11.01.2019

Haushalt

Helfen macht Kinder selbstständig

Ein neues Jahr bringt neue Vorsätze mit sich. In vielen Familien betrifft das auch den täglichen Kampf um die Hilfe im Haushalt. Oft brauchen Eltern hier starke Nerven und gute Strategien. Ein paar Tipps, wie Kinder zur Hilfe motiviert werden können und warum das für alle wichtig ist.

Anpacken erwünscht: Schon kleine Kinder können Aufgaben
im Haushalt übernehmen. Das macht fit fürs Leben. Foto: istockphoto

Müll rausbringen, Tisch decken, Staub saugen: Eltern fordern von ihrem Nachwuchs immer seltener Mithilfe. Einige Jugendliche beteiligen sich sogar kaum oder gar nicht an der Hausarbeit, so eine Studie der deutschen Wirtschaft. Das ist ein Fehler, betonen Pädagogen und Ärzte. Schon kleine Aufgaben vermitteln Alltagskompetenzen und machen stolz.


Geschicklichkeit fördern
Nur die Hälfte der Viereinhalb- bis Fünfeinhalbjährigen kann sich alleine anziehen und nur rund 20 Prozent können eine Schleife binden. Der Grund für diese mangelnde Geschicklichkeit: Die Eltern nehmen ihnen zu viel ab. Dadurch verpassen viele Kinder aber die Möglichkeit, ihre Fertigkeiten durch Üben zu verbessern. Das ist auch bei der Hilfe im Haushalt nicht anders: Nur jedes fünfte Kind trocknet zum Beispiel regelmäßig ab. Die Folgen zeigen sich vor allem bei den Jungen: Mittlerweile wird 20 Prozent der fünf- bis sechsjährigen Jungen Ergotherapie verordnet.


Gesetzliche Regelungen
In Paragraf 1619 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) heißt es: „Das Kind ist, solange es dem elterlichen Hausstand angehört und von den Eltern erzogen oder unterhalten wird, verpflichtet, in einer seinen Kräften und seiner Lebensstellung entsprechenden Weise den Eltern in ihrem Hauswesen und Geschäft Dienste zu leisten.“ Dabei spielt es keine Rolle, wie alt das Kind ist. Allerdings sollten Eltern darauf achten, dass die Arbeiten angemessen sind und die Ausbildung nicht beeinträchtigt wird.


Zeit investieren, lohnt sich
Das Hauptargument der Eltern, ihre Kinder nicht mit Hilfe im Haushalt  zu beauftragen, ist: mangelnde Zeit. Denn zunächst einmal brauchen die Kinder Anleitung. Natürlich dauert es länger, wenn die Eltern gemeinsam mit dem Kind den Geschirrspüler ausräumen oder Wäsche zusammenlegen. Aber später, wenn das Kind diese Dinge alleine übernehmen kann, sparen Eltern diese Zeit wieder ein. Wichtig ist auch, dass Kinder die anstehende Arbeit nicht absolut perfekt erledigen müssen. Aber wenn Eltern, um ein perfektes Ergebnis haben zu wollen, alle Aufgaben lieber selbst übernehmen, statt die Kinder von Anfang an in die Hausarbeit mit einzubeziehen, haben sie mittelfristig ein Problem: Dann haben die Kinder nämlich später keine Lust mehr zu helfen. Und argumentieren damit, dass sie es nicht können.


Schon kleine Kinder können helfen
Experten empfehlen, bereits ab einem Alter von drei Jahren damit zu beginnen, Kinder in tägliche Aufgaben miteinzubeziehen. Dann können sie etwa schon Löffel auf den Tisch legen oder Dinge aus einer Tüte nehmen. Im Vorschulalter sind Kinder dann schon in der Lage, Obst und Gemüse zu schneiden oder Socken zusammenzulegen. Eine regelmäßige Mitarbeit von Kindern  zu verlangen, ist absolut sinnvoll. Eltern sollten ihnen aber im besten Fall eine kleine Auswahl überlassen, empfehlen Pädagogen. Insgesamt sollte es in einer Familie aber selbstverständlich sein, dass alle Aufgaben übernehmen, weil man sich gegenseitig unterstützen möchte. Auch wenn sie diesen Weitblick selbst noch nicht haben, können Kinder lernen, dass sie durch ihre Mitarbeit fit für ein selbstständiges Leben werden: Sie lernen, wie ein Haushalt funktioniert, wie man für eine Aufgabe Verantwortung übernimmt und dass man auch Unerfreuliches erledigen muss.


Eltern als Vorbilder
Das Einfachste ist, wenn auch die Eltern sich bei den einzelnen Tätigkeiten wie Kochen, Waschen, Abspülen, Aufräumen oder Rasenmähen und Gartenarbeit abwechseln. So bekommen die Kinder keine festen Rollenbilder vermittelt und sind offen für die verschiedenen Tätigkeiten, die rund um einen Haushalt anfallen – auch über alte Rollenverteilungen der Geschlechter hinweg. Kinder anzuregen, etwas auszuprobieren, ist sehr wichtig. Besser als alles gute Zureden kann hier das eigene Vorbild motivieren.


Was nicht funktioniert ...
Permanente Nörgelei geht gar nicht. Diese Methode ist für beide Seiten nervtötend und außerdem völlig ineffektiv, zerstört jede Motivation und Eigeninitiative, betonen die Autoren der Elternbriefe „du und wir“.  Auch die „Ich-habe-dir-schon-tausendmal-gesagt“-Tour ist wenig zielführend. Auch sie fordert Kinder geradezu dazu auf, die „Ohren auf Durchzug“ zu stellen. Denn was schon tausendmal gesagt worden ist, ohne dass es Konsequenzen hatte, wird auch beim tausendunderstenmal ohne Wirkung bleiben. Dritte Un-Möglichkeit: der Appell an das kindliche Schuldgefühl: „Ich bin völlig mit den Nerven runter, weil ihr immer alles liegenlasst!“ Auch diese Methode verspricht wenig Erfolg, denn sie regt eher das Erinnerungsvermögen von Kindern als ihre Hilfsbereitschaft an: „Stimmt nicht, voriges Jahr Ostern habe ich meine Stiefel selbst weggeräumt!“


... und was funktioniert
Dass Kinder sich zunächst wehren und Ausreden erfinden, wenn sie helfen sollen, ist ganz normal. Verlockender sind da schon Aufgaben, die nicht nur Spaß machen, sondern auch eine Herausforderung darstellen. Kaum ein Kind wird begeistert sein, wenn es nur Handlangerdienste erledigen, etwa jeden Tag die Kartoffelschalen zum Kompost bringen muss. Dagegen sind Sechsjährige mächtig stolz, wenn sie ihre Pizza selbst belegen, ihr Spiegelei braten, den Kuchen (fast) „ganz allein“ backen dürfen – und anschließend natürlich entsprechend gelobt werden. Viele Kinder spielen auch gerne „Restaurant“: Sie richten den Esstisch schön her und lassen die anderen Familienmitglieder dann ihr Abendbrot bestellen. Andere sind mit Begeisterung dabei, wenn es etwas zu hämmern oder zu schrauben gibt.
Wohldosiert und fantasiereich vermittelt kann Hausarbeit also auch Spaß machen. Nur ist für diese Experimente im Alltag natürlich nicht immer genug Zeit und Ruhe vorhanden. Und oft müssen eben auch langweilige und unangenehme Aufgaben erledigt werden. Schon Sechsjährige sind durchaus fähig, das zu verstehen.

Claudia Rometsch/Astrid Fleute (mit epd)