22.12.2018

Pfarrheim Gellenbeck zu klein

Informationen zu sexuellem Missbrauch

Das Pfarrheim in Hagen-Gellenbeck kann die vielen interessierten Gemeindemitglieder nicht fassen, so groß ist der Andrang. Die Informationsveranstaltung des Bistums zu den Verfehlungen eines Ruhestandsgeistlichen findet deshalb in der benachbarten Kirche statt.

Bistumssprecher Hermann Haarmann hat zuvor die Medien informiert. Heute Abend seien auf Bitten der Gemeinde keine Pressevertreter erwünscht. Er weiß um die Brisanz, kann doch schnell der Eindruck entstehen, hier solle etwas verschwiegen werden. Dabei ist gerade das Gegenteil der Fall. Die Kirchengemeinde soll darüber informiert werden, was dem früheren Pfarrer von Merzen, Hermann H., der anschließend seinen Ruhestand in Gellenbeck verlebte, vorgeworfen wird: Sexueller Missbrauch von Kindern in den 80er und 90er Jahren – in Merzen, aber auch in den Gemeinden, in denen er zuvor als Kaplan eingesetzt war. Inzwischen ist der Geistliche 85 Jahre alt.

Die überwiegende Zahl der Medienvertreter akzeptiert die Bitte der Gemeinde um Abschottung, im Anschluss steht Haarmann für Nachfragen zur Verfügung. Und einige Gemeindevertreter machen klar: Bei Anwesenheit der Presse wären sie wieder nach Hause gegangen. Dabei macht Gemeindepfarrer Hermann Hülsmann – er trägt dieselben Initialen wie der beschuldigte Pfarrer – deutlich, dass es gut sei, nun über alles zu reden.

Viele der über 200 Teilnehmer äußern Unverständnis darüber, dass das Bistum 1997 Pfarrer H. wegen zahlreicher in Merzen kursierender Gerüchte zwar in den Ruhestand versetzte, sich aber anschließend offenbar nicht ausreichend darum kümmerte, dass er die Auflage einhielt, sich nur noch im Altenheimbereich zu engagieren. Domkapitular Ulrich Beckwermert, seit zwei Jahren Personalreferent des Bistums, räumt dies als „schweren Fehler“ unumwunden ein: Es sei grob fahrlässig gewesen, so Beckwermert. Zu allem Überfluss sei H. auch noch für eine Übergangszeit zum Gemeindeleiter ernannt worden, als der leitende Pfarrer krank war.

Der Fall geht erneut an den Vatikan

Beckwermert machte aber auch deutlich, dass dieses heutige Gespräch nur der Anfang einer Entwicklung sein könne: Die Gemeinden in Merzen und Hagen-Gellenbeck sollten weiter vom Bistum begleitet werden. Bereits an diesem Sonntag (23. Dezember) werde es in Merzen erneut eine Versammlung geben, dieses Mal ohne Presse. Vor einer Woche hatte es ein erstes Treffen gegeben, an dem Medienvertreter teilnehmen konnten. „Im Anschluss haben uns viele Teilnehmer signalisiert, dass sie sich wegen der externen Zuhörer nicht öffnen konnten“, so Hermann Haarmann gegenüber dem Kirchenboten.

Die Taten des Ruhestandsgeistlichen sind inzwischen verjährt. Die Glaubenskongregation des Vatikans hat jetzt neue Auflagen verfügt, die der Bischof umsetzen soll. So darf Pfarrer H. nicht mehr öffentlich die Messe feiern, auch eine Bestattung in seiner früheren Pfarrei werde nicht genehmigt. Personalreferent Beckwermert kündigte an, das Bistum werde den Fall erneut zur Prüfung nach Rom schicken, um möglicherweise weitere Auflagen zu erwirken.

Bischof Franz-Josef Bode hat in einem Interview mit dem Kirchenboten, das in der Ausgabe vom 6. Januar 2019 zu lesen sein wird, den Umgang mit Pfarrer H. ebenfalls kritisiert: Dass die Überprüfung der Auflagen von keiner Seite nachgehalten worden sei, halte er für ein schweres Versäumnis, für das er nur um Vergebung bitten könne.

Matthias Petersen