13.08.2021

Faire Kleidung

Neue Mode um jeden Preis?

Schicke Jacke! Aber wurde das Logo von einem Zwölfjährigen aufgenäht? Wer vermeiden will, dass seine Kleidung mit Kinderarbeit hergestellt wurde, giftige Stoffe enthält oder auf Ausbeutung beruht, kann sich an einem Siegel orientieren.

Viele Käufer achten bereits auf fair produzierte Kleidung. Fotomontage: Imago/M. Gstettenbauer/K. Kolkmeyer

Dass Modebewusste sich jeden Monat neue Kleidung kaufen wollen, entspricht dem Trend zur „Fast Fashion“ (übersetzt etwa „schnelle Mode“), einer Branche,  die schnelllebige Trends setzt und günstige Teile für den Massenkonsum auf den Markt wirft. Wie diese produziert werden, ist für viele Konsumenten kein Thema, für andere aber schon. Immer mehr Menschen interessieren sich dafür, ob ihre Kleidung Giftstoffe aus Farben oder Ausrüstungschemikalien (Stichwort: bügelfrei) enthält, denn sie wollen keine gesundheitlichen Schäden riskieren, zum Beispiel Allergien durch Farbstoffe. Andere greifen zu Kleidung, deren Siegel verspricht, dass sie fair produziert wurde, weil sie möchten, dass die Näherinnen ordentlich behandelt und bezahlt werden.

Kirchliche Gruppen der Eine-Welt-Arbeit, Verbände wie Kolping und Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) und kirchliche Hilfswerke lehnen ausbeuterische Bedingungen in den Herstellerländern schon seit langem ab. Unternehmen können bei vielen Kunden damit punkten, wenn sie fair produzierte Ware anbieten. Einige deutsche Firmen für Outdoorbekleidung gehören schon seit Jahren der Initiative „Fair wear“ an und erhalten das entsprechende Siegel. Dieses und einige andere Siegel sollen hier kurz vorgestellt werden.

 

Cotton made in Africa
Das Siegel „Cotton made in Africa“ wird an Produkte aus Baumwolle vergeben, wenn diese aus dem Programm „Cotton made in Africa“ bezogen wurden. Es handelt sich um eine Initiative der Stiftung „Aid by Trade Foundation“, die von Michael Otto gegründet wurde, aber unabhängig von der Otto Group agiert. Afrikanische Kleinbauern, die Baumwolle anbauen, sollen unterstützt werden, denn die Weltmarktpreise sind auch durch den staatlich subventionierten Baumwollanbau in den USA gesunken. „Cotton made in Africa“ setzt auf landwirtschaftliche Schulungen, in denen die Kleinbauern moderne und umweltschonende Anbaumethoden erlernen, um die Ernteerträge und damit ihr Einkommen zu erhöhen.

Hinzu kommen unter anderem folgende Bedingungen: Die Felder dürfen nur mit Regenwasser bewässert werden, die Abholzung von Urwald ist verboten, Kinderarbeit und Zwangsarbeit sind verboten und die Versammlungsfreiheit der Kleinbauern muss gewährleistet sein. Als hochgefährlich eingestufte Pestizide dürfen nicht verwendet werden, außerdem darf kein gentechnisch verändertes Saatgut verwendet werden. Textilien aus „Cotton made in Africa“ werden unter anderem von „tchibo“ und „Aldi“ verkauft. 

 

Made in Green by Oeko-Tex 
Das Siegel „Made in Green by Oeko-Tex“ garantiert, dass ein Artikel auf Schadstoffe geprüft wurde (nach dem Standard Oeko-Tex 100). Das Siegel Oeko-Tex 100 gibt es schon lange, Kunden achteten darauf, dass zum Beispiel Unterwäsche, die direkt auf der Haut getragen wird, diese Schadstoffprüfung durchlaufen hat. Mit dem erweiterten Siegel „Made in Green by Oeko-Tex“ wird außerdem versprochen, dass das Produkt nicht nur schadstofffrei ist, sondern auch unter sozialverträglichen Arbeitsbedingungen hergestellt wurde.

 

Fair Trade Cotton
Baumwolle wird wie Kaffee an der Börse gehandelt, Kleinbauern sind den Marktschwankungen ausgeliefert. Die Fair Trade-Initiative versucht, die Baumwollkleinbauern in Afrika und Asien mit stabilen Mindestpreisen zu unterstützen, ein zusätzlicher Fair-Trade-Zuschlag muss in Gemeinschaftsprojekte investiert werden, zum Beispiel für Bildung. Zwangsarbeit und Kinderarbeit werden verboten, die Familien können ihre Kinder zur Schule schicken.

 

GOTS
Kleidung, die nach dem GOTS-Siegel zertifiziert wurde, erfüllt hohe ökologische Anforderungen an das Produkt und außerdem hohe Anforderungen an die sozialen Standards bei den Herstellerfirmen. GOTS steht für den englischen Begriff „Global organic textile standard“. Alle Produkte müssen zu mindestens 70 Prozent aus Biobaumwolle hergestellt sein, die Kennzeichnung lautet dann „hergestellt aus x% kbA/kbT Fasern“. Für die strenge GOTS-Kennzeichnung „Bio“ ist ein Anteil von 95 Prozent Biobaumwolle erforderlich. In den Textilien enthaltene chemische Stoffe müssen bestimmte Kriterien zur Umwelt- und Gesundheitsverträglichkeitsprüfung erfüllen. Accessoires aus PVC, Nickel oder Chrom sind in den Produkten verboten. 

Auch die sozialen Bedingungen in allen Betrieben der Lieferkette sind Teil des Siegels, es müssen die Mindestkriterien der internationelan Arbeitsorganisation ILO (International Labour Organization) erfüllt werden. GOTS-zertifizierte Kleidung gibt es schon seit vielen Jahren bei Firmen wie Hess natur oder Maas Naturwaren zu kaufen, die mit dem Versandhandel groß geworden sind, nun aber auch einige kleine Läden haben. 

 

Fair Wear
Um die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie geht es den Mitgliedsunternehmen der „Fair Wear Foundation“. Die über 80 Unternehmen kommen aus zehn europäischen Ländern, darunter sind einige bekannte Hersteller von Outdoor-kleidung.

Weil die Funktionsstoffe der Outdoorkleidung nicht aus Naturfasern besteht, können sie nicht nach dem strengen GOTS-Siegel zertifiziert werden. Bei „Fair Wear“ stehen die Arbeitsbedingungen der Näherinnen und Näher in allen Betrieben der Lieferkette im Mittelpunkt. Ob die vereinbarten Arbeitsrichtlinien eingehalten werden, wird durch Betriebsbesuche überprüft. Zusammen mit lokalen Partnern sollen die Zustände in den Fabriken überwacht und Veränderungen vor Ort durchgesetzt werden, die Überprüfung der Zulieferer erfolgt durch Kontrollen in den Produktionsstätten und Interviews mit den Arbeiterinnen. 

 

Fazit
Es lohnt sich, Informationen über weitere Textilsiegel einzuholen, zum Beispiel Blauer Engel und das EU-Ecolabel.

Andrea Kolhoff