14.09.2018

Verhaltensregeln für Jung und Alt

Mit Besteck essen – aber richtig

Verhaltensregeln bieten Sicherheit im Umgang mit anderen. Wer sie beherrscht, kann punkten, zum Beispiel beim Bewerbungsgespräch, auf Feiern oder beim Restaurantbesuch. Die wichtigsten Tipps für junge und alte Menschen.

Wie esse ich beim festlichen Weihnachtsessen ordentlich meine Suppe? In Kursen bekommen Kinder heute gute Manieren erklärt. Foto: picture alliance

Knigge – diesen Namen kennt eigentlich jeder. Aber was genau steckt hinter diesem Begriff? Soziale Manieren? Wert legen auf Etikette? Heute durchaus beides. Adolph Freiherr Knigge ging es vor über 200 Jahren zunächst um den besseren Umgang der Menschen miteinander. Das Benehmen bei Tisch meißelten spätere Generationen unter dem Begriff „Knigge“ fest.

Keine Frage: Gute und richtige Umgangsformen erleichtern das Miteinander. Verhaltensregeln bieten Sicherheit und werden heute nach wie vor akzeptiert. So gaben knapp die Hälfte der befragten jungen Menschen in einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach an, dass gutes Benehmen für sie wichtig sei. Dennoch beklagt jeder Siebte, dass die Menschen heute keine Manieren mehr hätten. Einige Tipps für einen guten Umgang:


Duzen, Siezen, sich vorstellen
Grundsätzlich werden erwachsene Menschen erst einmal gesiezt. Das „Du“ bietet immer der Ältere von ihnen an. Unter Kollegen macht die Frau den ersten Schritt: Sie schlägt dem Mann vor, sich fortan zu duzen. Eine Ausnahme von dieser Regel ist die höhere Position in der Firmenhierarchie. Trifft man aufeinander, wird zuerst die Frau begrüßt. „Immer noch ist es aber so, dass zuerst der Mann namentlich vorgestellt ist“, weiß Benimm-Expertin Margret Emke von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.

Noch immer wissen es nicht alle Erwachsenen: Als Jugendlicher geht man nicht auf die ältere Person zu und gibt ihr die Hand. Das Vorrecht, darüber zu entscheiden, ob ich die Hand gebe oder nicht, haben alleine die Älteren. Knifflig wird es beim Bewerbungsgespräch: Hat sich die Regel, wer wem zuerst die Hand gibt, beim Chef oder Personaler noch nicht herumgesprochen, ist Taktgefühl gefragt, rät Emke. „Dann muss ich als Jugendlicher auf den Älteren zugehen, weil derjenige es erwartet.“

Tipp: Wenn die Hand gegeben wird, dann richtig. Wer einen festen Händedruck beherrscht und dem anderen beim Gruß in die Augen schaut, kann punkten. Wer schlaff die Hand gibt, darf sich über Rückschlüsse auf die Persönlichkeit nicht wundern.


Wie melde ich mich am Telefon?
Am Festnetz-Telefon meldet man sich grundsätzlich mit dem Vor- und dem Zunamen. Der Grund: Familienmitglieder klingen stimmlich oft ähnlich. So kann man sie besser unterscheiden. Oder eine Frau hat beispielsweise eine sehr tiefe Stimme. Um hier im Nachhinein peinliche Richtigstellungen zu vermeiden, ist es empfehlenswerter, sich gleich mit dem vollen Namen zu melden.


Zu spät beim Meeting
Grundsätzlich gilt: Man verfügt nicht wegen mangelndem persönlichem Management über die Zeit der Anderen. Profis kommen nicht zu spät! Kommt es ausnahmweise doch einmal vor, dass man nicht pünktlich ist und das Meeting schon begonnen hat, setzt man sich wortlos dazu. „Auf keinen Fall sollte man hereinkommen und sich entschuldigen, wenn beispielsweise gerade jemand spricht“, meint Margret Emke.


Gesundheit wünschen
Das ist situationsabhängig. Ist man allein mit jemandem und derjenige niest, sollte man Gesundheit wünschen. Auch, weil es der derjenige erwartet, meint die Knigge-Fachfrau. Anders verhält man sich in einer Gruppe, etwa auf einer Veranstaltung: „Dort wünscht man keine Gesundheit, da es stören und den Rahmen sprengen würde.“ Sie empfiehlt Menschen, die öfter niesen müssen, etwa zu sagen: „Ich bin erkältet, man braucht mir nicht jedes Mal Gesundheit zu wünschen.“


Geschenke auspacken
Präsente, die man überreicht bekommt, sind gleich auszupacken. Das ist eine Wertschätzung dem Schenker gegenüber. Er hat so eine Rückmeldung, ob das Geschenk gut angekommen ist oder nicht. Ein weiterer Vorteil: Ist das Geschenk nicht das Richtige, lässt sich die Situation retten. Gemeinsam kann etwa vereinbart werden, es umzutauschen. Ausnahme von der Regel: Große Feiern mit einer Vielzahl von Gästen. Hier dürfen die Präsente zur Seite gelegt werden, um den Ablauf der Feier nicht in die Länge zu ziehen.


Benehmen bei Tisch
In größerer Runde, mit Gästen oder gar beim Geschäftsessen, signalisiert man mit exzellentem Benehmen am Tisch, dass man Anlass und Gegenüber wertschätzt. Das bedeutet: Ich sitze aufrecht und nehme die ganze Fläche des Stuhls ein. Beide Füße sind ganz auf dem Boden, beide Hände und Unterarme auf dem Tisch. Löffel und Gabel sind Diener des Mundes – nicht umgekehrt. Die Unterarme werden beim Essen niemals aufgestützt! „Sind Messer und Gabel vorhanden, sind auch beide zu benutzen“, empfiehlt Margret Emke. Ebenso verhält es sich mit der Serviette: Ist sie da, wird sie verwendet. Während des Essens liegt sie auf dem Schoß, um ärgerliche Kleckse auf der Kleidung zu vermeiden. Hat man das Essen beendet, landet die Serviette nicht auf dem Teller, sondern sie wird links vom Teller abgelegt.

Mag in amerikanischen Filmen auch noch so oft ein Glas mit Stil am Bauch angefasst werden, so bleibt das genauso oft ein Stilbruch: Hat ein Glas einen Stil, hält man es daran fest. „Gläser ohne Stil fasst man eher weiter unten an. Nie das ganze Glas in Beschlag nehmen“, weiß Margret Emke.

Ein No-Go ist in Gesellschaft, das Smartphone demonstrativ auf den Tisch zu legen. Für die Zeit eines Essens in Gesellschaft, gilt gleichzeitiges Telefonieren oder Mails checken als unhöflich. Erwachsene haben hier eine besondere Vorbildfunktion auf die nachwachsenden Benimm-Profis.

Stefan Buchholz