04.03.2020

Interview-Reihe

Kirche und Glauben persönlich

Wie es der Name der Serie "Fünf Fragen an ..." schon andeutet: Die Fragen bleiben gleich, die Antworten der haupt- oder ehrenamtlich Engagierten sind vielfältig und spiegeln wider, was die Gläubigen im Bistum Osnabrück bewegt, wie sie sich in ihre Gemeinden einbringen und was sie in der Kirche ändern würden.

Fünf Fragen an ... Stefan Klöcker. Der Katholik aus Hunteburg ist vor allem in der Kolpingsfamilie aktiv und musiziert seit 35 Jahren in der Kolpingkapelle.

Stefan Klöcker würde sich gern mit einem CDU- oder
CSU-Politiker über das Wort "christlich" austauschen. 
Foto: privat

Wofür engagieren Sie sich in der Kirche?

Über die Jahrzehnte habe ich mich sehr vielfältig engagiert, zunächst in der Jugend- und Messdienerarbeit, auch in der Zeltlagerleitung. Seit mittlerweile 35 Jahren mache ich Musik in der Kolpingkapelle Hunteburg und bin dort auch als Schriftführer tätig. Durch die Kapelle kam ich zur Kolpingsfamilie, deren Vorsitzender ich im Jahr 2000 geworden bin. 
Die Kolpingarbeit gefällt mir, weil wir sowohl zur Kirche gehören als auch gesellschaftspolitisch aktiv sind. Gleichzeitig sind wir musikalisch unterwegs, etwa auf Schützenfesten, und tragen die Farben des katholischen Sozialverbandes hinaus in die Welt. 

Was gefällt Ihnen an Ihrer Gemeinde besonders gut?

Die Kolpingsfamilie Hunteburg gehört zur Gemeinde Heilige Dreifaltigkeit, die wiederum in einer Pfarreiengemeinschaft mit Bohmte und Lemförde organisiert ist. Was mir an dieser Konstellation wirklich gut gefällt, ist die Eigenständigkeit, die wir Hunteburger genießen, vor allem die Kolpingsfamilie. Manche würden sich vielleicht ärgern, dass kein Präses, Pastor oder Hauptamtlicher sich direkt um die Verbandsarbeit vor Ort kümmert. Wir aber freuen uns, selbstständig und unabhängig unsere Ideen umsetzen zu können. 

Wenn sie die Möglichkeit hätten: Was würden Sie als Erstes ändern in der Kirche?

Ich sehe den Priestermangel und seine Folgen als großes Problem und würde da ansetzen: Der Zölibat gehört auf den Prüfstand. Gleichzeitig müssen Frauen mehr Rechte bekommen. Wenn wir so gegensteuern könnten, würde ich den Trend, Pfarreiengemeinschaften immer mehr zu vergrößern, stoppen. Das macht alles zunehmend anonym. Ich würde zurückkehren zu einer ortsnahen Konstellation und könnte mir vorstellen, dass eine Gemeindeleiterin oder ein Gemeindeleiter zusammen mit einer Gemeindereferentin oder einem Gemeindereferenten jeweils vor Ort leben und arbeiten.

Was stärkt ihren Glauben?

Große Veranstaltungen, die ich vor allem beim Kolpingwerk erleben darf, stärken meinen Glauben. Zum Beispiel der Kolpingtag in Köln 2015 zum Thema „Mut tut gut!“ hat mir im wahrsten Sinn gutgetan. Dort erlebt man bei tendenziell schwindenden Kirchenbesucherzahlen, dass es (doch noch) viele Gleichgesinnte gibt. Dort kann man Kraft tanken, um anschließend im privaten Berufsalltag Antworten geben zu können. Zum Beispiel: Was ist Kolping? Was macht ihr da? Oder: Kirchliches Engagement – wozu machst du das?

Mit wem würden Sie sich gern mal über Glaube, Kirche und Gott austauschen?

Gerne würde ich mich mal mit einem hochrangigen CDU- oder CSU-Politiker austauschen, denn mich interessiert, ob das Wort „christlich“ dort nur noch im Namen steht oder wo man das christliche Verhalten in der großen Politik dann wirklich noch miterleben und erfahren kann.

 

Fünf Fragen an ... Lena Wilbers. Sie ist seit 2006 ehrenamtliche Küsterin in der St.-Laurentius-Gemeinde in Lehrte bei Haselünne. Hauptberuflich ist die Mutter von vier Kindern Erzieherin im Kindergarten Flechum.

Lena Wilbers aus Lehrte fühlt sich durch Gottesdienste
in ihrem Glauben gestärkt. Foto: privat

Wofür engagieren Sie sich in der Kirche?

Ich bin in unserer Gemeinde seit 14 Jahren Küsterin und mache diese Aufgabe mit sehr viel Freude. Seit einiger Zeit bin ich Kommunionausteilerin und arbeite in den Liturgieausschüssen der Pfarreiengemeinschaft und der Frauengemeinschaft mit.

Was gefällt Ihnen an Ihrer Gemeinde besonders gut?

Für mich ist die Gemeinschaft in unserer kleinen Gemeinde St. Laurentius sehr schön, fast jeder kennt jeden. Viele Ehrenamtliche engagieren sich in vielfältiger Weise, ob in den Gremien, in Chören oder zum Beispiel beim Familiengottesdienst. Sichtbar wurde das vor ein paar Jahren, als wir allen ehrenamtlich Tätigen ein kleines Dankeschön überreichten. Es waren über 150 Präsente!

Wenn sie die Möglichkeit hätten: Was würden Sie als Erstes ändern in der Kirche?

Ich würde jeder Gemeinde ihre Individualität erhalten wollen. Natürlich geht es ohne unsere Pfarreiengemeinschaft mit Haselünne nicht mehr, und das ist auch gut so. Schön wäre, „so viel Selbstständigkeit wie möglich, so viel Zusammenarbeit wie nötig“. – Auch im Bistum sollte es weiterhin Laien als Gemeindeleiter oder Pfarrbeauftragte geben, um die Priester zu entlasten. Da finde ich die letzten Aussagen des Vatikan nicht so passend, wonach Laien keine Gemeinde leiten sollen.

Was stärkt ihren Glauben?

Die Gottesdienste unserer Gemeinde; die Festhochamte wie Ostern, Weihnachten mit ihren Ritualen, die Familiengottesdienste mit ihrer Lebendigkeit. Aber auch die sonntäglichen Gottesdienste und die Werktagsmesse mit ihrer Schlichtheit und Ruhe.Weiterhin finde ich Wallfahrten sehr stärkend im Glauben, wenn ich betend, singend, aber auch im Gespräch mit Menschen gemeinsam unterwegs bin.

