26.04.2018

Familienwallfahrt nach Wietmarschen

Maria strahlt noch etwas mehr

Viele Menschen pilgern zur Muttergottes von Wietmarschen, zum Beispiel bei der Familienwallfahrt am 6. Mai. Die St.-Johannes-Gemeinde empfängt jeden Wallfahrer mit offenen Armen – auch in der Marienkapelle.

Ziel der Pilger aus der nahen und weiten Umgebung ist die
Marienstatue in Wietmarschen. | Foto: Petra Diek-Münchow

Ein bisschen außer Atem kommen die sieben Frauen in der St.-Johannes-Kirche in Wietmarschen an. Johanna Merkt und ihre Mitarbeiterinnen aus dem Exerzitienhaus in Ahmsen sind sieben Kilometer gepilgert und mussten sich etwas sputen. Denn jetzt möchte das Team eine heilige Messe in der Marienkapelle feiern. Alle setzen sich in die erste Bank und werden still. Genießen die Ruhe in diesem schönen Raum und warten auf Pfarrer Gerhard Voßhage. Kurz bevor er einzieht, wirft die Abendsonne ihr Licht auf die Muttergottesstatue, die vorn in der Kapelle steht. Gebettet auf marianisch blauem Stoff, strahlt Maria heute Abend noch ein bisschen mehr.

Das Ahmsener Team ist nur eine von vielen Gruppen, die das ganze Jahr über nach Wietmarschen pilgern. Der Ort hat seit Jahrhunderten eine große Anziehungskraft. Schon seit dem Mittelalter wird hier eine Darstellung Marias mit dem Jesuskind verehrt – das „Gnadenbild“. Zur Karfreitagswallfahrt der Kolpingsfamilien kommen bis zu 1300 Pilger, zur Familienwallfahrt sogar 2500. Außerdem steuern Seniorengruppen und Frauengemeinschaften, Erstkommunionkinder und Firmlinge aus dem Emsland, der Grafschaft, dem Münsterland und sogar den Niederlanden St. Johannes an. „Sie alle können Maria ihre Gedanken, ihre Sorgen, ihre Freude, ihre Hoffnungen anvertrauen“, sagt Pfarrer Voßhage. Und wendet sich noch persönlich an die Frauen aus dem Exerzitienhaus. „Auch Sie können hier alles abgeben, was Sie bewegt.“ Wietmarschen ist für jeden ein guter Ort, um zu beten.

Umso mehr, seit es die Marienkapelle gibt. Auf Bitten von Wallfahrern, nach vielen Gesprächen in der Gemeinde, mit der Bistumsleitung und dem Landesdenkmalamt hat das „Gnadenbild“ im Jahr 2014 einen neuen Platz in der Kirche erhalten – nicht hinter Glas und Gitter, sondern präsentiert in einem neuen Schrein. Die Besucher betreten die Kirche und sehen durch eine transparente Tür gleich in die schlichte Kapelle – direkt in das Gesicht Marias. Wenn es draußen dunkel ist, wird die Statue angestrahlt und ist durch die Glaswand auch von außen sichtbar. Manchmal kommen einige Leute extra nach Anbruch der Dämmerung, um Maria erleuchtet zu sehen.

Die Resonanz auf den Umbau ist sehr gut

Die Kapelle mit Platz für gut 50 Gäste ragt wie ein halbes Oval in das ansonsten kaum veränderte Kirchenschiff hinein. Knapp vier Meter hoch reichen ihre sanft geschwungenen Wände. Die Decke ist offen, der Blick frei auf das Gewölbe. Der Entwurf von Architekt Tobias Klodwig verbindet moderne Ästhetik mit religiösen Inhalten. Denn die aus hellen Eichenholzlamellen und schlichtem Glas gestalteten Wände lassen nicht nur Licht herein und erlauben den Blick hinaus in die Kirche, gleichzeitig umgeben sie die Gäste wie eine schützende Hülle. Hier setzt man sich gern in die Bank und spricht ein Gebet. „Maria umfängt gleichsam die Besucher der Kapelle“, sagt Voßhage. Die Resonanz auf den Umbau ist sehr gut.

Aber die Gemeinde belässt es nicht bei diesem neuen  Raum – sie ist sich auch inhaltlich ihrer Verantwortung bewusst. „Wir sind eben nicht nur eine normale Pfarrgemeinde, wir wollen auch gute Gastgeber sein“, erklärt Voßhage. Im Schriftenstand liegt ein Flyer, der alle geistlichen Angebote aufführt. Das ist das tägliche Mittagsgebet, das sind die Pilgermessen dienstags im Mai und Oktober, das ist die Feier der Versöhnung jeden Samstag, das sind die Führungen durch die Kirche und über den „Glaubensweg“ von Lohne nach Wietmarschen.

Und natürlich finden zu den Marienfesten im Mai, Juli, August und  September noch besondere Gottesdienste statt. Ohne die vielen Ehrenamtlichen aus der Gemeinde, aus dem Pfarrgemeinderat, Kirchenvorstand und dem Wallfahrtsverein wäre das kaum zu schaffen. „Die Wietmarscher sind stolz auf unser ganzes Ensemble“, sagt Gerhard Voßhage. „Und deshalb setzen sie sich gerne dafür ein.“ Und wenn eine Pilgergruppe einen eigenen Gottesdienst wünscht, sind die Seelsorger auch dazu bereit. „Das ist ein so schönes Angebot, ein so schöner Ort“, sagt Johanna Merkt nach dem Schlusslied.

Petra Diek-Münchow


Die Familienwallfahrt nach Wietmarschen findet am Sonntag, 6. Mai, statt. Weihbischof Johannes Wübbe feiert um 10.30 Uhr im Stiftsbusch die Messe. Die Gestaltung der Wallfahrt liegt in den Händen der Pfarreiengemeinschaft Obergrafschaft. Für Kinder gibt es ein gesondertes Angebot. Am Ende gibt es etwas zu Essen, um 14 Uhr ist Andacht in der Wallfahrtskirche.