01.06.2021

Erzbischof Heße in Rom

In Hamburg wird weiter abgewartet

Wie geht es im Erzbistum Hamburg weiter? Noch gibt es keine Hinweise darüber, wie der Papst mit dem Rücktrittsgesuch von Erzbischof Stefan Heße umgeht. Gehandelt wird jetzt erst einmal nur in Köln. 

Erzbischof Heße bei einem seiner letzten öffentlichen Auftritte in St. Peter Ording. Foto: Neue KirchenZeitung Hamburg

Die Mitteilung ist kurz. Sie kündigt eine Apostolische Visitation des Erzbistums Köln durch den Bischof von Stockholm und den Bischof von Rotterdam an. Diese bewährten Kirchenmänner haben in Köln zwei Aufgaben. Sie sollen die „komplexe pastorale Situation“ des dortigen Bistums betrachten. Außerdem sollen sie „eventuelle Fehler“ des Erzbischofs Rainer Maria Woelki, der Weihbischöfe Dominikus Schwaderlapp und Ansgar Puff sowie des ehemaligen Kölner Personalchefs und Generalvikars Stefan Heße untersuchen, dem heutigen Hamburger Erzbischof.

Damit ist der Vorgang, der eigentlich eine Kölner Sache ist, auch eine Angelegenheit des Erzbistums Hamburg sowie der zur Metropolie gehörenden Bistümer Hildesheim und Osnabrück. Seit dem Rücktrittsgesuch von Erzbischof Stefan Heße am 18. März gab es aus Rom bislang nur den vorläufigen Bescheid vom 29. März: „Papst Franziskus hat dem Erzbischof von Hamburg, Seiner Excellenz Monsignore Stefan Heße, eine Auszeit gewährt. Während seiner Abwesenheit wird der Generalvikar, Monsignore Ansgar Thim, die ordnungsgemäße Verwaltung der Erzdiözese sicherstellen.“ Noch hat der Papst nicht gesagt, ob er das Rücktrittsangebot annehmen wird oder nicht. Auch über den Zeitpunkt einer Entscheidung gibt es keine Anhaltspunkte.

„Dringend auch für unser Erzbistum“

Generalvikar Ansgar Thim äußerte nach der Mitteilung der Nuntiatur die Hoffnung, dass mit einer Klärung der Konflikte in Köln auch eine Lösung für das Erzbistum Hamburg näher rückt. „Es ist wichtig und dringend auch für unser Erzbistum, dass Bewegung in die Sache kommt“, so Generalvikar Thim am Montag. „Ich gehe davon aus, dass vor Abschluss der Visitation und der Auswertung des Berichts der Visitatoren eine Entscheidung über den Amtsverzicht von Erzbischof Stefan allerdings nicht zu erwarten ist.“

Es war von Anfang an zu vermuten, dass es keine schnelle Entscheidung des Papstes geben werde. Denn letztlich handelt es sich nicht um einen persönlichen Einzelfall – wie etwa bei einem durch Krankheit bedingten Ausscheiden. Es ist vielmehr zu erwarten, dass künftige Missbrauchs-Ermittlungen bei weiteren Bischöfen Unkorrektheiten entdecken. Wie sollen die Betroffenen und der Papst damit umgehen? Stefan Heße ist der erste katholische Bischof, der im Zuge der Missbrauchsaufarbeitung den Rücktritt angeboten hat, das weitere Vorgehen wird unweigerlich zum Muster und Maßstab für ähnliche Fälle werden – und das nicht nur in Deutschland.

In der vergangenen Woche hat sich Erzbischof Heße in Rom aufgehalten und dort Gespräche geführt, wie der Pressesprecher des Erzbistums Hamburg, Manfred Nielen bestätigte. Über den Inhalt wurde allerdings nichts bekannt. Jetzt werden erst einmal die beiden Visitatoren die Kölner Zustände durchleuchten. Sie sollen sich ein Bild machen über eine sehr komplexe Situation – das Missbrauchsgutachten ist nur eine Facette davon. Innerhalb eines Monats, die Pressemitteilung spricht von Juni, wird das nicht zu schaffen sein. Die beiden Bischöfe werden ihre Eindrücke in einem Bericht festhalten, und dieser Bericht muss ausgewertet werden. Und im Erzbistum Hamburg heißt es weiterhin: Abwarten.

Andreas Hüser