Mit wem würden Sie sich gern mal über Glaube, Kirche und Gott austauschen?

Ich würde mich gerne einmal mit Menschen anderen Glaubens austauschen. Mit Muslimen und Juden, um sie besser zu verstehen und Vorurteile abzubauen.

 

Fünf Fragen an ... Elisabeth Maul. Sie lebt in der St.-Isidor-Gemeinde in Osterbrock (Dekanat Emsland-Mitte) und kümmert sich dort vor allem um die Chöre.

Einer steht für den anderen ein: Elisabeth Maul 
lebt in Osterbrock. Foto: privat

Wofür engagieren Sie sich in der Kirche?

Groß geworden in der Diaspora, habe ich eine lebendige Kirche und Gemeinde erlebt – einer steht für den anderen ein und verschiedene Lebenssituationen werden miteinander geteilt. Das hat mich geprägt und ich möchte diese positive Erfahrung in unserer Gemeinde in Osterbrock lebendig weitergeben.

Was gefällt Ihnen an Ihrer Gemeinde gut?

Schön ist es zu erleben, dass sich Menschen aus unserer Gemeinde trotz aller Schwierigkeiten und Probleme für unsere Gemeinschaft engagieren. Spürbar wird es für mich besonders in der Chorarbeit mit den Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen und in der Frauengemeinschaft, weil alle in diesen Gruppen Verantwortung für ein gutes Miteinander übernehmen.

Wenn Sie die Möglichkeit hätten: Was würden Sie als Erstes ändern in der Kirche?

Ich würde mir wünschen, dass in unserer Kirche die Frohe Botschaft mehr in den Mittelpunkt rückt und für jeden spürbar ist. Durch die Taufe haben wir die Beauftragung und die Fähigkeit erhalten, Kirche und Gemeinde zu gestalten. Doch leider mache ich oft die Erfahrung, dass bestehende Strukturen dieses verhindern. Leitung darf nicht autoritär und machtbezogen sein und auf keinen Fall Menschen verletzen. Was wäre Gemeinde/Kirche ohne Ehrenamt? Trauen wir den Ehrenamtlichen zu, Verantwortung eigenständig zu übernehmen! Und zwar mit einem Miteinander der gegenseitigen Achtung und Wertschätzung. 

Was stärkt Ihren Glauben?

Glauben und Leben gehören zusammen. Dort, wo Freude und Leid, Glaube und Zweifel geteilt werden, mache ich Glaubenserfahrung. Diese wird spürbar in der Familie, im Freundeskreis, in der Nachbarschaft. Wichtig sind mir Glaubensgespräche mit Gemeindemitgliedern und Gespräche mit meinem Mann, der als Diakon in der Pfarreiengemeinschaft arbeitet. Durch lebendige Liturgie und deren Mitgestaltung kann ich auftanken.

Mit wem würden Sie sich gern mal über Glaube, Kirche und Gott austauschen?

Mir fällt sofort Schwester Teresa Zukic ein. Sie ist in Kroatien geboren, war Leistungssportlerin und kam erst als Erwachsene zum Glauben. Sie ist Ordensschwester, gefragte Rednerin und Bestsellerautorin. Mich fasziniert ihre Biografie. Sie hat eine ansteckende positive Ausstrahlung und bei aller Begeisterung für Glauben und Kirche behält sie einen kritischen und wachen Blick auf unsere Kirche und ihr Personal. Sie gibt mir Mut, unsere Kirche trotz aller Schwächen und Versagen zu lieben.

 

Fünf Fragen an ... Claudia Osters-Eilers. Die 49-Jährige ist Vorsitzende des Pfarrgemeinderates in Glane und vielfältig in der Pfarreiengemeinschaft Bad Iburg/Glane engagiert. 

Vielfältig für die Kirche im Einsatz: Claudia Osters-Eilers
aus Glane Foto: privat

Wofür engagieren Sie sich in der Kirche?

Ich bin seit einigen Jahren Mitglied im Pfarrgemeinderat unserer Pfarreiengemeinschaft Glane/Bad Iburg und Abgesandte in den Kirchenvorstand der St. Jakobusgemeinde in Glane. Mir gefällt besonders meine Vermittlerrolle zwischen den Gremien. Die Zusammenarbeit habe ich als ein vertrauens- und respektvolles Miteinander erlebt. Meine Schwerpunkte sind die Ausschüsse, die sich mit Kinder, Jugend und Familienarbeit beschäftigen, sowie die Vorstandsarbeit im Pfarrgemeinderat.

Was gefällt Ihnen an Ihrer Gemeinde gut?

Unsere Gemeinde ist geprägt durch die Vereine und Verbände. Hier besteht eine enge Vernetzung. Besonders in „schweren“ Zeiten, wie jetzt bei der CoronaPandemie, konnten wir wieder erleben, wie gut das funktioniert. Unsere Hilfsangebote konnten direkt an die Verbände weitergeleitet werden und viele wurden sensibilisiert, auf ihre Mitmenschen zu achten und Unterstützung anzubieten oder zu vermitteln. 
Besonders die Zusammenarbeit mit den Jugendlichen der Kolpingjugend ist toll. Wir brauchen nur zu fragen und sofort sind viele helfende Hände zur Stelle.
Gefühlt steht Kirche bei uns nicht nur als Gebäude mitten in unserem Ort, sondern auch mitten im Leben bei unseren Vereinen und Ehrenamtlichen. Dieser Zusammenhalt ist das, was Gemeinde für mich ausmacht. 

Wenn Sie die Möglichkeit hätten: Was würden Sie als Erstes ändern in der Kirche?

Da brauche ich nicht lange überlegen… Die Rolle der Frau in unserer Kirche! Ich persönlich fühle mich sehr geehrt, dass wir als eine der ersten Gemeinden bei uns im Bistum mit Christine Hölscher eine Frau als pastorale Leitung haben und sie dabei unterstützen dürfen. Das ist zumindest schon ein kleiner Schritt in diese Richtung. 

Was stärkt Ihren Glauben?

Meinen Glauben stärke ich durch das Zusammenarbeiten mit den Pfarrgemeinderats- und Kirchenvorstandmitgliedern – zum Beispiel, wenn wir zusammen ein Projekt oder eine Aktion entwickeln und das dann mit den Kindern, Jugendlichen und Familien umsetzen können. Wenn unsere Begeisterungsfähigkeit sich überträgt und alle zusammen mitwirken – Ehrenamtliche und Gemeindemitglieder –, dann stärkt das meinen Glauben an die Kirche.
Aber auch im Stillen kann ich innehalten – beim gemeinsamen Beten des „Vaterunser“ im Gottesdienst und der inneren Ruhe nach dem Empfang der Kommunion, wenn man zurück auf seinen Platz kommt, um noch einen Moment niederzuknien. Das sind Rituale, die meinen Glauben stärken und die mir Kraft geben.

