09.05.2018

Prozession im Marienmonat Mai

Maria aus Vietnam zieht durch Norden

Die vietnamesische Gemeinschaft aus Norden trägt in einer langen Prozession die Marienstatue aus La Vang durch die Straßen der Stadt. Sie will damit eine Tradition aus ihrer alten Heimat bewahren und zur Völkerverständigung beitragen.

Mit Blumen geschmückt wird die Marienstatue aus La Vang durch die Straßen von Norden getragen. Foto: Werner Jürgens

„Wir sind sehr dankbar, dass wir unseren Glauben leben und unsere Wurzeln beibehalten dürfen“, sagt Nga Tran-Nguyen, die genau wie viele andere einstige vietnamesische „Boat People“ im ostfriesischen Norden eine neue Heimat gefunden hat. Ausdruck dessen ist eine Maiandacht, die mit einer stimmungsvollen Prozession eingeleitet wird. Und auch die hat einiges mit Toleranz und Glaubensfreiheit zu tun.

Im Fokus der Prozession steht eine Marienstatue, die an die Christenverfolgung im Jahre 1798 im damaligen Königreich Vietnam erinnert. In ihrer Verzweiflung flüchteten die Verfolgten seinerzeit in die Wälder von La Vang in der heutigen Provinz Quang Tri. An einem Baum, wo sie sich versammelten, um zu beten und Trost zu suchen, erschien ihnen laut einer Überlieferung „eine schöne Frau in strahlend gelbem Gewand mit einem Kind in den Armen“. Die Gläubigen erkannten in ihr die Jungfrau Maria. 1961 wurden die Erscheinungen von Rom anerkannt. 2002 weihte Papst Johannes Paul II. sechs Marienstatuen aus La Vang, von denen eine seit 2003 in Norden im Einsatz ist.

„Mir persönlich liegt das Thema Marienverehrung sehr am Herzen“, sagt Nga Tran-Nguyen. Die Versicherungskauffrau und zweifache Mutter absolviert nebenbei ein Theologiefernstudium, um ihren Glauben zu vertiefen. Wie viele ihrer Landsleute engagiert sie sich ehrenamtlich für die Kirchengemeinde in Norden. „Wir erleben immer wieder, dass Katholiken keinen Bezug mehr zur Gottesmutter haben. Und obwohl alle den Rosenkranz kennen, wird er trotzdem kaum noch gebetet“, meint sie. Daher möchte die vietnamesische Gemeinschaft den Menschen diese Form des Gottesdienstes nahebringen, damit sie die Marienverehrung und den Rosenkranz wiederentdecken.

Wenn dabei die asiatische Art der Liturgie mit traditioneller Kleidung und Musik praktiziert wird, ist das weit mehr als nur Folklore. „Einerseits geht es uns darum, den hier geborenen Kindern aus vietnamesischen Familien unsere Tradition zu vermitteln“, betont Tran-Nguyen. Sie sieht darin zugleich einen Beitrag zur Völkerverständigung, weil die Andachten sowohl in deutscher als auch in vietnamesischer Sprache gehalten werden.Die Marienskulptur bleibt für einen Monat in der St.-Ludgerus-Kirche. Dann wird sie bis zur nächsten Prozession bei vietnamesischen Familien untergebracht.

Werner Jürgens