14.05.2020

Weiterbildung Schöpfungskompetenz

Mit Fachwissen gegen eigene Umweltsünden

Im vergangenen Herbst hat die Erwachsenenbildung erstmals den Zertifikatskurs Schöpfungskompetenz angeboten. Claudia Niemann hat seitdem einiges in ihrem Leben verändert.

Claudia Niemann hat von dem Kurs der Erwachsenenbildung reichhaltig profitiert. Sie weiß jetzt viel mehr über ökologische Zusammenhänge. Foto: Regine Hoffmeister

Schon vor Kursbeginn hat sich die junge Erzieherin und Sozialpädagogin, die im Internat des Landesbildungszentrums für Hörgeschädigte (LBZH) in Osnabrück arbeitet, viel mit ökologischen Themen befasst, Fachartikel gelesen und recherchiert. „Dabei fehlte mir aber oft der rote Faden und ich sprang von einem Thema zum anderen“, erinnert sie sich. Als ihr Mann, Sozialpädagoge im Diözesanjugendamt, sie dann auf den Kurs Schöpfungskompetenz der Katholischen Erwachsenenbildung aufmerksam macht, ist sie sofort Feuer und Flamme. In der Elternzeit mit ihrem zweiten Kind möchte sie sich die Zeit nehmen, sich intensiv und strukturiert mit dem Thema Nachhaltigkeit befassen. Im Herbst 2019 geht es los. In einer Reihe von Vorträgen und Tagesseminaren sollen die Teilnehmer dazu befähigt werden, für die Bewahrung der Schöpfung einzustehen und ihr Wissen als Multiplikatoren weiterzugeben.

Auf dem Seminarplan stehen Vorträge über Energieeffizienz und Artenvielfalt, Müllvermeidung, Mobilität ohne Auto, nachhaltige Lebensmittelproduktion und anderes mehr. Besichtigungen des CSA-Hofs Pente und des Osnabrücker Unverpackt-Ladens TARA sind angesetzt. Vor allem aber sollen die Teilnehmer selbst ins Tun kommen, ein eigenes Projekt entwickeln und davon berichten. Viele planen Projekte für ihre Kirchengemeinden oder auch die Schulen, in denen sie als Lehrkräfte tätig sind.

Persönlicher Alltag auf dem Prüfstand

Niemann ist aus rein privatem Interesse dabei. Sie stellt in ihrem „Do it yourself“-Projekt ihren persönlichen Alltag auf den Prüfstand. „Was sind eigentlich meine größten Umweltsünden?“, fragt sie sich. Viel zu viele unnötige Autofahrten konstatiert sie und führt eine Zeit lang Buch über ihre Fahrten: Von durchschnittlich 17 pro Woche möchte sie auf elf oder zwölf kommen, im zweiten Schritt auf höchstens acht. „An unserem Wohnort haben wir zum Glück kurze Wege zur Kindertagesstätte oder auch zum Einkaufen“, bemerkt sie. Es gehe da nur um die Überwindung des „inneren Schweinehunds“, um auf das Auto zu verzichten und zu Fuß zu gehen. 

Das neu erworbene Wissen um die ökologischen Zusammenhänge und der Austausch mit den anderen Kursteilnehmern motivieren die junge Mutter, dranzubleiben und weitere Maßnahmen umzusetzen: Zunächst für die Dauer des Kurses möchte sie sich komplett vegetarisch ernähren. „Fleischkonsum ist im Hinblick auf den Klimawandel mit das Schlimmste, was man machen kann. Schlimmer noch als Autofahren“, sagt sie. Der Verzicht fällt ihr nicht schwer, denn auch vorher hat sie nie viel Fleisch gegessen. Auch nach Kursende bleibt sie bei der vegetarischen Ernährung und zieht ihre Familie mit. Nur für ihre beiden Kinder gibt es ungefähr einmal in der Woche ein Gericht mit Fleisch: „Die beiden stecken ja noch in der Entwicklung, und da soll ihnen nichts fehlen.“

Müllvermeidung ist das dritte große Projekt, das Niemann sich vorgenommen hat. „Es reichen schon ganz wenige Kniffe, um enorm viel Müll einzusparen“, erklärt sie. Ihr Restmüll habe sich um mehr als die Hälfte reduziert, seitdem sie etwa mit der mitgebrachten Butterbrotdose an der Käsetheke oder mit dem eigenen Stoffbeutel beim Bäcker einkaufen gehe. „Das wird zum Glück mehr und mehr normal, und man erntet nicht mehr diese genervten ‚Schon-wieder-so-eine-Ökotante‘-Blicke wie früher.“ Milch und Joghurt kaufe sie in Pfandflaschen. Frischhalte- oder Aluminiumfolie benutze sie gar nicht mehr. Für Backpapier und Kaffeefilter habe sie wiederverwendbare Lösungen gefunden.

Veränderungen Schritt für Schritt

Was ihr vor dem Schöpfungskompetenz-Kurs zu zeitaufwendig und kompliziert erschien, wird zunehmend zur Selbstverständlichkeit. Sie setzt sich machbare Ziele und ist häufig überrascht, dass die Umsetzung leichter ist als gedacht. „Ich hätte mir zum Beispiel nie vorstellen können, Stoffwindeln für meine Kinder zu benutzen“, erklärt sie. Zu Jahresanfang nimmt sie sich vor, ihre kleine Tochter zumindest einmal am Tag mit waschbaren Windeln zu wickeln. „Jetzt bin ich schon bei etwa dreimal am Tag.“

Mehr selber machen, etwa Marmelade kochen oder Pesto zubereiten, vielleicht auch selbst etwas anpflanzen und weniger kaufen, seien ihre nächsten Ziele, sobald sich die anderen Veränderungen in ihrer Familie weiter eingespielt haben. Auch an ihrem Arbeitsplatz wolle sie Veränderungen anregen.

Regine Hoffmeister