Mit wem würden Sie sich gern mal über Glaube, Kirche und Gott austauschen?

Ich habe zu Weihnachten das Buch „Himmel, Herrgott, Sakrament“ von Rainer M. Schießler geschenkt bekommen. Es beschreibt seinen Werdegang als Pfarrer und seine Erlebnisse in seinen Gemeinden. Er beschreibt seinen Glauben als „Arbeiten an und mit der Basis, um etwas in der Kirche zu bewegen. Also auftreten und nicht austreten!“ Zitat: „Ich habe erkannt, dass Rettung nicht aus Rom kommt, nicht im Vatikan beginnt (…) nicht in der erstarrten Struktur der Ordinariate – sondern ganz weit unten, bei den Menschen direkt vor der Haustür meiner Pfarrei.“
Sein Buch hat mich sehr berührt und zum Nachdenken gebracht. Seine Sicht auf viele Dinge ist ehrlich und direkt, aber auch unkonventionell (eine seiner Ideen: Zu Weihnachten legt ein DJ auf, schließlich feiert man ja auch Jesu Geburtstag). Mit ihm würde ich mich gerne einmal über viele Dinge in der Kirche austauschen.

 

Fünf Fragen an ... Christel Lünnemann. Sie hat früher als Gemeindereferentin in Werlte gearbeitet und setzt sich jetzt ehrenamtlich ein. 

Christel Lünnemann wohnt in Werlte. Foto: privat

Wofür engagieren Sie sich in der Kirche?

Mir liegt viel an der Weitergabe des Glaubens, zum Beispiel bei unseren Bibelgarten-Aktionen für und mit Kindern. Ich möchte meine persönlichen Glaubenserfahrungen mit anderen teilen und den Menschen dadurch Zuversicht vermitteln und Mut machen – gerade auch in schwierigen Zeiten. 

Was gefällt Ihnen an Ihrer Gemeinde gut?

In unserer Pfarrei St. Sixtus sind die Menschen füreinander da und helfen und unterstützen sich gegenseitig, zum Beispiel in der Flüchtlingsarbeit. Als Ort finde ich den Bibelgarten toll. Jeder Gartenteil verkörpert ein biblisches Thema. Hier werden biblische Geschichten für Kinder und Erwachsene erfahrbar, zum Beispiel lassen wir Kinder auf einen Maulbeerfeigenbaum klettern und erzählen dann von Zachäus.

Wenn Sie die Möglichkeit hätten: Was würden Sie gerne als Erstes ändern wollen in der Kirche?

Ganz konkret würde ich die Rücknahme des Predigtverbotes von Laien in der Eucharistiefeier ändern – gleichermaßen für Männer und Frauen. So können unterschiedlichste Erfahrungen in die Auslegung des Evangeliums einfließen und so das Leben in den Gemeinden bereichern.

Was stärkt Ihren Glauben?

Wenn ich die Wunder der Natur sehe, blühende Blumen oder die Geburt eines Kindes, dann wird mir immer wieder bewusst, wie wertvoll das Leben ist. In der Schöpfung und wenn Menschen wohlwollend zusammenkommen, sehe ich Gottes Wirken am stärksten und bin voller Dankbarkeit. Das tägliche Gebet und der Austausch mit anderen Menschen geben mir Kraft und Zuversicht.

Mit wem würden Sie sich gern mal über Glaube, Kirche und Gott austauschen – und warum?

Häufig tausche ich mich mit ganz normalen Menschen aus meiner Umgebung über Glaube, Kirche und Gott aus und finde das sehr spannend. Wenn ich die Möglichkeit hätte, mit einer berühmten Person über diese Dinge zu sprechen, würde ich gerne einmal mit Margot Käßmann sprechen. Sie hat viel erlebt und erfahren, denkt in viele Richtungen und setzt sich sehr für die Ökumene ein. Das finde ich toll.

 

Fünf Fragen an ... Horst Feltrup. Er setzt sich schon seit Jahren in seiner Gemeinde in Wietmarschen ein, besonders auch für die Familienwallfahrt. 

Horst Feltrup aus der St.-Johannes-Gemeinde
Wietmarschen. Foto: Petra Diek-Münchow

Wofür engagieren Sie sich in der Kirche?

Ich engagiere mich in der Kirche gern für die Wallfahrt in unserer Gemeinde sowie alle anderen Gemeinschaftveranstaltungen, die zu einem guten Miteinander und zu gemeinsamen Glaubenserfahrungen im Alltag führen. 
Das können auch kleine Treffen mit Gemeindemitgliedern zum einfachen Austausch und guten Gesprächen sein. Wichtig scheinen mir, ein gutes Miteinander zwischen den Generationen in dieser Hinsicht zu sein. Deshalb bemühen wir uns in Wietmarschen, immer auch Vereine und verschiedene Gruppen mit einzubinden.

Was gefällt Ihnen an Ihrer Gemeinde gut?

Mir gefällt in unserer Gemeinde besonders gut die Vielfältigkeit, mit der der Glauben auch praktisch gelebt wird. Dazu gehören für mich die vielen verschiedenen Vereine und Gruppen, die alle auf ihre Art und Weise zu einer lebendigen Gemeinde beitragen. Auch das Engagement in sozialen Angelegenheiten und die Aktionen für andere Gemeinden, zum Beispiel  für Straßenkinder in Brasilien, und deren Unterstützung finde ich sehr gut. Hier wird deutlich, dass wir nicht auf unserer Insel leben, sondern alle mitnehmen sollten.

Wenn Sie die Möglichkeit hätten: Was würden Sie gerne als Erstes ändern wollen in der Kirche?

Die Kirche sollte offener und transparenter für die Menschen sein. Sie darf sich in bestimmten Dingen, zum Beispiel humanitäre Hilfe oder Seenotrettung, auch gerne mehr äußern, damit erkennbar wird, wofür die Kirche steht. 
Weiterhin sehe ich die Frauen in Zukunft viel stärker im Dienst am Altar. Diese Möglichkeiten sollten deutlich ausgeweitet werden, damit Kirche auch lebensnah und glaubhaft bleibt.

Was stärkt Ihren Glauben?

