13.01.2021

Pastor lädt zu "Geh-Sprächen" ein

Kennenlernen mit Abstand

Begegnungen in geschlossenen Räumen sind zurzeit schwierig. Pastor Joachim Dau, der das Pastoralteam in der Bremer Propsteigemeinde St. Johann unterstützt, lädt deshalb zu „Geh-Sprächen“ unter freiem Himmel ein.

Pastor Joachim Dau lädt zu Gesprächen bei Spaziergängen ein.
Foto: Christof Haverkamp

Was steckt hinter der Idee der „Geh-Spräche“? 

Zum einen geht es mir darum, mich in St. Johann einzuleben. Mein Angebot an der frischen Luft ist coronakonform. So konnte ich schon mit dem Pfarrgemeinderatsvorsitzenden, der Chorleiterin, den Lektoren und den Kommunionhelfern entspannte Gespräche zu zweit führen. Ein Gemeindemitglied hatte zum Beispiel eine theologische Nachfrage zu einer Predigt und wollte seine Sichtweise einbringen. Auch Mitglieder anderer Gemeinden haben Interesse bekundet. 

Zum anderen sind die „Geh-Spräche“ ein Angebot für Menschen, die ihre Probleme, Sorgen und Ängste mit mir teilen wollen. Insgesamt bekomme ich viel Zuspruch für diese Art des Kennenlernens. Ich erlebe das als gute Möglichkeit, vertrauter miteinander zu werden.

Wo finden Ihre „Geh-Spräche“ statt?

Oft treffe ich mich mit den Leuten am Weserufer und wir spazieren in Richtung Weserstadion. Manchmal hole ich die Leute von zu Hause ab. Für Gespräche, die sich mit dem Thema Tod beschäftigen, bieten sich auch Friedhöfe an. Vor kurzem habe ich mit jemandem eine Runde um den Bürgerpark gemacht, das war sehr schön. Bremen bietet viele grüne Oasen. Aber auch die schmalen Gassen des Schnoorviertels laden zu Gesprächen in entspannter Atmosphäre ein. 

Wie verändern sich mit Ihrem Stellenwechsel die Aufgaben der Gemeinde- und Seelsorgearbeit?

Da ich nicht mehr Pfarrer in St. Raphael bin, sondern Pastor zur Mitarbeit in der Innenstadtgemeinde St. Johann, entfallen viele Aufgaben in der Verwaltung und in Leitungsstrukturen. Ich sitze zwar mit in den Gremien und berate, bin aber nicht mehr der erste Ansprechpartner. Neben Vorbereitungen für Gottesdienste, Beerdigungen oder die Sakramentenspendung kümmere ich mich vor allem um die Seelsorge. Ich wollte zurück in die zweite Reihe und das ist mir auch gelungen. Das entlastet mich und schenkt mir eine Menge Zeit, die ich jetzt versuche zu nutzen.

Wie entwickeln sich durch die Corona-Krise die seelsorgliche Arbeit und das Gemeindeleben?

Vieles konnte im vergangenen Jahr nicht mehr stattfinden. Wir konnten uns nicht mehr wie gewohnt zu Gottesdiensten in Kirchen versammeln. Es haben sich andere Gewohnheiten und Abläufe ergeben. Die Gemeinden werden sicherlich auch nach Corona noch einen schwierigen Start haben, um das kirchliche Leben wieder aufzubauen. 

Andererseits haben sich viele kreative digitale Formen der Gemeinschaft entwickelt, die auch nach außen wirken. In den ersten Wochen der Pandemie haben wir den Kontakt zu vielen Ehrenamtlichen und Gemeindemitgliedern über eine Telefonseelsorge aufrechterhalten. Ich wollte aber nicht, dass mich die Leute nur am Telefon kennenlernen. Die „Geh-Spräche“ ermöglichen trotz Abstandsregeln ein vertrauensvolles Kennenlernen und eine alternative Form der Seelsorge in diesen Zeiten.

Können Sie sich die „Geh-Spräche“ als dauerhaftes seelsorgliches Angebot vorstellen?

Zunächst möchte ich mich in die Seelsorge in St. Johann einfügen, Traditionen kennenlernen und mich über Erfahrungen austauschen. Bestimmt sind die „Geh-Spräche“ eine gute Möglichkeit, die Seelsorgearbeit künftig zu gestalten. Egal, was kommt, wir können miteinander klönen.

Interview: Catharina Hövermann