16.09.2019

Anfrage

Kann ein Papst den Katechismus ändern?

Zur Todesstrafe: Kann ein Papst einfach den Katechismusinhalt ändern, korrigieren, abschwächen oder löschen? Ist das nicht die Aufgabe einer Vatikan-Kommission? - André Dörflinger, per E-Mail

Der Katechismus ist so etwas wie die Zusammenschau der kirchlichen Lehre. Er ist ein Hilfsmittel, um den Glauben der Kirche besser zu verstehen und verkündigen zu können. Schon in früheren Zeiten hatten verschiedene regionale Katechismen nicht genau denselben Inhalt. Heute gibt es den „Katechismus der Katholischen Kirche“ (Weltkatechismus) von 1992, den deutschen Erwachsenenkatechismus in zwei Bänden (1985/1995) und seit 2011 auch einen „YouCat“, der sich an junge Menschen richtet.

Der Katechismus ist zwar „sichere Norm für die Lehre des Glaubens“, wie es Johannes Paul II. formuliert hat; er ist aber weder unveränderlich noch Gesetzbuch oder gar Bibel. Er soll eine Hilfe zum Glaubensbekenntnis der Katholiken sein. Auch gibt es unterschiedliche Gewichte in den Glaubensfragen: So ist die Glaubenswahrheit über die Dreifaltigkeit Gottes sicher anders zu gewichten als zum Beispiel die Frage der Kirchengebote, so hilfreich diese sein können. Einzelne Katechismusaussagen, wie etwa die zur Todesstrafe, können daher nach Erkenntnissen der Zeit neu formuliert und verständlicher gemacht werden. Im konkreten Fall lässt Papst Franziskus die schon unter seinen Vorgängern vertretene Linie der Ablehnung der Todesstrafe konkret festschreiben. Eine Änderung des Katechismus ist also möglich, sofern die kirchliche Autorität zustimmt, was beim Papst selbst zweifellos gegeben ist. 

Der Papst verfügt in der Kirche ohnehin über „die höchste, volle, unmittelbare und universale ordentliche Gewalt“. Der Papst könnte also nach neuen Erkenntnissen auch Glaubensinhalte definieren – etwa in der höchsten Form eines unfehlbaren Dogmas. Das bedeutet nicht, dass er willkürlich entscheiden könnte. Er bewegt sich als Hirte der Gesamtkirche und in Verbundenheit mit den Bischöfen und der Weltkirche auch auf dem Boden der Lehre und Tradition – einer Tradition jedoch, die sich lebendig weiterentwickelt und den Erkenntnissen und Zeichen der Zeit gemäß kein Selbstzweck ist.

Michael Kinnen