Mein Glauben wird durch viele persönliche Gespräche und Begegnungen im Alltag gestärkt. Weiterhin bin ich der Meinung, dass die Menschen nicht alles in der Hand haben, wie es oft den Anschein hat. Somit ist es wichtig, etwas zu haben, von dem man auch in schlechten Zeiten getragen wird.

Mit wem würden Sie sich gern mal über Glaube, Kirche und Gott austauschen – und warum?

Ich würde mich gern mit Frau Margot Käßmann einmal unterhalten. Sie scheint mir sehr glaubhaft und lebensnah zu sein. Außerdem hat sie die Verbindung von Glaube und Leben sehr gut gemeistert – auch die Möglichkeit, Fehler einzuräumen und dennoch den Weg weiterzugehen, zeigt auf, dass es immer weitere Möglichkeiten im Leben gibt.

 

Fünf Fragen an ... Kerstin Silies. Sie gehört zum Leitungsteam des Kolpingvorstandes Emsbüren, ist Gemeindereferentin in der Pfarreiengemeinschaft Freren und Ansprechpartnerin für die Kita-Pastoral im Dekanat Emsland-Süd. 

Das Hobby spät zum Beruf gemacht: Kerstin Silies
ließ sich mit 35 Jahren zur Gemeindereferentin ausbilden.
Foto: privat

Wofür engagieren Sie sich in der Kirche?

Familien zu begleiten, ist mir ein Herzensanliegen. Ich habe deshalb schon in mehreren Projekten mitgearbeitet. Während der Elternzeit – meine Töchter sind inzwischen 14 und 19 Jahre alt – ließ ich mich zur Liedergartenleiterin ausbilden und installierte den „Liedergarten im Bistum Osnabrück“ in Emsbüren. Später machte ich mein Hobby sogar zum Beruf und begann mit 35 Jahren noch eine Ausbildung zur Gemeindereferentin. Nun, da ich in meiner Heimatgemeinde nicht mehr hauptamtlich tätig bin, habe ich nach längerer Pause wieder ein Ehrenamt übernommen: im Vorstand der Kolpingsfamilie, gemeinsam mit Mia Gutschner.

Was gefällt Ihnen an Ihrer Gemeinde gut?

Es gibt ein starkes Netzwerk der Gruppen und Verbände sowie die Zusammenarbeit mit der „Initiative Seitenblicke“, die Familien und Menschen in Notlagen auffängt. Darüber hinaus gefällt mir die große Offenheit für das Mitwirken Ehrenamtlicher, ohne die ich meine Berufung zum kirchlichen Dienst sicher nicht gespürt hätte. 

Wenn Sie die Möglichkeit hätten: Was würden Sie als Erstes ändern in der Kirche?

In denke, den ersten Schritt habe ich gerade getan: Die Kolpingsfamilie Emsbüren hat einen weiblichen Vorsitz. Das Thema Frauen und überhaupt Laien in Leitungspositionen ist ein Thema, das mich – auch beruflich bedingt – begleitet. Ich wünsche mir insgesamt eine größere Offenheit, damit wir alle gemeinsam auf Augenhöhe  unseren Glauben leben und andere Menschen begleiten können. Dafür ist es besonders wichtig, dort zu sein, wo die Menschen sind, und zu spüren, was sie im Alltag beschäftigt. 

Was stärkt Ihren Glauben?

Die Erfahrung, dass ich nach schwierigen Zeiten, die auch zum Leben gehören, immer wieder spüre, dass ich getragen wurde. Gott trägt mich, und im Nachhinein bekommt alles seinen Sinn. Ich arbeite sehr gerne spirituelle Einheiten aus und begleite zum Beispiel Erzieherinnen bei Besinnungstagen. Die Erfahrungen aus diesen Gesprächen, aber auch die eigene spirituelle Auseinandersetzung geben mir Kraft und Glaubensstärke.

Mit wem würden Sie sich gern mal über Glaube, Kirche und Gott austauschen – und warum?

Gerne würde ich mich mit meinem verstorbenen Vater austauschen. Er war gläubig, hat aber nie so richtig verstanden, was ich in der Kirche eigentlich so mache. Wenn ich von einem Wortgottesdienst sprach, den ich leitete, fragte er immer: „Aber wekkern Pastor häv de Misse den makt?“ – so viel zum Thema Frauen und Laien … Auch hat er nicht darüber gesprochen, was er glaubt, was nach dem Tod kommt. Ich glaube, jetzt sieht er einiges anders und begleitet mich bei dem, was ich tue.

 

Fünf Fragen an ... Helmut Buschmeyer. Der 79-Jährige aus Bad Iburg setzt sich für Flüchtlinge ein und für Notleidende im Senegal. 

Helmut Buschmeyer ist unter anderem im
ökumenischen Asylkreis Bad Iburg aktiv.
Foto: privat

Wofür engagieren Sie sich in der Kirche?

Als normaler Kirchgänger fühle ich mich beiden Gemeinden verbunden: St. Clemens in Bad Iburg und – als alter Glaner – St. Jakobus in Glane. Seit 61 Jahren bin ich im Kolping aktiv. In schwierigen Zeiten nur reden und nicht handeln – das ist nicht mein Ding. Deshalb bin ich seit vier Jahren Mitglied und Sprecher im ökumenischen Asylkreis in Bad Iburg. Ich setze mich gern für Flüchtlinge ein und habe auch eine Patenfamilie. Außerdem arbeite ich ehrenamtlich bei der Caritas mit als Sprecher des Stiftungsfonds „Menschen in Not im Senegal“.

Was gefällt Ihnen an Ihrer Gemeinde gut?

Mir gefällt das Seelsorgeteam, zu dem ich in den vergangenen Jahren immer einen guten Kontakt hatte – auch wenn es Wechsel gab. Zum Teil sind Freundschaften entstanden. Namentlich nennen möchte ich Diakon Thomas Puke, Pfarrer Arnold Kuiter und Pfarrer Heinrich Bernhard Kraienhorst. Aktuell sind es Pastor Clemens Loth und Diakon Klaus Stühlmeyer. Auch zur Pfarrbeauftragten Christine Hölscher habe ich seit 15 Jahren guten Kontakt. 

Wenn Sie die Möglichkeit hätten: Was würden Sie als Erstes ändern in der Kirche?

Ich stehe dazu, nicht nur aus Personalmangel: Die Frauen müssen stärker in die Kirchenleitung eingebunden werden. In Sachen Zölibat sollte jeder Geistliche selbst frei entscheiden können. 

Was stärkt Ihren Glauben?

