06.08.2020

Baumrettung in Holsten-Bexten

Naturdenkmal in Gefahr

St. Marien ohne die „Denkmalsbuche“? Das ist für viele Einwohner aus Holsten-Bexten kaum vorstellbar. Doch der über 200 Jahre alte Baum ist in Gefahr. Kirche, Kommune und Landkreis wollen das Naturdenkmal retten.

Rund um die Uhr wird die große Buche an der Kirche in Holsten-Bexten derzeit bewässert. Die Gemeinde hofft, dass sich der Baum dadurch erholt. Foto: Petra Diek-Münchow

Die Buche steht direkt vor der St.-Marien-Kirche in Hols­ten-Bexten bei Salzbergen. Und das Wort „imposant“ passt zu ihren Ausmaßen. 35 Meter misst die Krone im Durchmesser, der Stammumfang nähert sich der Fünf-Meter-Marke an. Weil sie so schön gewachsen ist, hatte der Landkreis Emsland die Buche schon 1982 zum Naturdenkmal erklärt. Ihre Äste überschatten den Kirchhof – ein schöner Platz, den auch die Kirchengemeinde nutzt. „100 Leute haben Platz darunter“, sagt Pfarrer Michael Langkamp. Er erzählt, dass hier Taufen und Trauungen, Hubertusmessen und Tiersegnungen stattfinden – dass sich viele Besucher hier gern auf einen Plausch treffen. Er erinnert sich an einen Firmgottesdienst bei der Buche, nach dem die jungen Leute einen kleinen Setzling als Geschenk für zu Hause bekommen haben, „damit ihr Glaube so stark wird wie dieser Baum“.

Doch derzeit steht es nicht gut um die „Denkmalsbuche“. Licht sieht die Krone aus, einige Äste sind schon abgestorben und die im Vergleich zu früheren Jahren eher spärlichen Blätter sind viel zu klein. Und dass der Baum so viele Bucheckern produziert, ist eher ein schlechtes Zeichen. „Die Buche befindet sich in einem akuten Überlebenskampf“, erklärt der Pfarrer. Der Grund dafür liegt nach seinen Informationen vor allem in der extremen Trockenheit der vergangenen zwei Jahre: Es gab einfach zu wenig Regen für den Baum. In den vergangenen Wochen hat Langkamp oft mit der Unteren Naturschutzbehörde beim Landkreis und mit der politischen Gemeinde darüber gesprochen, gemeinsam wollen sie das Naturdenkmal retten.

Tag und Nacht läuft nun bis auf Weiteres eine Bewässerung bei der Buche und der Rasen rundherum ist derzeit mit einem Flatterband abgesperrt, damit vorerst niemand die Fläche betritt. „Das hat auch schon geholfen“, glaubt Michael Lampkamp. Die Kosten für die Maßnahmen teilen sich laut Langkamp Kirchengemeinde und die Kommune in Salzbergen, die ebenfalls ein großes Interesse an dem Erhalt der Buche hat.

Laub und G(laub)e haben dieselbe Wortwurzel

In diesen Tagen kommt außerdem eine Fachfirma, um mehrere Baumpflegemaßnahmen zu starten. Nach Auskunft von Hermann Fehnker von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Emsland soll dabei unter anderem totes Holz herausgeschnitten und die Baumkrone durch Gurte neu gesichert werden. Nachgedacht wird auch über eine Bodenbelüftung rund um die Buche und eine Impfung der Wurzeln.

„Wir haben auch ein pastorales Interesse daran, die Buche zu bewahren“, bekräftigt der Pfarrer und spricht damit zugleich für den Kirchenvorstand und den Pfarrgemeinderat. „Mit ihren starken Wurzeln und weit ausladenden Ästen ist die Denkmalsbuche für uns ein Symbol des christlichen Glaubens.“ Laub und G(laub)e, so zeigt er auf, hätten im germanischen Wortgebrauch dieselbe Wortwurzel. Das hat für ihn etwas damit zu tun, mit Leben erfüllt zu werden und Zukunft zu haben: „Ein starkes Sinnbild.“ Er hofft, dass auch künftig bei der Buche wieder Freiluftgottesdienste stattfinden können. 

Nach Gesprächen gerade in den vergangenen Wochen weiß Langkamp, wie viel den Holstenern „ihre Buche“ bedeutet. „Sie hat ein hohes Identifikationspotenzial und gehört einfach zur Kirche dazu. Sie ist ein Symbol für den Ort und zieht die Leute magisch an.“ Besonders nach der Umgestaltung der St.-Marien-Kirche gibt es hier noch mehr Besucher als sonst. Sie schauen sich unter anderem die neue Marienkapelle mit dem Marienzyklus des Osnabrücker Künstlers Ludwig Nolde an – mit vier Statuen, die aus dem Leben Marias erzählen. Oft brennen viele Lichter davor. „Wir können gar nicht so schnell Kerzen hinterherlegen, wie angezündet werden.“ 

Petra Diek-Münchow

Die Kirchengemeinde sucht nach historischen Bildern und Fotos, vielleicht sogar noch aus der Zeit vor 1952, als die St.-Marien-Kirche in Holsten-Bexten gebaut worden ist. Wer fündig geworden ist, kann sich im Pfarrbüro in Salzbergen melden, Telefon 0 59 76/12 75.