08.01.2019

Bildungs- und Begegnungsstätte Ahmsen

Neuer Charme als Jugendkloster

Das Exerzitienhaus und einstige Maristenkloster im emsländischen Ahmsen hat in weiten Bereichen einen – im wahrsten Sinne des Wortes – frischen Anstrich erhalten. Das knapp 100 Jahre alte Gebäude entfaltet seit Jahresanfang neuen Charme als Jugendkloster.

Als Bildungsreferenten im Jugendkloster Ahmsen arbeiten Maximilian Bergmann (l.) und Michael Engbers. Sie zeigen den neu errichteten Anbautrakt im Nebengebäude (im Hintergrund). Fotos: Klaus Dieckmann

Ein Beispiel dafür ist der neu errichtete Anbau an das Nebengebäude. Herzstück des Traktes ist ein großer Versammlungsraum. Bodentiefe Fenster, die viel Licht in den Raum bringen, korres-pondieren mit der warmen, hellen Farbe der Wände. Nebenan ist eine Selbstversorgerküche eingerichtet. Hier können sich Gäste, die auf eine Verpflegung durch die Hausküche verzichten, ihre Mahlzeiten zubereiten.

„Wann stellen sich junge Menschen selbst an den Herd?“ Über diese Frage lenken die für das Jugendkloster zuständigen Bildungsreferenten Michael Engbers und Maximilian Bergmann den Blick von praktischen Anforderungen auf Wertvorstellungen. Bei der Zubereitung von Mahlzeiten erführen die Jugendlichen, woher die Lebensmittel kommen und wie sie erzeugt wurden. Sie erlebten, wie frisches Gemüse, Kartoffeln oder auch ganze Gerichte zubereitet werden. Darüber hinaus fördere das gemeinsame Kochen das Gemeinschaftsgefühl untereinander.

Veränderungen gegenüber der bisherigen Nutzung finden sich an vielen Stellen des Jugendklosters. In einem anderen Licht zeigt sich auch die Kapelle unter dem Dach des Hauptgebäudes. Aus Brandschutzgründen musste hier ein Durchbruch zur Feuertreppe erfolgen. Der Fluchtweg erhielt ein Fenster. Als Nebeneffekt fällt jetzt ein Lichtschein in den Gebetsraum.

Im Zuge der Modernisierung wurde zudem die Übernachtungskapazität des Hauses erweitert. Statt zuvor 44 sind es nunmehr 75 Betten, die für Übernachtungsgäste bereitgehalten werden. Die meisten der Zimmer sind jetzt zudem mit einer eigenen Nasszelle ausgestattet.

„Wir sind ein offenes Beleghaus“

Gemeinsame Homepage: Der Marstall in Sögel und das Jugendkloster
präsentieren sich mit vielen Bildern und sieben Videos auf einer
Internetseite. Christian Thien (v.l.), Julia Sommer und Michael
Engbers haben sie entwickelt. Foto: Marstall Clemenswerth

Selbst wenn das Hauptaugenmerk bei den Gästen auf Jugendlichen und jungen Leuten liege, stehe die Bildungs- und Begegnungsstätte selbstverständlich auch Erwachsenen zur Verfügung, unterstreicht Bergmann. „Wir sind ein offenes Beleghaus“, in dem auch Pfarrgemeinderäte, Musiker, Künstler und andere Interessenten für Tagungen, Treffen oder Exerzitien willkommen sind. Im Jugendbereich ist die Einrichtung vor allem auf Schulgemeinschaftstage, Firmkurse, Messdienerbegegnungen und Gruppenleitertreffen ausgerichtet.

Neben diesen Gästen, die oft ein Tagungsprogramm mitbringen, möchte das Jugendkloster weitere Besucherkreise über ein eigenes Veranstaltungsangebot erschließen. Erste Ansätze sind bereits vorhanden: „Büffeln und Beten“ ist ein Seminar für Abiturienten und Studenten überschrieben.

Workshops sollen sich unter dem Gedanken der Schöpfungsbewahrung mit der umweltfreundlichen Gestaltung von Gärten sowie der Vermeidung von Plastikmüll befassen. Und unter religiös-spirituellen Gesichtspunkten sind ein Wochenendkurs über besondere Glaubenswege sowie der Aufbau einer Jugendvesper geplant. „Es braucht Orte, an denen junge Menschen Glaubenserfahrungen machen“, sagt Engbers. „Das Jugendkloster in Ahmsen soll solch ein Ort werden.“ (kd)

Infos: www.marstall-clemenswerth.de, Telefon 0 59 52/20 70

 

Jugendkloster ist verknüpft mit dem Marstall

Im Jahr 1922/23 waren die Maristen nach Ahmsen gekommen. Die Kirchengemeinde hatte dem Orden ein Grundstück überlassen, weil sie sich Seelsorger wünschte. Das Kloster war Ausbildungsstätte für die Maristenbrüder und angehenden -patres.

Anfang der 1980er Jahre öffnete sich das Kloster zum „Haus der Begegnung“ . Von 2010 bis Mitte vergangenen Jahres unterhielt die Gemeinschaft Christlichen Lebens dort ein Exerzitienhaus. Die Maristen gaben 2014 ihren Standort in Ahmsen auf. Im gleichen Jahr zogen indische Franziskaner ein, die dort weiter ihren Konvent haben.

Das Jugendkloster ist verknüpft mit der Jugendbildungsstätte Marstall Clemenswerth in Sögel und wird getragen vom Verein „Marstall Clemenswerth und Jugendkloster Ahmsen“. (kd)