Ein starker Glaube ist ein fester Haltepunkt im Leben. Für mich spielt dabei die Muttergottes eine wichtige Rolle. Großen Einfluss hatte da mein Vater. Er war von 1945 bis 1949 in russischer Gefangenschaft. Die Familie zu Hause und die Gottesmutter waren in dieser Zeit äußerst wichtige Haltepunkte für ihn. In der eigenen Familie haben mir in schwierigen Situationen auch Gebete Kraft gegeben. Ich bedauere die Menschen, die diese Chance des Glaubens nicht erkennen und nutzen können.

Mit wem würden Sie sich gern mal über Glaube, Kirche und Gott austauschen – und warum?

Eigentlich mit vielen Menschen, die der Religion nahestehen. Das kann auch ein muslimischer Freund im Senegal sein. Als Einzelpersonen würde ich mal unseren Bischof Franz-Josef Bode und Bundeskanzlerin Angela Merkel nennen.

 

Fünf Fragen an ... Julia Wissing. Sie ist Vorsitzende des Pfarrgemeinderates in St. Michael in Hoya. Die Gemeinde gehört zur Pfarreiengemeinschaft Emmaus (Brinkum, Bruchhausen-Vilsen, Hoya, Kirchweyhe und Syke).

Julia Wissing engagiert sich in der Gemeinde
St. Michael in Hoya. Foto: privat

Wofür engagieren Sie sich in der Kirche?

Ich engagiere mich im Pfarrgemeinderat als Vorsitzende und kümmere mich um die Kinder- und Jugendarbeit in unserer Gemeinde, zum Beispiel das Krippenspiel, die Sternsingeraktion, Mini-Gottesdienste. Und ich unterstütze unsere Gemeindereferentin bei der Kommunionvorbereitung.

Was gefällt Ihnen an Ihrer Gemeinde gut?

Wir sind eine sehr kleine Gemeinde, daher kennt man sich untereinander. Es ist sehr familiär, man kann immer auf den anderen zählen.

Wenn Sie die Möglichkeit hätten: Was würden Sie als Erstes ändern in der Kirche?

Ich würde versuchen, die Gottesdienste viel lebendiger zu gestalten, um andere zum Mitmachen zu animieren und um zu zeigen, dass Kirche, Religion und Glaube bunt und vielfältig und vor allem cool sind. 

Was stärkt Ihren Glauben?

Die Gemeinschaft, Gottesdienste, das gemeinsame Theologisieren mit Kindern.

Mit wem würden Sie sich gern mal über Glaube, Kirche und Gott austauschen – und warum?

Mit dem Liedermacher Reinhard Horn. Seine Lieder verwende ich oft in der Arbeit mit den Kindern, weil mir die Texte sehr gut gefallen und er eine schöne Art hat, den Kindern Gottes große Liebe in seinen Liedern nahezubringen.

 

Fünf Fragen an ... Dagmar Peters-Lohmann. Sie ist Vorsitzende des Pfarrgemeinderats in St. Nikolaus in Groß Hesepe.

Dagmar Peters-Lohmann arbeitet ehrenamtlich
in ihrer Kirchengemeinde mit. Foto: Vitus/c Schöning
Fotodesign

Wofür engagieren Sie sich in der Kirche?

Von klein auf bin ich in ganz verschiedenen Bereichen meiner Kirchengemeinde St. Nikolaus in Groß Hesepe aktiv gewesen und seit der letzten Wahl Mitglied im Pfarrgemeinderat und Vorsitzende. Aktuell liegt mir der Kontakt der Gemeinde zu jungen Familien über die Kindertagesstätte vor Ort besonders am Herzen – und die Frage, wie „Caritas“ als gelebte Nächstenliebe weiter vor Ort wachsen kann. 

Ich erlebe dabei ganz konkret, Tag für Tag sehr viele Menschen, die in Liebe und Solidarität, Freiheit und Verantwortung die Frohe Botschaft im Alltag leben. Daher trete ich für einen wertschätzenden, respektvollen Umgang mit Vielfalt und eine offene, zugewandte Kirche ein, die viele beteiligt. Ich engagiere mich dafür, Kirche und Gemeinde einladend für alle zu gestalten. Außerdem möchte ich, dass Kirche gastfreundlich ist und Raum bietet für Wachstum und Experimente, damit sie lebendig bleibt und Neues entsteht.

Was gefällt Ihnen an Ihrer Gemeinde gut?

Meine Heimatgemeinde ist groß genug für eine Vielfalt von Engagement und guten Ideen und klein genug für eine gute Gemeinschaft. Vernetzung und Unterstützung in einem vertrauensvollen Miteinander ermöglichen auf dem Land oft sehr schnell sehr viel. Das macht Spaß und motiviert dann auch junge Menschen, sich einzubringen.

Wenn Sie die Möglichkeit hätten: Was würden Sie als Erstes ändern in der Kirche?

Die Rolle der Frau. Das Grundgesetz in Deutschland sagt klar: Männer und Frauen sind gleichberechtigt, der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin. Der Kirche steht es zwar rechtlich frei, „intern“ die Rollen anders zu ordnen. Dies ist aber für sehr viele Mitglieder der Peter-Kirche nicht akzeptabel, wie auch die Initiative Maria 2.0 im deutschen Kontext sehr deutlich zeigt. Kirchenamtlich wird jedoch oft betont, die Kirche habe keine Wahl. Mich freut, dass in unserem Bistum sehr aktiv Lösungen gesucht werden für möglichst viel Gleichberechtigung der Geschlechter!

Was stärkt Ihren Glauben?

Wirklich da sein, hören, vertrauen, gemeinsam Lösungen suchen und handeln in einem ständigen Dialog mit mir selbst, anderen Menschen, und Gottes Wort macht mich stark. Das klappt natürlich nicht immer, Gott sei Dank bislang aber oft genug in meinem Leben

Mit Menschen zusammen träumen, gestalten und heiter scheitern, trauern und kämpfen, feiern und schweigen ist eine Seite. Im Trubel des Alltags und den Wechselfällen des Lebens Zeiten der Reflexion, der Stille und des Gebets die andere. Beides hilft mir, den Kompass auszurichten auf die Liebe Gottes und aufzutanken.

Mit wem würden Sie sich gern mal über Glaube, Kirche und Gott austauschen – und warum?

Angesichts des Synodalen Weges mit Marianne Dirks (1952 Vertreterin der kfd für das Zentralkomitee der deutschen Katholiken und Teilnehmerin an der Würzburger Synode). Sie war bereits beim Vatikanum II als Beobachterin vor Ort und hat den Umgang mit den Anliegen deutscher Katholikinnen, die eine Eingabe gemacht hatten, verfolgt und davon berichtet. Der Dialog zwischen den Gruppen und die konkreten Perspektiven von Frauen in der katholischen Kirche waren ihr wichtig. Bis heute bleiben Kirchenrecht und Lehrmeinung weit hinter dem zurück, worauf die Frauen zu Zeiten der Synode hofften.

