05.07.2019

Vor 150 Jahren Weihe von St. Marien in Badbergen

Minderheit baute neue Kirche

Die Katholiken in Badbergen haben sich nach dem Dreißigjährigen Krieg die Kirche St. Georg mit den Lutheranern geteilt. Später errichteten sie ein eigenes Gotteshaus. Vor 150 Jahren fand die Weihe von St. Marien statt.

Die Weihe der Kirche St. Marien Badbergen war vor 150 Jahren.
Foto: Andrea Kolhoff

Als mit dem Friedensschluss nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) verfügt wurde, an welchen Orten der protestantische Glaube gilt und wo die Kirchengemeinden die Messen nach katholischem Ritus feierten, wurde in Badbergen eine Besonderheit eingeführt: die gemeinsame Nutzung der Kirche durch Katholiken und Lutheraner. Es galten die Ausführungsbestimmungen der „Capitulatio perpetua Osnabrugensis“, bekannt als Immerwährende Kapitulation, und somit war Badbergen 1650 als doppelpfarrig erklärt worden. Die Katholiken waren jedoch eine Minderheit im Ort; im Jahr 1662 zählte das Kirchspiel Badbergen „4069 Evangelische gegen etwa 50 Katholische“, wie es in einem Buch von Hermann Heinrich Dühner heißt.

Katholisches Leben spielt sich auf Ebene der Pfarreiengemeinschaft ab

Heutzutage zählen zur Kirchengemeinde St. Marien Badbergen 1067 Personen, von denen einige den sehr engagierten Kern der Gemeinde bilden, wie Gemeindereferentin Monika Robin sagt. Die Tatsache, dass an manchen Samstagen die Vorabendmesse um 18.30 Uhr von nur rund 30 Leuten besucht werde, bedeute nicht, dass es in Badbergen keine aktiven Katholiken gebe. Vielmehr spiele sich katholisches Leben auch auf Ebene der Pfarrreiengemeinschaft ab. Badbergen ist Mitglied der Pfarreiengemeinschaft Artland, dazu gehören auch St. Marien Quakenbrück, St. Paulus Hengelage und St. Aloysius Nortrup.

So fahren Eltern mit ihren Kindern beispielsweise zur Familienmesse in St. Marien Quakenbrück, einige Badberger singen im Familienchor und auch die Frauen sind übergreifend aktiv. Treffen der Frauengemeinschaft finden auf Ebene der Pfarreiengemeinschaft statt. Einige Badberger beteiligen sich außerdem am Prozess der „Kirche der Beteiligung“.

Herbert Schuckmann, ein pesonierter Lehrer, der das Pfarrarchiv pflegt, bedauert, dass in Badbergen kein Kindergarten in katholischer Trägerschaft errichtet wurde, als es vor Jahrzehnten darum ging, dass Badbergen eine Kindertagesstätte braucht. Der damalige Pfarrer habe die Einrichtung eines katholischen Kindergartens abgelehnt. Badbergens Kindertagesstätte befindet sich in Trägerschaft des evangelischen Kirchenkreises Bramsche. Den Abschiedsgottesdienst für die Kinder, die eingeschult werden, gestaltete Monika Robin.

Bärwalder Andacht statt Bittprozession

Maria mit dem Jesuskind: Bei der Innenrenovierung der Kirche
St. Marien im Jahr 2006 arbeitete der Künstler Tobias Kammerer
mit verschiedenen Farben, er wählte Blau für Maria. Foto: Andrea Kolhoff

Nach wie vor wird in Badbergen die Bärwalder Andacht gefeiert. Diese geht darauf zurück, dass die Bewohner des schlesischen Ortes Bärwalde als Vertriebene 1946 mit dem Güterzug in Bersenbrück ankamen und nach Badbergen verteilt wurden. Sie hatten ihren Pfarrer Erich Czech dabei; er war dann später in Bersenbrück eingesetzt. Die schlesischen Badberger feiern jährlich eine Bärwalder Andacht und erinnern damit an die Bittprozession in ihrer alten Heimat, mit der man um eine gute Ernte bat. Neben dem alten Pfarrhaus steht eine Gedenkstele, die an das Eintreffen der Bärwalder erinnert.

Anlässlich der Kirchweihe vor 150 Jahren fanden Vorträge und ein Themenabend statt. Am 25. August folgt ein ökumenisches Gemeindefest rund um St. Marien, das um 11 Uhr mit einem Gottesdienst in der evangelischen Kirche St. Georg beginnt.

Andrea Kolhoff

Das Jubiläum zur Kirchweihe vor 150 Jahren wird mit einem Festgottesdienst mit Bischof Bode gefeiert. Beginn ist am Samstag, 13. Juli, um 18.30 Uhr in St. Marien.

 

Zur Sache

Alte Kirche mit Doppeltaufbecken
Als nach dem Dreißigjährigen Krieg in Badbergen die gemeinsame Nutzung der Kirche und des Friedhofs in Kraft trat, wurden Einzelbestimmungen im Teilungsrezess vom 21. April 1651 festgelegt. Ländereien und Häuser für Geistlichkeit und Küster wurden aufgeteilt, keine Partei durfte an der Kirche ohne Absprache mit der anderen Baumaßnahmen durchführen. Die Katholiken erhielten den Altar und das Taufbecken zur alleinigen Nutzung zugesprochen. Die Lutheraner erhielten einen Nebenaltar und sollten für sich ein neues Taufbecken aufstellen. So weit kam es allerdings nicht. Der damalige katholische Pfarrer, ein Jesuitenpriester, bot den Protestanten an, das Taufbecken gemeinsam zu nutzen. In den Taufstein aus Sandstein wurde ein Kessel aus verzinntem Kupfer eingelassen, der eine eingezogene Scheidewand hatte, um das evangelische vom katholischen Taufwasser trennen zu können. Der zweigeteilte Taufstein war mehr als 200 Jahre in Gebrauch, bis zur Auflösung des kirchlichen Simultanverhältnisses 1866. Er steht in der Kirche St. Georg.