06.11.2019

Caritas-Programm „friendfamily"

Gute Freundinnen geworden

Andere Kulturen kennenlernen und internationalen Studenten die Osnabrücker Besonderheiten näherbringen – darum geht es im Programm „friendfamily“ des Caritasverbandes. Zurzeit werden noch Gastfamilien gesucht.

Sie unternehmen viel gemeinsam: Theresia Theresia aus Indonesien und die Osnabrückerin Kristin Erfmann. Foto: Sandra Röseler

Für Theresia Theresia war Osnabrück ein Kulturschock – weil die Stadt aus ihrer Sicht so klein ist. Die 21 Jahre alte Studentin kommt aus einer Millionenstadt in Indonesien, wo sich ein Einkaufszentrum an das nächste reiht und jeden Tag Tausende Menschen durch die Stadtmitte drängen. „Das ist hier ganz anders und war am Anfang richtig komisch für mich“, sagt Theresia. Ihr Vorname ist gleichzeitig auch ihr Nachname. Weil Nachnamen in Indonesien nicht üblich sind, wurde in Deutschland einfach noch einmal der Vorname angehängt.

Seit einem Jahr lebt Theresia in Osnabrück, um an der Hochschule Industrial Design zu studieren. Auf sich gestellt zu sein und sich in einem fremden Land zurechtzufinden, sei ihr in den ersten Wochen sehr schwer gefallen, erzählt sie. „Ich bin daran gewöhnt, immer in Gruppen unterwegs zu sein – in Deutschland war ich schon ein bisschen einsam.“

Auch für Paare und Einzelpersonen geeignet

Für internationale Studentinnen und Studenten hat der Caritasverband Osnabrück vor ein paar Jahren das „friendfamily“-Programm ins Leben gerufen: Wer aus dem Ausland kommt, wird in Gastfamilien vermittelt. Im Gegensatz zu anderen Austauschprogrammen wohnen die Studenten aber nicht in den Gastfamilien. „Es geht hauptsächlich darum, ihnen die Osnabrücker Kultur näherzubringen und sie am eigenen Leben teilhaben zu lassen“, sagt Sonja Drehlmann vom Caritasverband Osnabrück.

Rund 25 junge Leute melden sich pro Jahr für das Programm an. Zum Teil kommen sie von weit her, etwa von der Elfenbeinküste, aus Benin, Südkorea oder Lateinamerika. „Auch für Osnabrücker ist das eine tolle Gelegenheit, mal über den eigenen Tellerrand zu schauen und das Leben der anderen kennenzulernen“, sagt Drehlmann. Obwohl es der Name vermuten lasse, könnten beim „friendfamily“-Programm nicht nur Familien mitmachen, betont sie. „Auch Paare oder Einzelpersonen können zur Gastfamilie werden.“

Zum Beispiel Kristin Erfmann aus Osnabrück. Die 31-Jährige unterrichtet Logopädie, Ergotherapie und Physiotherapie an der Hochschule. Als sie vor einem Jahr zufällig einen Aushang für das „friendfamily“-Programm entdeckte, stand für sie sofort fest, dass sie teilnehmen möchte. „Ich habe selbst drei Jahre im Ausland studiert und weiß noch, wie schwer es am Anfang ist, Kontakte zu knüpfen.“

Bei der Anmeldung geben die Studenten und Gastfamilien Hobbys und Interessen an, das Team des „friendfamily“-Programms sucht nach Übereinstimmungen. Bei einem gemeinsamen Abend, den der Caritasverband organisiert, treffen die Studenten ihre Gastfamilien dann zum ersten Mal. Auch Theresia Theresia und Kristin Erfmann haben sich so kennengelernt.
Seitdem unternehmen die beiden regelmäßig etwas zusammen, gehen Mittagessen, ins Kino oder zum Spieleabend. Wie genau Gastfamilien und Studenten ihre Zeit miteinander verbringen, ist ihnen selbst überlassen. „Es geht aber vor allem um die gemeinsame Freizeitgestaltung“, sagt Sonja Drehlmann. „Wenn man etwas unternimmt, kann man am besten etwas über die andere Kultur erfahren.“

Asiatische Teigtaschen und Pizza gebacken

„Wir haben sehr viel Zeit in der Küche verbracht“, erzählt Kristin Erfmann. Theresia zeigte ihr, wie man Dumplings, asiatische Teigtaschen, macht, sie brachte ihr dafür das Pizzabacken bei. Außer neuen Kochrezepten haben sie beide aber auch menschlich viel aus dem Programm „friendfamily“ mitgenommen. „Wir sind gute Freundinnen geworden und lernen viel voneinander“, sagt Erfmann.

Offiziell dauert das Programm ein Jahr. „Es geht aber oft darüber hinaus – manchmal bestehen die Freundschaften auch noch, wenn die Studenten Osnabrück verlassen“, sagt Sonja Drehlmann. Für Theresia Theresia und Kristin Erfmann steht schon fest, dass sie sich weiterhin treffen wollen. „Es ist richtig schön, in Osnabrück eine kleine Familie zu haben“, sagt Theresia.

Sandra Röseler

Caritasverband Osnabrück, Sonja Drehlmann, Telefon 05 41/76 02 88 52, E-Mail: sdrehlmann@caritas-os.de, www.caritas-os.de/ff-familien