16.07.2020

Nähprojekt der Caritas-Konferenzen

Wünsche erfüllen, Not lindern

In einem Nähprojekt der Caritas-Konferenzen haben sich Frauen zusammengeschlossen, um Gesichtsmasken für einen guten Zweck zu nähen. Ein gelungenes Beispiel für ehrenamtliches Engagement, das Kreise zieht.

Der Seniorin Anita Fenske hat das Nähen in der schweren Zeit der letzten Monate sehr geholfen – und neue Kontakte beschert. Foto: Thomas Osterfeld

Als im März die Schutzmasken bei der Caritas rar wurden, zögerte Monika Sewöster-Lumme nicht lange. Innerhalb kurzer Zeit rief die Geschäftsführerin der Caritas-Konferenzen (CKD) im Bistum mit einem Organisationsteam das Projekt „Gemeinsam Nähe(n)“ ins Leben. Freiwillige aus Melle und Wellingholzhausen, die sonst für die „Türöffner-Initiative“ in Besuchsdiensten bei einsamen Menschen unterwegs waren, wollten sich trotz der Kontaktbeschränkungen für ihre Mitmenschen engagieren. Weitere Ehrenamtliche aus  der Kolpingsfamilie sowie der kfd Wellingholzhausen schlossen sich ihnen an. 

Gemeinsam kamen sie auf die Idee, Gesichtsmasken zu nähen, um sie sozialen Einrichtungen in der Region gegen eine Spende zur Verfügung zu stellen. Die fleißigen Näherinnen fertigten in den vergangenen Wochen Hunderte kochfeste und wiederverwendbare Behelfsmasken an. 

Kurzerhand wurde eine Website erstellt und ein Instagram-Auftritt eingerichtet. So wurde das Projekt schnell publik. Über den CKD-Bundesverband wurde das Projekt auch überregional verbreitet. Monika Sewöster-Lumme betont, wie wichtig eine Koordination von Projekten durch den Verband ist: „Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, ehrenamtliches Engagement zu entdecken und zu bündeln. Die Begleitung in der Zeit der ersten Schritte ist wichtig, damit eine Initiative oder ein Projekt nachhaltig wachsen kann.“ Sie freue sich über die zahlreichen helfenden Hände, die bei „Gemeinsam Nähe(n)“ mitwirken. Mit den Erlösen wollten sie Wünsche erfüllen, Not lindern und – wenn es wieder möglich ist – ein großes Fest feiern. 

Die neue Nähmaschine sollte endlich zum Einsatz kommen

Eine der Näherinnen ist Anita Fenske aus Osnabrück. Die 76-jährige Seniorin hatte zufällig von dem Projekt erfahren, als sie ihrem an Demenz erkrankten Mann Wäsche ins Seniorenzentrum brachte. Vor der Tür kam sie mit Monika Sewöster-Lumme ins Gespräch. „Mich hat es sehr bedrückt, dass ich meinen Mann monatelang nicht sehen konnte. Ich fühlte mich in dieser Zeit so ohnmächtig“, berichtet Fenske. 

Über die Frage, ob sie nähen könne und Teil des Projekts werden möchte, freute sie sich sehr: „Erst kürzlich hatte ich mir eine neue Nähmaschine gekauft, die endlich zum Einsatz kommen konnte.“ Das Nähen habe ihr in dieser schwierigen Zeit geholfen. Sie sei dankbar für die Begegnung.

Dass Ehrenamt verbindet, bestärkt auch Marion Rademacher. Die Unternehmensberaterin hatte immer schon den Wunsch, sich sozial zu engagieren. „Durch die aktuell maue Auftragslage habe ich endlich die Zeit gefunden, mich ehrenamtlich einzubringen. So konnte ich die Phase des Lockdowns sinnvoll nutzen.“ Mit ihrem Auto, das als Versorgungsmobil fungierte, stattete sie täglich die 35 Näherinnen mit neuem Material aus. Die Mundschutze wurden überwiegend aus Stoffspenden angefertigt, die im gesamten Dorf gesammelt wurden. Dieser solidarische Zusammenhalt und das Selbstverständnis aller Ehrenamtlichen haben die 50-jährige nachhaltig beeindruckt. Sie könne sich daher gut vorstellen, weiter soziale Projekte der Caritas zu unterstützen. 

Gemeinsam ein bisschen weniger einsam

Für die Bewohner der Tagespflege in Wellingholzhausen gab es jetzt eine besondere Überraschung. Die Pflegeeinrichtung erhielt ein E-Piano – finanziert von den Spendengeldern, die im Rahmen des Nähprojektes gesammelt wurden. 

Die Freude der Senioren über das neue Musikinstrument war groß. Bei der Übergabe konnten die Mitwirkenden sich erstmalig  live kennenlernen. „Es ist schön zu sehen, welche Verbundenheit entstanden ist, obwohl sich viele der Ehrenamtlichen nicht persönlich kannten“, so Sewöster-Lumme. Sie möchte das Projekt unter dem Motto „gemeinsam ein bisschen weniger einsam“ gerne langfristig fortführen. 

Luisa Müllmann