 

Fünf Fragen an ... Franz-Josef Röttger. Der frühere Leiter der Johannesschule in Meppen engagiert sich mit "Herz und Kraft" für die Kirche.

Franz-Josef Röttger war früher Leiter der
Johannisschule in Meppen. Foto: privat

Wofür engagieren Sie sich in der Kirche?

Besonders interessierte mich immer die entwick­lungs- und kirchenpolitische Lage, aktuelle Debatten und sozialkritische Themen – und das ist bis heute so. Ein besonderer Anstoß, mich mit der „Theologie der Befreiung“ auseinanderzusetzen, war eine Studienreise nach Peru 1977, die ich als Referent in der Jugendbildungsstätte Marstall Clemenswerth organisiert hatte. Die „Option für die Armen“ war deshalb mein Schwerpunkt – zum Beispiel durch Mitarbeit im Entwicklungspolitischen Arbeitskreis des Bistums und Angebote im Marstall. Ein besonderes Anliegen war mir auch die Einrichtung des Meppener Weltladens.
Aus diesem Kernanliegen entwickelte sich weiteres Engagement: zum Beispiel für „Kirche in Meppen“ (KiM) in Abstimmung mit Generalvikar Theo Paul, die Initiative „Stolperstein“, im Lektorendienst, für unseren Pfarrbrief „Dreiklang“ und im Vorsitz der Katholischen Erwachsenenbildung Emsland-Mitte. Aus einigen Bereichen habe ich mich mit meinen jetzt 75 Jahren zwar zurückgezogen, wirke aber weiter im Team der „Wärmestube“ mit und helfe mit meiner Frau bei der Begleitung von Flüchtlingen.   

Was gefällt Ihnen an Ihrer Gemeinde gut?

Ich fühle mich in meiner Gemeinde unterstützt und mitgetragen durch den jeweiligen Pfarrer und durch zahlreiche Gemeindemitglieder. Besonders gefällt mir das große Engagement vieler in den diversen Gremien unserer Pfarreiengemeinschaft, besonders in der Kinder- und Jugendarbeit. Die aktuelle Diskussion um die Stellung der Frau in der Kirche verfolge ich mit großem Interesse. In Meppen gibt es in der Ökumenischen Pfarrkonferenz eine gute Zusammenarbeit der evangelischen und katholischen Gemeinden, die im Gottesdienst am Pfingstmontag auf dem Marktplatz für alle sicht- und spürbar wird. 

Wenn Sie die Möglichkeit hätten: Was würden Sie als Erstes ändern in der Kirche?

Der „Synodale Weg“ mit den Themenbereichen Zölibat, Frauenordination, Sexualmoral und Macht in der Kirche macht mich zuversichtlich im Hinblick auf eine zukunftsfähige Kirche. Ich hoffe, dass das Zusammenwirken von Bischöfen und Laien „auf Augenhöhe“ hier entscheidende Akzente setzt. Mein Wunsch: Liebe Bischöfe und Laienvertreter, bleibt standhaft und lasst euch nicht von Bedenkenträgern irritieren! 
Für die Gottesdienstgestaltung hätte ich eine Anregung: Eucharistie feiern heißt „Gott Dank sagen für …“. Dieser Gedanke sollte die Feier bestimmen, weniger die Sündenklagen.

Was stärkt Ihren Glauben?

Der sonntägliche Gottesdienst und besonders das gemeinsame Mahl sind mir sehr wichtig. Eine gute Predigt trägt mich durch den Sonntag, manchmal auch durch die Woche. Stärkung meines Glaubens erfahre ich in der täglichen Bibellesung mit meiner Frau. Durch Papst Franziskus mit seiner offenen, herzlichen Zugewandtheit spüre ich, wie gut es ist, zur Kirche der Glaubenden zu gehören. Besonders gefördert in meinem Glauben fühle ich mich durch die poetisch-spirituellen Texte von An­dreas Knapp.

Mit wem würden Sie sich gern mal über Glaube, Kirche und Gott austauschen – und warum?

Ich hätte gern einmal mit dem leider kürzlich verstorbenen Ernesto Cardenal, einem der prominentesten Befreiungstheologen in Lateinamerika, diskutiert, um Anregungen für uns in Europa zu erfahren. Wichtige Impulse dazu lese ich in seinem Buch „Das Evangelium der Bauern von Solentiname“. Mit meinem Namenspatron, dem heiligen Franziskus, hätte ich mich ebenfalls gern getroffen. Sein Sonnengesang „Laudato si, mi signore“, der Papst Franziskus zu seiner Umweltenzyklika inspirierte, ist heute von hoher Aktualität angesichts der derzeitigen Klima- und Umweltdiskussion. Wie würde Franziskus sich dazu positionieren?

 

Fünf Fragen an ... Maria Wester. Sie arbeitet seit vielen Jahren in der Stadtpfarrei St. Augustinus in Nordhorn mit.

Maria Wester aus der Stadtpfarrei St. Augustinus
in Nordhorn. Foto: privat

Wofür engagieren Sie sich in der Kirche?

Seit vielen Jahren bin ich Mitglied des Pfarrgemeinderates, um an der Gestaltung des Gemeindelebens mitzuarbeiten, um Fragen von Menschen anzusprechen und Lösungen zu finden. Schwerpunkt meines Engagements ist die Mitgestaltung von Liturgie. Gerne übernehme ich den Dienst der Lektorin und als Ministrantin. Mein besonderes Interesse liegt in der Gestaltung von Wort-Gottes-Feiern und anderer Gottesdienste, um die Bedeutung des Glaubens für Menschen in Texten, Liedern, Gebeten und Bildern erlebbar zu machen.

Was gefällt Ihnen an Ihrer Gemeinde gut?

Als vor vier Jahren neu gegründete Stadtpfarrei sind wir auf dem Weg zu einer Einheit der fünf Gemeinden. Aber Gemeindeentwicklung braucht Freiheit, und (katholische) Einheit gibt es nur in der Vielfalt. Über diesen Weg gibt es viele Gespräche und das Bemühen, verschiedene Interessen einzubeziehen. Seelsorge und das Leben als Christinnen und Christen leben von Nähe, Beziehung und Kommunikation. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Ökumene, die auch vor Gründung der Stadtpfarrei in Nordhorn große Wertschätzung genoss. In Brandlecht – meiner Heimatgemeinde – gibt es schon lange eine intensive Ökumene.

