18.03.2021

Kunstprojekt in Glandorf und Schwege

Neubeginn - ohne Maske

Ein Kunstprojekt begleitet die Pfarreiengemeinschaft Glandorf/Schwege in dieser Fastenzeit: In den Kirchen sammeln sie abgelegte Stoffmasken und rufen dazu auf, den Menschen hinter der Maske zu entdecken – symbolisch natürlich.

Auch Pfarrer Stephan Höne und Gemeindereferentin Edith Triphaus machen bei der Kunstaktion mit.

 

Über 15 Millionen Zuschauer haben es im Dezember an den Bildschirmen mitverfolgt: Am Ende seiner letzten Sendung legte Tagesschau-Sprecher Jan Hofer lächelnd seine Krawatte ab. Plötzlich sah er ganz anders aus – so ohne Maske, ohne Dienst-Krawatte, dafür mit einem persönlichen Gesicht.

„Wer verbirgt sich hinter einer Maske? Wer sind die anderen? Wer bin ich?“ Diesen Fragen geht die Pfarreiengemeinschaft Glandorf und Schwege in dieser Fastenzeit nach. Zum Schutz vor dem Coronavirus sind Masken seit einem Jahr fester Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens. Zunächst aus Stoff, nun als medizinische Variante – überall müssen sie getragen werden. Im Rahmen eines Kunstprojekts sind die Gemeindemitglieder nun aufgerufen, ihre alte Stoffmaske (gewaschen und desinfiziert) abzugeben und sie in Plexiglaskästen in den Kirchen zu legen.

Ein Masken-Kunstwerk als Hungertuch

So soll ein eigenes Hungertuch in den Gemeinden entstehen – ein Stoffmasken-Kunstwerk, das in den Gottesdiensten und Liturgien thematisch begleitet wird. Pfarrer Stephan Höne zitiert dabei den Philosophen Jean Jacques Rousseau: „Die Maske fällt, es bleibt der Mensch“. In seinen Predigten und Impulsen möchte er in der Fastenzeit den Menschen in den Mittelpunkt stellen, dazu anregen, Masken im übertragenen Sinne fallen zu lassen – vor sich und anderen.

Der Bezug zur Karwoche liegt für ihn dabei auf der Hand: Auch Pilatus habe gesagt, nachdem er Jesus seiner Kleider berauben ließ: „Seht, der Mensch.“ (Johannes 19,5) Er ermuntert, einmal hinter die Masken und die Fassaden zu sehen und sich zu fragen: „Bin ich nur die Ansammlung von Funktionen, von Aufgaben, von Rollen? Und wenn ich das alles einmal ablege: Was bleibt? Wer bin ich außerdem?“ Der Pfarrer macht der Gemeinde Mut: „Hinter der Maske bin ich ich selbst, dazu darf ich stehen“. Und er bringt als Beispiel neben Nachrichtensprecher Jan Hofer auch den gelähmten Schauspieler Samuel Koch, der gesagt haben soll: „Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich unabhängig von meiner Nützlichkeit etwas wert bin, einfach, weil ich da bin.“

Bewusst will das Pastoralteam mit dem Kunstprojekt in dieser Fastenzeit ein Zeichen setzen, das mit dem Alltag der Menschen zu tun hat. Ein Hoffnungszeichen. „Von Einschränkungen haben die Menschen genug. Masken, die man ablegen kann, sind ein Hoffnungszeichen. Auch, wenn es derzeit nur symbolisch gesehen werden kann.“ Mit den Impulsen will Höne den Menschen eine andere Perspektive geben: „Wir blicken nach vorne, überlegen, wie wir für uns selbst auch gut Ostern feiern können.“ Er macht Mut, nicht nur darauf zu schauen, was nicht geht, wer nicht eingeladen werden kann: „Macht ein schönes Fest daraus.“

Nach und nach füllen sich nun die Kästen in den beiden Kirchen in Glandorf und Schwege. Bunt gemischt und ganz individuell liegen die Masken in den Boxen. Für Stephan Höne ist das auch ein Spiegelbild der Gemeinde: „Jede und jeder ist anders – genau wie die Alltagsmasken, die wir getragen haben. Wir sind individuell und bilden doch eine Gemeinschaft, in der jeder wichtig ist.“ Dabei ermuntert er die Gemeindemitglieder, nicht nur bei sich selbst, sondern auch beim anderen hinter der Maske den Menschen zu entdecken.

Eine besondere Rolle spielt das Projekt auch in den Liturgien der Karwoche und an Ostern. So zum Beispiel am Gründonnerstag. Zur Fußwaschung sollen zwölf Hocker mit je einer Rose darauf im Altarraum stehen, die die Jünger symbolisieren. Der Maskenkasten kommt in die Mitte. Er stelle die Gemeinde dar, so Höne. Und mit Blick auf Ostern betont er: „Auferstehung bedeutet Neubeginn. Wenn ich die Maske weglege, bedeutet das auch, dass ich Altes fallenlasse. Ich kann neu in die Zukunft gehen.“

Astrid Fleute