05.02.2020

Synodaler Weg

Keine Angst vor einer Spaltung

Bischof Franz-Josef Bode gehört als Vizepräsident zu den führenden Köpfen des Synodalen Wegs. Neben ihm haben aber auch noch vier weitere Delegierte aus dem Bistum Osnabrück an der ersten Vollversammlung teilgenommen.

Mitglieder des Synodalen Weges: Diakon Ansgar Maul, Bischof Franz-Josef Bode, Katharina Abeln, Weihbischof Johannes Wübbe und Propst Bernhard Stecker (v.l.) Foto: privat

Eine vorsichtig positive Bilanz ziehen Katharina Abeln, Vorsitzende des Katholikenrates im Bistum, und Bremens Propst Bernhard Stecker, Moderator des Priesterrates, von der ersten Vollversammlung des Synodalen Weges. Außer ihnen und Bischof Bode sind noch Weihbischof Johannes Wübbe und Diakon Ansgar Maul Mitglieder des Reformprozesses. 

Die Beratungen am ersten Tag hatten bei Abeln und Stecker eher für Skepsis gesorgt. Lange zogen sich die Geschäftsordnungsdebatten hin. Ein Ringen sei das gewesen, sagt Abeln. „Ermüdend, teilweise erschreckend“, beschreibt Stecker seinen Eindruck. Gleichwohl seien solche Geschäftsordnungsdebatten notwendig. Das meint auch Katharina Abeln: „Das Ringen war wichtig“, weil formale Fragen als Gesprächsgrundlage eben geklärt werden müssten. 

Nach den formalen Diskussionen ging es dann endlich in die Themen. Zu Beginn fand eine kurze Generaldebatte statt, danach wurde erstmals über die vier Themenbereiche Macht, Frauen, Sexualmoral, Priesteramt diskutiert. „Das war sehr ermutigend“, sagt Bernhard Stecker. „Sehr differenziert und ernsthaft“ empfand er die Debatte. „Wenn es auf der Ebene weitergeht“, gehe er positiv in die weiteren Diskussionen. Angst vor Spaltung habe er nicht, weil alle Teilnehmer das Gefühl verbinde, dass die Kirche große Probleme habe, die es anzugehen gelte.

Synodaler Weg wird auch Thema im Katholikenrat

Beide sehen allerdings auch die immense Bandbreite der Themen und plädieren dafür, die Diskussion stark auf Dinge zu konzentrieren, die auch tatsächlich umsetzbar seien. „Lass uns das machen, was wir tun können“, sagt Stecker. Und auch Abeln wünscht sich, den „Fokus sehr stark auf vorhandene Möglichkeiten zu legen“. Gleichwohl dürfe man auch keine Themen etwa aus Rücksicht auf Rom quasi im vorauseilenden Gehorsam stoppen. Beide hoffen, dass am Ende Beschlüsse stehen, die sich konkret umsetzen lassen. „Nicht nur ein Papier“, sagt Stecker. „Ich hoffe sehr, dass wir von einem Dialogprozess zu einem Handlungsprozess kommen“, sagt Abeln.

Von den Osnabrücker Mitgliedern der Synodalversammlung ist nur Bischof Bode Mitglied eines Arbeitsforums. Die anderen beschränken ihre Mitarbeit auf die Vollversammlung, wo die Vorlagen der Foren diskutiert, verändert und beschlossen werden. „Ich bin ehrenamtlich aktiv. Das ist zeitlich gar nicht zu realisieren“, bedauert Abeln, nicht in einem Forum mitarbeiten zu können. „Ich hoffe, dass wir genügend Informationen bekommen, um die Arbeit der Foren zu verfolgen“, sagt Stecker. Abeln sieht ihre Aufgabe auch darin, Meinungen aus dem Bistum in den Prozess einzubringen. Daher werde sich der Katholikenrat umfassend mit den Themen des Synodalen Wegs beschäftigen. 

"Für uns Mensch, nicht Mann geworden"

Eine wichtige Rolle im Synodalen Weg spielt Bischof Bode. Als Vizepräsident musste er in den Pausen und nach den Sitzungen beraten, wie es weitergeht, wie etwa mit dem zeitweise stark verzögerten Zeitplan umzugehen ist. Die Tage waren anstrengend. Aber Bode ist zufrieden: Eine breite Mitte und nicht die Extreme hätten die Debatte bestimmt. In die brachte auch er seine Positionen ein. Zusammen mit der Münsteraner Theologin Dorothea Sattler hatte Bode das Vor-Forum zu Frauenfragen geleitet. „Das Zusammenspiel von Frauen und Männern ist eines der wichtiges Zeichen der Zeit“, sagte er. Christus, sei „für uns Mensch, nicht Mann geworden“. Außerdem wären „männerbündische Entscheidungen“, etwa beim Vertuschen von Missbrauch, „anders verlaufen, wenn Frauen beteiligt worden wären“. 

Er kündigte an, dass das Frauenforum des Synodalen Wegs sich einerseits damit befassen würde, was heute schon möglich sei, um Frauen in der Kirche besser zu stellen. Gleichzeitig wolle man die grundsätzlichen Fragen, also die Frage der Weiheämter für Frauen, nicht aus den Augen verlieren. Und auch in der Debatte um das Priesteramt bezog Bode deutlich Stellung: Für ihn sind zölibatäre Priester im Hauptberuf und nebenberufliche Priester mit Familie denkbar. „Ich bin der Meinung, dass es beide Formen geben kann.“

Ulrich Waschki