01.10.2021

Welthospiztag im Oktober

Hospizarbeit begleitet das Leben

Am „Welthospiztag“ lädt die Hospiz-Hilfe Meppen zu einem Aktionstag ein. Vorsitzende Kathrin Schnieders erzählt im Interview, welche Angebote es geben wird. Und sie geht auf ein ungewöhnliches Vereinsjubiläum ein.

Hospizarbeit heißt, das Leben zu begleiten. Sie reduziert sich nicht nur auf die letzten Lebensstunden. Foto: mickyso-stock.adobe.com

21 Jahre ist ein ungewöhnliches Jubiläum. Warum feiert die Hospiz-Hilfe Meppen trotzdem?

Das hat nichts mit Corona zu tun. Der Vorstand und die Mitgliederversammlung hatten sich schon vor einigen Jahren entschieden, statt eines klassischen Jubiläums etwas anderes zu machen – also die frühere Volljährigkeit mit 21 Jahren feiern. Außerdem wollen wir an diesem Wochenende an den Welthospiztag anknüpfen.

Was haben Sie geplant für das Wochenende? 

Wegen Corona haben wir die Planung ein wenig abgespeckt, aber es gibt auf jeden Fall ein dickes Jubiläumsheft mit Rückblicken, Geschichten von Ehrenamtlichen und Ausblicken. Das Programm wird schon am Freitag mit einer Literaturlesung von Jasmin Schreiber für einen geladenen Besucherkreis starten – als Dankeschön an all jene, die uns bei unserem neuen Büro am Domhof unterstützt haben.

Und wie geht es Samstag weiter? 

Am Domhof/Ecke Ludmillenstraße und auf dem Kirchplatz der Propsteigemeinde gibt es am Samstag, 9. Oktober von 10 bis 16 Uhr ein buntes Programm unter freiem Himmel für die Öffentlichkeit. Dabei können sich alle Gäste auch unser neues Büro anschauen. Der Tag findet in Kooperation mit der Kirchengemeinde und der Selbsthilfekontaktstelle des Paritätischen Wohlfahrtsverbaand Emsland statt.

Die Besucher können sich dabei über die Hospizarbeit und über die Arbeit der Selbsthilfekontaktstelle informieren, unsere Nähgruppe kennenlernen, einer Märchenerzählerin zuhören oder bei einer Tombola mitmachen. Auf der Bühne stellen wir unser neues Medienpaket, das unsere Koordinatorin Elisabeth Albert-Beerling und Kinderliedermacher Christian Hüser entwickelt haben, für Erzieherinnen und Erzieher und allen Interessierten vor. Und mittags wird Propst Günter Bültel eine Andacht halten. 

Ist es gerade jetzt wichtig an den Welthospiztag zu erinnern?

Es ist gerade jetzt, aber eigentlich in allen Zeiten wichtig, an den Tag und seinen Hintergrund zu erinnern. Denn uns wird noch immer deutlich, dass die Gesellschaft die Hospizarbeit oft nur auf die letzten Stunden im Leben reduziert, nur auf das Sterben. Das ist schade, weil wir dann oft erst spät gerufen werden und nur so wenig Zeit für unsere Arbeit haben. Manchmal nur einige Tage oder sogar nur einige Stunden. Aber Hospizarbeit heißt ganz klar, das Leben zu begleiten. Diesen Perspektivwechsel brauchen wir aber. 

Kathrin Schnieders ist Vorsitzende der Hospiz-Hilfe
Meppen. Foto: Antje Robbe

Kann es sein, dass viele Leute das so nicht wissen?

Da könnten Sie recht haben. Aber unsere Arbeit kann eben schon mit einer beginnenden Krankheit starten. Das darf auch zwei Jahre dauern, solche Begleitungen haben wir auch. Wenn Hospiz so in mein Leben kommt, habe ich eine ganz andere Haltung dazu. Das muss noch mehr bekannt werden und nicht nur die Angst im Vordergrund stehen: Wenn die Leute von der Hospiz-Hilfe kommen, ist es sowieso bald vorbei.

Längere Begleitungen schaffen auch eine ganz andere Beziehung. Sterbende sprechen dann anders mit unseren Helfern und das schlägt Brücken für die spätere Trauerarbeit. Wir wollen uns wirklich nicht aufdrängen, aber es wäre schön, wenn wir manchmal früher gerufen würden.

Wie viele Menschen engagieren sich derzeit in der Hospiz-Hilfe Meppen?

Im Vorstand sind wir jetzt zu viert, im Hauptamtlichen-Bereich erweitern wir unser Personal und kommen dann künftig auf vier Voll- und Teilzeitstellen. Vor allem gehören 150 Ehrenamtliche zur Hospiz-Hilfe Meppen, gerade ist ein neuer Ausbildungskurs angelaufen. Wir merken, dass in diesem Bereich viel neue Energie ist und der Wunsch, sich zu engagieren: ob nun in der Sterbebegleitung oder bei Projekten wie „Hospiz macht Schule“. Da ist ganz viel Bewegung drin und der Wunsch nach Normalität.

Wie ist der Verein bisher durch die Corona-Zeit gekommen?

Eigentlich ganz gut – wobei ich schon sagen muss, dass die Normalität jetzt auch wirklich zurückkommen muss. Denn der eine oder die andere Ehrenamtliche muss doch wieder neu motiviert werden, an Veranstaltungen oder Treffen teilzunehmen. Da müssen wir wohl noch etwas Aufbauarbeit leisten. Die Begleitungen konnten wir aber fast durchgehend gut leisten.

Was wünschen Sie sich für den Verein: heute und bis zum nächsten Jubiläum?

Vor allem Menschen, die dem Verein nahestehen und uns unterstützen. Die bereit sind, aktiv in diesen Grenzsituationen unterwegs zu sein. Und was ich mir natürlich wünsche, ist Wachstum und Entwicklung für den Verein: nicht nur personell, sondern auch, dass die Menschen uns noch besser kennenlernen.  

Interview: Petra Diek-Münchow

 

Zur Sache

Der Welthospiztag findet jedes Jahr am zweiten Samstag am Oktober statt. Mit verschiedenen Aktionen soll damit die Aufmerksamkeit für das Thema Hospiz und Palliativpflege erhöht werden.

Bundesweit engagieren sich laut dem Deutschen Hospiz- und PalliativVerband über 120 000 Menschen ehren- und hauptamtlich in diesem Bereich. Dem Verband zufolge gibt es etwa 1500 ambulante Hospizdienste, 250 stationäre Hospize für Erwachsene und 18 stationäre Hospize für Kinder und Jugendliche. (pd)