22.12.2020

Krippenspiel im Freien

Laute Aussprache, kein Gesang

David Schedding, 18 Jahre alt, schreibt bereits im Sommer die Texte für das Krippenspiel in Riemsloh. Doch bei der Aufführung 2020 ist, bedingt durch Corona, vieles anders.

Das Krippenspiel wird vor der Kirche St. Johann in Riemsloh gezeigt. Foto: Thomas Osterfeld

Probe vor der Kirche St. Johann: David Schedding erinnert die Mitwirkenden daran, was in diesem Jahr das Wichtigste ist: Laut genug sprechen! Wegen der Nebengeräusche, wegen der Entfernung und wegen der Masken. Denn das Krippenspiel in Melle-Riemsloh, das der 18-Jährige mit den Kindern aus seiner Jugendgruppe einübt, wird draußen aufgeführt, mit Abstand zum Publikum. Die Darsteller tragen einen Mund-Nase-Schutz und werden auch nicht singen – coronabedingt ist vieles anders. 

In anderen Jahren präsentierte sich das Krippenspiel als eine Art Musical, bei dem viele Mitwirkende gemeinsam singen, unterbrochen von Szenen, die jeder kennt: Maria und Josef auf Herbergssuche, der Engel verkündet den Hirten die frohe Botschaft von der Geburt Jesu, die Weisen aus dem Morgenland erscheinen, um das Kind anzubeten.

Der Text ist bekannt und doch versuchen die Riemsloher, in jedem Jahr ein etwas anderes Krippenspiel zu gestalten. Seit 2014 ist David Schedding im Vorbereitungsteam dabei, Gemeindereferentin Monika Walbaum hatte ihn damals angesprochen, ob er nicht auch hinter den Kulissen mitmachen will. Als Darsteller war David schon als kleines Kind aktiv, angefangen hat er mit sieben Jahren, wie viele andere Kinder im Engelschor. Mitmachen können in Riemsloh Kinder ab drei Jahren, als Hirten oder Engel, Monika Walbaum führt dafür Anmeldelisten. Für eine größere Rolle muss ein Kind gut genug sprechen und sich einen Text merken können. Manchmal gibt es fünf, sechs Bewerberinnen für die Maria, manchmal keine. David Schedding hat oft bei den Engeln mitgemacht, 2013 hatte er mit einem Freund eine Erzählerrolle.

David Schedding hat den Text geschrieben und war bei den
Proben dabei. Foto: Thomas Osterfeld

Mittlerweile verfasst er für das Krippenspiel die wechselnden Rahmenhandlungen, die er sich jedes Jahr im Sommer ausdenkt. Und dann geht es darum, aus Walbaums 15 Liederbüchern die passenden Songs auszusuchen. In den Ferien hat er dazu Zeit, bevor er als Gruppenleiter ins Zeltlager fährt. Dem Krippenspiel stets eine etwas andere Wendung zu geben, macht Schedding Spaß. 2017 wurde es in Rückblenden erzählt und fing mit den Heiligen Drei Königen an, 2918 kam ein Weihnachtsexpress darin vor und 2019 führte ein Erzähler durch das Stück, der zuvor noch nie etwas von der Weihnachtsgeschichte gehört hatte.

Kinder sind Darsteller und Publikum zugleich

Im Winter 2020 sind die Beschränkungen wegen der Corona-Pandemie eine besondere Herausforderung. Das Stück kann aufgeführt werden, aber nur draußen, es ist auf Abstände zu achten und die Darsteller gehören allesamt zu derselben Kindergruppe, die sich auch sonst zu Scheddings Gruppenstunden im Pfarrheim trifft, mit Abstand und unter Beachtung der Hygienevorschriften. Unter den Umständen, dass die Mitwirkenden aus dieser festen Gruppe stammen, konnten die Proben beginnen. Die Kinder bilden unter Gesichtspunkten des Infektionsschutzes eine Kohorte. 

Bei den Proben wird Schedding von Anna Schleicher und Alina Wilken unterstützt. Sie achten zu dritt darauf, wie die Kinder sprechen, ob sie die richtigen Wege nehmen, sich nicht aus Versehen mit dem Rücken zum Publikum stellen. Schedding schaut dazu auf sein Tablet, auf dem er den Text gespeichert hat. Die Kinder sind Darsteller und Publikum zugleich: Wenn sie über den Auftritt eines Mitspielers lachen, wissen die Teamer gleich, wie das ankommt. 

So hat Mika Wilken einen kleinen feinen Auftritt als Kameltreiber Abudi. Er kommt mit den Heiligen Drei Königen aus dem Morgenland und fügt den Gaben Weihrauch, Gold und Myrrhe ein weiteres Geschenk hinzu. Den schönsten Satz hat allerdings Leon Flint als Balthasar. Verträumt schaut er das Jesuskind in der Futterkrippe an und stellt fest: „Ich bin so fasziniert, dass so ein kleines Kind der Retter der Welt sein soll.“

Andrea Kolhoff

 

Wichtiger Hinweis!

Das Krippenspiel sollte am 24. Dezember um 15 und um 16 Uhr aufgeführt werden. Leider mussten die beiden Andachten kurzfristig abgesagt werden. Es gibt mehrere Corona-Infektionen und damit verbundene Quarantäne. Als Alternative haben die Darsteller das Krippenspiel zuvor auch als Hörspiel aufgenommen. Es wird Heiligabend auf der Homepage der Gemeinde veröffentlicht.