern gemeinsam vorgetragen.

Ganz wichtig ist für die Familien aber auch die Begegnungszeit nach dem Gottesdienst, in der wir die Kita öffnen, die Kinder Gelegenheit zum Spielen haben und die Eltern sich untereinander austauschen können. Darüber hinaus nutzen wir den Kirchenraum auch für eigene Veranstaltungen: Begrüßungs- und Abschlussfeste, Theateraufführungen, Lesungen, Musicals oder Ähnliches.

Wie erleben Sie die Familien der Kinder bei den Gottesdiensten und Veranstaltungen?

Viele sind sehr dankbar für diese Angebote, die sie direkt ansprechen, und fühlen sich stärker motiviert, sich mit anderen zu vernetzen und zu engagieren. Dabei entstehen ganz selbstständige Projekte, die wir von der Kita gar nicht initiiert haben. Die Eltern verabreden sich zum Aufstellen des Weihnachtsbaums oder Maibaums. Schon vor der Corona-Zeit haben einige Väter vereinbart, dass sie für die Begegnungszeit nach dem Gottesdienst ein Essen für alle anbieten möchten. Wieder andere fragen nach, ob man nicht einmal ein gemeinsames Osterkerzen-Basteln organisieren könnte.

Abseits von den Feiern und Veranstaltungen in der Kirche – wie wird die christliche Erziehung im Kita-Alltag gelebt?

Grundsätzlich sind alle Kinder bei uns herzlich willkommen, egal welche Einschränkungen sie mitbringen oder welcher Religionsgemeinschaft sie angehören. Genauso wie wir uns bei jedem Kind anschauen, welche Förderung es in seiner Entwicklung braucht, so schauen wir auch, wie wir jedem von ihnen einen guten Zugang zur Religion vermitteln können.

Das sieht im Alltag dann so aus, dass wir den Kindern zum Beispiel Rollenspiele vorspielen oder biblische Geschichten erzählen. Mittags vor dem Essen gibt es immer ein Lied oder ein Gebet. Wir haben auch schon Gebetswürfel gebastelt, die die Kinder anschließend mit nach Hause nehmen durften. Zu Weihnachten durften auch die Krippenfiguren abwechselnd in den Familien „Asyl“ suchen. So entstehen in den Familien natürlich auch Gespräche über den Glauben und das Leben als christliche Gemeinschaft.

Interview: Regine Hoffmeister