Wenn Sie die Möglichkeit hätten: Was würden Sie als Erstes ändern in der Kirche?

Ich wünsche mir, dass die Kirche konsequent den eingeschlagenen synodalen Weg geht, für Transparenz sorgt, die Zugangswege zum sakramentalen Amt ändert und die Gleichberechtigung der Frau im Weiheamt ermöglicht. Deshalb sollte die Kirche bereit sein, die hierarchischen Strukturen zu ändern, denn „der Missbrauch von Macht steckt in der DNA der Kirche“, wie der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer betont. 

Was stärkt Ihren Glauben?

Grundlage meines Glaubens ist die frohe und befreiende Botschaft Jesu, seine Zusage, uns nicht fallen zu lassen. Meine Zweifel und Fragen und Hoffnungslosigkeit in schwierigen Lebenssituationen versuche ich im persönlichen Gebet anzusprechen. Die Begegnung mit Menschen, das Erleben und der Ausdruck meines Glaubens in Gemeinde, besonders in verschiedenen gottesdienstlichen Feiern, sind für mich Möglichkeiten, Gottes Nähe zu erfahren.

Mit wem würden Sie sich gern mal über Glaube, Kirche und Gott austauschen – und warum?

Gern würde ich ein Gespräch mit Gregor Gysi führen, der wortgewandt, (selbst)ironisch und humorvoll seine Positionen in Gesprächen darlegt. Besonders interessant ist für mich diese Aussage: „Ich glaube nicht an Gott, aber ich fürchte eine gottlose Gesellschaft, weil nur die Kirchen grundlegende Moral- und Wertvorstellungen allgemein verbindlich in der Gesellschaft prägen können.“ 

Interessieren würde mich, wie diese Haltung ohne Glauben an Gott möglich ist, warum diese aus seiner Sicht seitens der Kirchen/der Christinnen und Christen in hohem Maße umgesetzt werden kann, aber nicht von humanistischen, atheistischen Organisationen. Wie lange haben die Kirchen noch diese Aufgabe, wie lange werden sie sie noch erfüllen können, wenn die Austritte anhalten? Verliert eine Gesellschaft ihre Moral- und Wertvorstellungen und deren Umsetzung, wenn die Kirchen immer stärker an Bedeutung verlieren? 

Sehr gut vorstellen kann ich mir auch ein Gespräch mit Bischof Heiner Wilmer über seine Aussagen zu den Machtstrukturen in der Kirche und den Möglichkeiten, diese zu verändern. Welche Chancen haben alle getauften Männer und Frauen, ihre Vorstellungen von Kirche und Gemeinde einzubringen, und welche Umsetzungsmöglichkeiten gibt es? Eine interessante Frage ist für mich dabei der Pflichtzölibat und die Weihe der Frau, in diesem Zusammenhang natürlich auch, ob es in absehbarer Zeit überhaupt eine positive Entscheidung geben kann.

 

Fünf Fragen an ... Anke Lührsen. Sie hat verschiedene Ehrenämter in der Twistringer Pfarrei St. Anna übernommen. Und sie ist im Katholikenrat des Bistums vertreten.

Anke Lührsen ist unter anderem Vorsitzende
des Pfarrgemeinderats in St. Anna in Twistringen.
Foto: privat

Wofür engagieren Sie sich in der Kirche?

Ich bin zurzeit Vorsitzende des Pfarrgemeinderates meiner Heimatpfarrei in Twistringen. Zudem bin ich Mitglied im Arbeitskreis der Pfarrgemeinderäte unseres Dekanats und vertrete unsere Region auch im Katholikenrat. Darüber hinaus bin ich Kommunionhelferin und plane mit viel Freude jedes Jahr in einem Team die Sternsingeraktion. Ansonsten freue ich mich, bei unterschiedlichen Aktionen in unserer Gemeinde mitzumachen. Es gibt immer viel Interessantes zu tun und Neues zu entwickeln.

Was gefällt Ihnen an Ihrer Gemeinde gut?

Ich mag die Vielfalt der Menschen, die mir in unsrer Pfarrei immer wieder neu begegnen. Es sind so viele Persönlichkeiten, die alle ihre jeweiligen Fähigkeiten aktiv in unser Gemeindeleben einbringen. Hierbei finde ich gerade die Unterschiede unserer vier Gemeinden spannend, die alle ihre eigenen wunderbaren Züge haben. Mein echtes Highlight ist aber das Angebot der „Suppe am Sonntag“.

Wenn Sie die Möglichkeit hätten: Was würden Sie als Erstes ändern in der Kirche?

Familie war und ist immer ein wichtiger Schwerpunkt in unserem Gemeindeleben, was mir auch wichtig ist. Doch es gibt noch viele weitere Lebensrealitäten, die mehr Beachtung verdienen und mehr in den Fokus gerückt werden müssen: Ehepaare ohne Kinder, Alleinstehende, Geschiedene, Homosexuelle ... Das Leben ist bunt und sollte auch gerade von der Kirche akzeptiert und geschätzt werden! Wenn wir das Leben in seiner realen Vielfalt ernst nehmen, kann es uns im Kirche- und Gemeinde-Sein nur bereichern.

Was stärkt Ihren Glauben?

Fundament für meinen Glauben ist der sonntägliche Gottesdienstbesuch wie auch die erfahrbare Gemeinschaft in der Gemeinde. Sie stärken mich in meinen Alltag. Ein wichtiger Glaubensort ist für mich allerdings die Gemeinschaft von Taizé. Einmal im Jahr verbringe ich dort eine Woche, in der ich besonders die ruhigen Gesänge und die stillen Zeiten im Gebet genieße. Das sind Oasen-Momente für mich.

Mit wem würden Sie sich gern mal über Glaube, Kirche und Gott austauschen – und warum?

Ich mag und schätze den Liedermacher Reinhard Mey. Seine Texte berühren mich, weil seine jeweiligen Lebenssituationen stets Bestandteil seiner Lieder sind. Bei manchen Texten, die mit Gott oder der Kirche zu tun haben, kann ich aber nicht immer einschätzen, wie er genau dazu steht, was er eigentlich selber glaubt und hofft. Darüber würde ich gerne einmal mit ihm ins Gespräch kommen.

 

Fünf Fragen an ... Reinhard Börger. Er ist ehrenamtlich in der Gemeinde St. Barbara in Barnstorf aktiv und leidenschaftlicher Hobbymaler.

Reinhard Börger engagiert sich im Ehrenamt,
in der Ökumene und als Hobbykünstler.
Foto: Jürgen Rattay

Wofür engagieren Sie sich in der Kirche?

