12.10.2021

Bischof im Gespräch mit Katholikenrat

Die Erwartungen sind groß

Einmal im Jahr ist Bischof Franz-Josef Bode beim Katholikenrat zu Gast. Dann kommen viele Themen auf den Tisch. Außerdem ging es bei der Vollversammlung im Ludwig-Windthorst-Haus in Lingen um „Ungeduldige Beiträge“ der Ökumene.

Bischof Bode im Gespräch mit Mitgliedern des Katholikenrats. Foto: Elisabeth Tondera

Viele Themen kamen zur Sprache in der von LWH-Direktor Marcel Speker moderierten Talkrunde zu aktuellen pastoralen Fragen mit Bischof Franz-Josef Bode, der Vorsitzenden des Katholikenrates Katharina Abeln und dem Leiter des Seelsorgeamtes Bruno Krenzel. Viel Raum nahmen die Ergebnisse der jüngsten Vollversammlung des Synodalen Weges in Frankfurt ein.

„Die Atmosphäre war sehr konstruktiv“, stellte Bischof Bode fest, und Katharina Abeln, die in Frankfurt ebenfalls vertreten war, stimmte ihm zu: „Wir haben die Themen weiter auf den Weg gebracht.“ Allerdings stellt sie fest, dass sich die Menschen immer weiter von der Kirche entfernten. In ihrer Generation erlebe sie das stark, sie leide sehr darunter. Der Bischof beobachtet das ebenfalls. „Wir müssen konstatieren, dass in einer säkularen Umgebung viele Glaubenshaltungen verdunsten. Deshalb muss man die Fragen vertiefen“, sagte er. Bruno Krenzel erlebt große Ungeduld. Aber die Entschiedenheit und Offenheit, mit der die Fragen angegangen werden, mache ihm Hoffnung. 

Besonders ungeduldig sind die Frauen in der Kirche. Laut Katharina Abeln sind die Erwartungen bezüglich der Ämterfrage riesig, allerdings ist ihr klar, dass sie in naher Zukunft nicht erfüllt werden können. Der Bischof ermutigte sie, nicht zu resignieren, denn viele Entwicklungen brauchten einen sehr langen Vorlauf. Das Missbrauchsproblem habe dazu geführt, „dass wir die Fragen mit einer nie dagewesenen Radikalität angehen.“ 

Es gibt noch viele weitere Fragen, die laut Bode in der Öffentlichkeit immer drängender gestellt würden: „Wie kann man als Christ in einer säkularen Welt leben? Was wollen wir als Kirche vermitteln? Was bedeutet die Weihe des Priesters? Wie soll die Glaubensvermittlung ohne Priester gehen? Wie sollen wir mit der pastoralen, personellen und finanziellen Situation umgehen?“ 

Für Bruno Krenzel steht fest, dass die Seelsorge prioritär bleiben muss. Katharina Abeln zeigte sich überzeugt: „Wir müssen uns der Realität stellen, sie aber auch als eine Chance auf Erneuerung sehen. Die Kirche kann sich neu definieren.“ Und der Bischof forderte: „Wir müssen daraus einen Segen machen.“

Ökumenische Gastfreundschaft: Der Dialog muss weitergehen

Das Thema Eucharistische Gastfreundschaft wird innerhalb der katholischen Kirche ebenfalls kontrovers diskutiert. Die Bischöfliche Kommission für Ökumene hat jetzt eine Broschüre mit dem Titel „‚Steh auf und iss!‘ – Ungeduldige Beiträge zur Eucharistischen Gastfreundschaft“ herausgegeben. Brigitte Gerdes und Stephanie van de Loo stellten die Broschüre zu Beginn der Sitzung vor. Gerdes ist überzeugt, dass eucharistische Gastfreundschaft möglich und nötig ist. „Ich bin sicher, dass Sie in Ihrem persönlichen Umfeld über dieses Thema gestolpert sind“, sagte sie an die Katholikenratsmitglieder gewandt. Redebeiträge der Delegierten machten deutlich, wie wichtig das Thema ist und wie stark es emotional berührt.

Neben Fragen zur Bedeutung der eucharistischen Gastfreundschaft und zur theologischen Relevanz („Wie wichtig ist der theologische Überbau?“) kam zum Ausdruck, wie schmerzlich die Gläubigen das Fehlen der eucharistischen Gastfreundschaft erleben, wie ungeduldig sie darauf pochen, dass endlich etwas geschieht und wie wenig Verständnis für die Einstellung der Kirche sie haben. „Es kann nicht sein, dass die Einladung für ‚alle‘ von der Gnade des Priesters abhängt“, hieß es. Oder: „Wenn Jesus zur Eucharistie einlädt, wer bin ich, diese Einladung anderen zu verwehren?“ 

Bischof Bode kam im Anschluss an die Vorstellung dazu, so nahmen die Delegierten die Gelegenheit wahr, ihn mit dem Thema zu konfrontieren. „Wir spüren eine Unruhe und Unzufriedenheit. Wir erwarten Antworten. Warum ändert sich immer noch nichts?“, so eine Stimme aus dem Plenum. In seiner Antwort stellte der Bischof klar: „In bestimmten Situationen kann man Gastfreundschaft üben, aber die Einheit der Kirche ist noch nicht gegeben, und deshalb kann es noch keine generelle eucharistische Einheit geben.“ Der Dialog müsse aber weitergehen.

Elisabeth Tondera

Einen weiteren Beitrag über die Vollversammlung lesen Sie in der Ausgabe des Kirchenboten zum 17. Oktober. Darin geht es um den Schutz des Lebens am Anfang und am Ende.