04.08.2018

Ein Förderprogramm soll helfen

Mehr Frauen in Leitung

Frauen sollen in der Kirche mehr Leitungsverantwortung übernehmen. Stellenbesetzungen scheitern aber manchmal an einer zu geringen Zahl von Bewerberinnen. Ein Förderprogramm soll helfen.

Sie tauschen sich aus: Daniela Engelhard (links) begleitet regelmäßig Angela Müller. 

 

Christine Hölscher arbeitet seit über 25 Jahren in der katholischen Kirche. Seit einiger Zeit hat die Gemeindereferentin als Pastorale Koordinatorin in der Osnabrücker Pfarrei Christus König einen neuen Aufgabenbereich übernommen. Als solche nimmt sie dem Pfarrer viel Arbeit ab – auch viel Verantwortung, wenn sie zum Beispiel Bauprojekte der Gemeinde begleitet oder als Personalverantwortliche in der Kindertagesstätte auftaucht. Vor drei Jahren nahm sie am Mentoring-Programm der Kirche teil, „und das hat mir geholfen, besser in die Rolle hineinzufinden“, sagt sie. Ein Jahr lang hatte sie monatlichen Kontakt zu ihrer Mentorin. Maria Feimann, Leiterin des Hauses Ohrbeck in Georgsmarienhütte, gab ihr von den eigenen Erfahrungen weiter.

Frauen für die Führung fallen nicht vom Himmel

Vor wenigen Wochen hat der Hildegardis-Verein in Bonn, der das Mentoring-Programm für die Kirche anbietet, eine Neuauflage gestartet (siehe „Stichwort“). Und wieder beteiligt sich das Bistum Osnabrück, dieses Mal lässt sich Angela Müller, Mitarbeiterin im Generalvikariat, fachlich begleiten. Auf der Suche nach einer Mentorin stieß sie schnell auf Daniela Engelhard, die seit 2002 das Seelsorgeamt leitet – damals war sie auf diesem Posten noch eine große Ausnahme.

„2013, als sich die Bischöfe intensiv mit dem Thema beschäftigten, gab es auf der oberen Leitungsebene in den Bischöflichen Generalvikariaten oder Ordinariaten nur einen Frauenanteil von 13 Prozent“, erinnert sich Daniela Engelhard, im mittleren Bereich seien es 19 Prozent gewesen. Viele waren damals von diesen Zahlen alarmiert, wünschten sich Veränderungen, mussten aber feststellen, dass „Frauen für Führungspositionen nicht vom Himmel fallen“, wie es Engelhard ausdrückt.

Frauen in ihrer beruflichen Entwicklung zu unterstützen, damit sie noch größere Verantwortung übernehmen – das steckt hinter der Idee des Mentoring-Programms. Angela Müller ist seit 2017 im Bischöflichen Generalvikariat in der Abteilung Personal und Organisation Ansprechpartnerin für die Mitarbeiter der Psychologischen Beratungsstellen und der Bildungshäuser, sie wurde als Teilnehmerin des Programms vorgeschlagen. „Offenbar kann man sich vorstellen, dass ich eines Tages Leitungsaufgaben übernehmen kann“, sagt die 36-Jährige und lächelt dabei. Mit der Teilnahme entstehe kein Anspruch auf eine Führungsposition – „es kommt ja auch auf die konkrete Situation und die Stelle an und außerdem muss die fachliche Qualifikation passen“. Müller stammt aus Spelle und arbeitete früher dort in der Verwaltung der politischen Gemeinde.

In den kommenden zwölf Monaten wird sich Müller regelmäßig mit ihrer Mentorin treffen, beide kennen sich von früheren Kontakten, denn Müller war lange ehrenamtlich für die Katholische Landjugend-Bewegung (KLJB) aktiv. Vertrauen als Basis sei so gegeben, sagt sie, „und das ist für mich dabei auch sehr wichtig“. Die beiden Frauen werden sich austauschen über die Arbeit und in welcher Haltung sie getan werden kann. Daniela Engelhard, die Theologin, findet es spannend, gerade jemanden aus dem Verwaltungsbereich der Kirche zu begleiten.

Als Frau eine andere Sichtweise auf die Dinge

Die Pastorale Koordinatorin Christine Hölscher erlebt in ihren Aufgaben immer wieder, dass sie als Frau oft eine andere Sichtweise auf bestimmte Dinge hat. „Anders, nicht besser“, betont sie und denkt an komplexe Bauprozesse, an denen viele Seiten beteiligt sind. „Ich achte dann sehr auf die Beziehungen und versuche, im Ausgleich Lösungen zu finden“, sagt sie. Womit sie den Männern keinesfalls absprechen wolle, ebenso vorgehen zu können. Für Daniela Engelhard bedeutet das Mentoring-Programm einen Schritt hin zur Normalität. „Objektive Untersuchungen zeigen, dass gemischte Teams aus Männern und Frauen zu besseren Ergebnissen kommen.“ Wenn diese Mischung selbstverständlich geworden sei, dann sei aus ihrer Sicht der Normalfall eingetreten. „Optimal ist es, wenn wir gar nicht mehr darüber reden müssen.“

Text und Foto: Matthias Petersen

 

Das „Mentoring-Programm zur Steigerung des Anteils von Frauen in Leitungspositionen in der katholischen Kirche“ wird vom Hildegardis-Verein zusammen mit den deutschen (Erz-)Bistümern und in Kooperation mit der Deutschen Bischofskonferenz durchgeführt. Ziel ist es, weibliche Nachwuchskräfte auf Führungspositionen in der katholischen Kirche vorzubereiten und zu einer geschlechtergerechten Personal- und Organisationsentwicklung beizutragen. Das Programm wirbt für den Arbeitsplatz Kirche, will den Anteil von Frauen in Leitungspositionen steigern und eine nachhaltige Nachwuchssicherung ermöglichen. Der Hildegardis-Verein in Bonn begleitet seit über 100 Jahren Frauen auf ihrem Weg zu akademischer Bildung und beruflicher Qualifizierung.