Gemeinde lebt davon, dass man mitmacht. In unserer Gemeinde bin ich Lektor und gestalte im Wechsel mit anderen Freiwilligen unsere Osterkerze. In einer ökumenischen Künstlergruppe gestalte ich seit zehn Jahren auch ein „Barnstorfer Hungertuch“ mit Motiven und Darstellungen zu biblischen, politischen und aktuellen sozialkritischen Themen. Diese Verkündigung bietet für uns als Gruppe und die Gemeinde die Chance, über das Alltägliche hinauszugehen, neue Einsichten zu eröffnen, und den Gottesdienst mit allen Sinnen zu erleben. Das macht Freude.

Was gefällt Ihnen an Ihrer Gemeinde gut?

In unserer kleinen Diasporagemeinde gefällt mir das persönliche und ganz enge Miteinander, die Begegnung mit unterschiedlichen Menschen, die sich aber alle bei uns beheimatet fühlen. Man spürt: Wer glaubt, ist nie allein. Ich fühle mich in unserer Gemeinde einfach wohl.

Wenn Sie die Möglichkeit hätten: Was würden Sie als Erstes ändern in der Kirche?

Ich würde bewährten verheirateten Männern, den sogenannten „viri probati“, die Priesterweihe, ermöglichen – mit dem langfristigen Ziel, den Pflichtzölibat abzuschaffen und gleichzeitig den Frauen einen Zugang zu den Weiheämtern zu ermöglichen. Nach meiner Ansicht ist das eine der drängendsten Reformen, da die Gemeinden unter dem Priestermangel leiden. Die Menschen brauchen und wünschen sich einfach persönliche Seelsorge.

Was stärkt IhrenGlauben?

Mein Glaube gibt mir Halt und Kraft im Leben, gerade auch in Zeiten in denen man, wie in der Erzählung von Margaret Fishback Powers, nur ein Paar Fußabdrücke im Sand sieht („... dort, wo du nur eine Spur gesehen hast, habe ich dich getragen ...“). Mich stärken die herrlichen und tröstlichen Zusagen Gottes und Jesu an uns („... du kannst nicht tiefer fallen als in Gottes Hand ...“). Gebet, Stille, Pilgern, Gemeinschaft und Verbundenheit vertiefen weiterhin meinen Glauben.

Mit wem würden Sie sich gern mal über Glaube, Kirche und Gott austauschen – und warum?

Mit Kardinal Reinhard Marx über die Verweigerung der Kirche, die heutigen Lebenswelten der Menschen zu akzeptieren. Und darüber, ob er seinen Rücktritt vom Vorsitz der Deutschen Bischofskonferenz mit Resignation und Enttäuschung gegenüber konservativen Kreisen begründen würde. Denn er hatte doch ganz ambitioniert den „Synodalen Weg“ in Deutschland angestoßen, um der Kirche neue und wichtige Impulse zu eröffnen.

 

Fünf Fragen an ... Yvonne Düttmann. Sie arbeitet als Pfarrsekretärin in St. Bonifatius in Hüven/Eisten bei Sögel.

Yvonne Düttmann. Foto: Foto-Studio Wucherpfennig

Wofür engagieren Sie sich in der Kirche?

Als Teenager fing mein ehrenamtliches Engagement in unserer Kapellengemeinde St. Josef Eisten bereits an, zunächst als Lektorin. Im Laufe der Jahre kamen noch viele weitere ehrenamtliche Dienste dazu: Wortgottesdienstleiterin, Kommunionhelferin, Küsteraushilfe, Hauskommunion, Lieder für die Gottesdienste aussuchen, Mitarbeit im Vorstand der Katholischen Frauengemeinschaft und Landjugend und im Kapellenvorstand – auch über die Heimatgemeinde hinaus – hinzu. Besonders wichtig ist mir, dass wir auch in unserer modernen kurzlebigen Welt unseren Auftrag als Überbringer der frohen Botschaft ernst nehmen: sei es während der Wortgottesfeier, bei der Überbringung der Kommunion zu den Senioren oder in spontanen Gesprächen im Alltag.

Was gefällt Ihnen an Ihrer Gemeinde gut?

Ich lebe in der kleinsten Gemeinde unseres Pfarrverbundes um St. Jakobus Sögel. Am meisten schätze ich, dass sich hier noch jeder persönlich kennt und wir eine so tolle Gemeinschaft haben, die über alle Generationen hinausgeht. Jung und Alt ziehen hier noch an einem Strang.

Wenn Sie die Möglichkeit hätten: Was würden Sie als Erstes ändern in der Kirche?

Um etwas zu verändern, braucht es Zeit und Geduld. Wie sich im Laufe der Kirchengeschichte gezeigt hat, manchmal auch sehr lange. Aber es wird! Wenn ich da an den Wandel denke, bis auch Mädchen in der Messe den Ministrantendienst übernehmen durften, da sind in Eisten bestimmt 20 Jahre vergangen. Mir wäre wichtig, dass der Rolle der Frau mehr Wertschätzung entgegengebracht würde, zum Beispiel auch durch den Diakonat der Frau!

Was stärkt Ihren Glauben?

Das sind die kleinen Momente im alltäglichen Leben, in denen ich Gottes Gegenwart und Nähe erahnen darf. Zum Beispiel, wenn mir beim Verlassen der Wohnung etwas Wichtiges einfällt, was ich im Stress des Alltags sonst vergessen hätte. Da spreche ich ein „Danke“ zum Himmel, dass er mich noch schnell erinnert hat. Zu wissen, dass der liebe Gott und die Gottesmutter immer für mich da sind. Ihnen kann ich alles anvertrauen und wenn ich mit meinem Latein am Ende bin, gebe ich meine Sorgen vertrauensvoll an die beiden ab. Ich schreibe alles auf einen Zettel und lege ihn zu Hause in meine kleine „DHGZE-Schachtel“: „Das Hat Gott Zu Erledigen“.

Mit wem würden Sie sich gern mal über Glaube, Kirche und Gott austauschen – und warum?

Diesen Austausch habe ich glücklicherweise bereits seit einigen Jahren. Damals fragte mich eine Freundin, ob ich nicht Lust hätte, mit ihr zur Schönstatt-Gruppe zu gehen. Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass dies ein wertvoller Schatz für mich werden würde, für den ich sehr dankbar bin. Seitdem treffen wir uns regelmäßig mit ein paar Frauen und Schwester Annedorit Löbke vom Schönstatthaus Meppen und sprechen im wahrsten Sinne des Wortes über „Gott und die Welt“.