22.03.2019

Grafschafter Gotteshäuser in 360-Grad-Ansichten

Per Mausklick ins Kirchenschiff

Die Grafschaft Bentheim ist geprägt vom Miteinander der Konfessionen. Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen lädt zu einer virtuellen Entdeckungsreise durch die Gotteshäuser ein.

Das Foto zeigt (v. l.) Pfarrer Ulrich Högemann, Jürgen Veldboer und Heinz-Hermann Nordholt (beide ACK-Vorstand), Hubert Winter (Grafschafter Sparkassenstiftung) sowie den Fotografen Franz Frieling. Foto: Sebastian Hamel

Das Kirchenprojekt der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) ist in Zusammenarbeit mit dem Nordhorner Fotografen Franz Frieling entstanden. Im Internet finden sich hochauflösende 360-Grad-Ansichten der Innenräume von 19 Gotteshäusern.

Die Begehung per Mausklick ermöglicht Einblicke in die teils jahrhundertealten Gebäude: Die Rundumaufnahmen erlauben den Blick in jede Richtung und erwecken den Eindruck, als stünde man tatsächlich inmitten eines Kirchenschiffs. Durch die hohe Auflösung lassen sich selbst kleine Details erkennen. Ergänzt werden die Aufnahmen durch kompakte Infotexte.

Um das Erlebnis des Onlinebesuchs weiter aufzuwerten, sind einige Objekte in den Kirchen mit einem Lupensymbol gekennzeichnet: Der Betrachter kann diese Punkte anklicken und erhält dann ein separates Foto sowie weitergehende Infos. So erfährt er zum Beispiel, dass die Kanzel in der evangelisch-reformierten Kirche in Ohne aus der Zeit des Dreißigjährigen Kriegs stammt oder dass in der katholischen St.-Joseph-Kirche in Emlichheim ein Kreuz aus dem 15. Jahrhundert zu finden ist.

Ein besonderer Clou ist die musikalische Komponente: Die Orgeln in den Kirchen sind jeweils mit einem Notensymbol gekennzeichnet. Wer dieses anklickt, kann die Instrumente erklingen lassen. Lässt man die Musik spielen und dreht das Bild dabei weiter, verändert sich der Klang sogar – ganz so, als wende sich der Besucher bei einem echten Rundgang von der Orgel ab. Das Webportal ist zudem für die Ansicht mit VR-Brillen geeignet. Wer die Seite mit einem Smartphone aufruft, kann einen entsprechenden Modus auswählen.

Zu 360-Grad-Ansichten zusammengeführt

Eineinhalb Jahre lang hat Franz Frieling die Kirchen fotografiert. Eine der Herausforderungen war es, die großen Lichtkontraste in den Gebäuden einzufangen. Die einzelnen Fotos wurden anschließend von einem Programmierer aus Köln zu 360-Grad-Ansichten zusammengefügt, die Agentur Bartsch & Frauenheim aus Nordhorn verwirklichte den Internetauftritt. Der Fachmann aus Köln hatte zuvor bereits ein Panorama des Kölner Doms erstellt. Heinz-Hermann Nordholt vom Vorstand der ACK zeigt sich vom Ergebnis angetan. Der Zugang zu den Kirchen gestalte sich dadurch niedrigschwelliger und erlaube ein „Hineingehen ohne hineinzugehen“: Zwar sei es kein vollwertiger Ersatz, weil Aspekte wie der Geruch fehlten, „aber nun bietet sich weltweit die Chance, Grafschafter Kirchen kennenzulernen“.

Jürgen Veldboer, ebenfalls ACK-Vorstand, unterstrich den ökumenischen Zuschnitt als wichtige Voraussetzung für den Erfolg eines solchen digitalen Projekts. Jede Konfession hatte die Möglichkeit, ihre ausdrucksstärksten Kirchengebäude zu zeigen. Bestimmte Bauten wie die Kapelle am Kloster Frenswegen waren aus Gründen der ökumenischen Vielfalt von vornherein gesetzt.

Finanziell ermöglicht wurde das Projekt – neben weiteren Sponsoren – durch eine Spende der Grafschafter Sparkassenstiftung in Höhe von 9000 Euro. Stiftungsratsvorsitzender Hubert Winter betonte, man habe das Projekt gerne unterstützt. Er beschrieb, welche Bedeutung die Ökumene für ihn als Katholiken mit einer evangelischen Frau und evangelisch getauften Kindern habe.

Sebastian Hamel

Alle Kirchen unter: www.grafschafter-kirchen.de