01.09.2021

Tag der Schöpfung

Keine Zeit mehr zu warten

Am ersten Wochenende im September gibt es bundesweit den ökumenischen „Tag der Schöpfung“. Wir haben Männer und Frauen gefragt, was ihnen die Schöpfung bedeutet und was jeder Mensch für ihren Schutz tun kann.

Rund um das erste Wochenende im September ruft die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirche zum "Tag der Schöpfung" auf. Foto: istockphoto/Julia Garan

Wie schön Gottes Schöpfung ist, das spürt Bernward Rusche an vielen Orten: beim Spaziergang durch den Wald, an der Ems oder im Garten. „Dann werde ich aus der Geschäftigkeit herausgenommen und in den Augenblick gesetzt“, sagt der 72-jährige Lingener. „Und ich kann wahrnehmen, was in mir und um mich herum ist.

Natur und Umwelt: Das sind wichtige Themen für Rusche. Viele Jahre hat der Theologe als Umweltbeauftragter des Bistums gearbeitet, jetzt leitet er den Naturschutzbund Emsland-Süd. Das fügt sich gut für ihn, denn „alles, was da ist, ist von Gott geschaffen – um sich zu entfalten und sich zu entwickeln“. Das ist für ihn, aus der Bibel heraus begründet, die Vision vom gelingenden Leben aller Lebewesen. Rusche sieht dabei die Menschen in einer Verantwortung. „Wir haben von Gott den Auftrag, die Schöpfung zu schützen. Wir sind die Gärtnerinnen und Gärtner, die dafür sorgen müssen, dass sich alles Leben weiterentwickeln kann.“

Bernward Rusche

Viele Menschen haben aber seiner Ansicht nach den Kontakt zur Natur verloren. Sie nehmen nicht mehr wahr, was um sie herum wächst und blüht. Und Rusche findet, dass in puncto Umwelt oft mehr der Preis im Fokus steht als ihr Wert an sich. Dabei ist nach Meinung des Nabu-Vorsitzenden die Schöpfung  „so extrem bedroht wie noch niemals zuvor“. Rusche zitiert Studien, denen zufolge von etwa acht Millionen Tier- und Pflanzenarten weltweit eine Million vom Aussterben bedroht sind. „Das passiert in einem wahnsinnigen Tempo“, sagt er und denkt an den auffälligen Schwund bei den Insekten. Er hat auch beobachtet, wie stark die Zahl der Wiesenvögel zurückgegangen ist. „Das passiert vor unserer Haustür. Und niemand kann später sagen, wir hätten das nicht gewusst. Wir haben einfach keine Zeit mehr, das Thema auf die lange Bank zu schieben.“

"Umwelt kann man nicht nebenbei machen"

Dabei kann laut Rusche jede und jeder etwas für die Schöpfung tun: für kurze Strecken vom Auto auf das Rad umsteigen, saisonal und regional einkaufen, Müll vermeiden oder den Garten mit Gehölzen und Stauden insektenfreundlich gestalten. „Selbst auf dem kleinsten Balkon kann man schon etwas machen“, sagt der Lingener. 

Und er nimmt die Kirche in die Pflicht. „Wir können nicht in der Liturgie Gott und seine Schöpfung loben und dann nur halbherzig an das Thema herangehen. Umwelt kann man nicht nebenbei machen.“  Deswegen ärgert er sich darüber, dass es derzeit keine Umweltbeauftragte bzw. keinen Umweltweltbeauftragten beim Bistum gibt. „Das müsste eine Querschnittsaufgabe sein, vielleicht sogar eine Stabsstelle mit einem bestimmten Zeitrahmen und Budget. Wir haben doch als Christen etwas zu bieten bei dem Thema, das ist eine zentrale Aufgabe der Kirche. Und die müssen wir endlich mit voller Power angehen.“  

Petra Diek-Münchow          

Weitere Antworten zum Thema Schöpfung finden Sie in unserer gedruckten Ausgabe vom 5. September 2021. 

 

Termine

Osnabrück: Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen Osnabrück lädt am Samstag, 11. September, zu einer ökumenisch-ökologischen Wanderung ein. Treffpunkt: 9.30 Uhr an der Michaeliskirche in Eversburg. Anmeldung bei Gisela Löhberg, Telefon: 05 41/4 17 89.

Bremen: Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen Bremen veranstaltet am Freitag, 10. September, um 19.15 Uhr in der Propsteikirche St. Johann im Schnoor einen ökumenischen Gottesdienst.

Lingen: Zum Tag der Schöpfung und zum Thema Fairer Handel/Lebensmittelverschwendung sind ab 6. September in mehreren Läden in Lingen verschiedene sogenannte Sch(l)aufenster gestaltet. Bis Ende September kann die themenbezogene Ausstellung betrachtet werden