21.07.2021

Impulse für die Zeit nach Corona

Neustart für die Messdiener

Was kann nach der Corona-Zwangspause für Ministranten getan werden? Dazu gibt es jetzt Impulse vom Bistum. Trotz der Einschränkungen hat zum Beispiel ein Team aus Hagen den Kontakt zu den Kindern und Jugendlichen gehalten.

Immer mehr Gemeinden möchten ihre Messdienerarbeit wieder aktivieren (hier ein Bild aus St. Franzikus, Osnabrück).  Foto: Thomas Osterfeld

Die neue Handreichung mit Impulsfragen und ersten Ideen für eine Wiederaufnahme der Messdienerarbeit stammt von Timo Hilberink. Er arbeitet im Bistum Osnabrück als Referent für Ministrantenpastoral und hat aufmerksam verfolgt, wie sich die Situation für die Messdienerinnen und Messdiener entwickelt. 

Und die sieht nach seiner Kenntnis derzeit unterschiedlich aus. In manchen Gemeinden haben die Jungen und Mädchen seit Mai 2020 nahezu ununterbrochen ihre Dienste übernommen, in anderen pausierten die Ministranten bis vor kurzem immer noch. Ähnlich verhält es sich mit Treffen außerhalb der Gottesdienste: mal gab es kaum Angebote, mal viele digitale Aktionen. In diesen Tagen aber möchten mehr und mehr Gemeinden ihre Messdienerarbeit wieder aktivieren. „Die Zeichen stehen auf „Re-Start“, sagt Hilberink.

Der Bistumsreferent findet, dass jetzt genau der richtige Zeitpunkt dafür ist – und er rät, nicht bis nach den Ferien zu warten. Er fürchtet, dass durch die lange Phase der Corona-Einschränkungen die Zahl der aktiven Messdienerinnen und Messdiener ohnehin deutlich gesunken ist. „Ich halte es für klug und sinnvoll, dass die Teams sich jetzt oder in den Ferien zumindest mal zusammensetzen und überlegen“, meint er. 

Außerdem schlägt Hilberink vor, sogar in den Ferien Aktionen für die Ministranten zu organisieren. Längst nicht alle Familien verreisen und freuen sich deshalb  über Events direkt vor Ort. Eine Idee steht schon in seinem Papier: ein „Do-it-yourself-Minitag“ am 15. August, dem Gedenktag des Messdienerpatrons Tarcisius. „Das wäre doch ein schöner Anlass.“ Zudem glaubt er, dass nach den Ferien andere Anbieter wie Sportvereine oder Schulen wieder mehr Veranstaltungen anbieten – die dann vielleicht mit der Messdienergruppe im Pfarrheim konkurrieren. Ob zeitnahe Aktionen aber helfen, dass Kinder und Jugendliche „dabeibleiben“, vermag er nicht einzuschätzen.

Der vierköpfige Vorstand der Messdiener in St. Martinus in Hagen wird deutlicher. „Am besten ist es, jetzt bald mit einem Knall wieder zu starten“, sagt Jannis Glasmeyer. Als erste Aktion nach langer Pause nur mit einem Übungstreffen in der Kirche zu kommen, findet er „vielleicht nicht so schlau“. 

Was für einen „Knall“ Jannis Glasmeyer, Hannah Wulftange, Jonas Berdelsmann und Lara Schönfeld meinen, haben sie in Hagen kürzlich schon gezeigt. Für die Messdienerinnen und Messdiener haben sie mit anderen Leiterinnen und Leitern sowie Jugendpfleger Christian Bolten eine „Live-Aktion“ organisiert: draußen an der frischen Luft und mit einzelnen Spiel- und Spaßstationen, wo sich alle ordentlich auspowern konnten. Der Vorstand will sich damit bei der Messdienergemeinschaft bedanken, „dass wir eine so lange Zeit erfolgreich gemeistert und nun mit doppelt so viel Motivation wieder loslegen können.“

Vorsichtiger Beginn mit Präsenztreffen

Gemeistert haben die Hagener die Corona-Zeit auch, weil sie den Kontakt zu den Jungen und Mädchen immer gehalten haben. Nicht nur durch Nachrichten über Instagram, Facebook und Whats-App. Sondern vor allem durch viele Onlineangebote. Die wöchentlichen Treffen der 120 Ministranten verlegten die 40 Leiterinnen und Leiter kurzerhand auf eine Plattform ins Internet. So konnten sie ihr Jahresprogramm fast komplett durchziehen. Und so sahen sich die etwa 14 Gruppen im gewohnten Turnus in ihrer jeweiligen Runde per Kamera am Computer – probierten neue Spiele aus, machten virtuelle Messdienertrips oder schauten sich selbstgedrehte Filme an. Dafür legte ihnen das Leiterteam vorher sogar „Snack“-Pakete vor die Haustür. 

Zusätzlich gab es richtig gut gemachte Videos auf dem YouTube-Kanal: zum Beispiel zu Ostern, zu St. Martin und zu den Regeln, auf die die Messdienerinnen und Messdiener bei ihrem freiwilligen Dienst in der Corona-Krise achten sollten. „Damit wollten wir ihnen Unsicherheiten nehmen“, sagt Berdelsmann. Das Engagement des Vorstandes hat sich gelohnt. „Die Resonanz auf unsere Angebote war immer hoch“, erzählt Wulftange. „Niemand ist gegangen, wir haben sogar neue Kinder gewinnen können.“

Und nun soll es nach Absprachen mit den Eltern und dem pastoralen Team auch vorsichtig mit Präsenztreffen wieder losgehen: erst mal vorwiegend draußen, mit Hygieneregeln und Masken im Innenraum. „Alle haben jetzt Bock, sich in Echt wiederzusehen“, sagt Glasmeyer. Und wenn, was keiner hofft, die Infektionszahlen wieder deutlich steigen sollten, können die Hagener schnell in den Onlinemodus zurückschalten. „Wir wissen jetzt, wie das geht.“

Timo Hilberink begrüßt das Engagement der Hagener sehr. Seine neue Handreichung mit dem Titel „Re-Start in der Ministrant*innenarbeit“ richtet sich an alle Teams, die für dieses Arbeitsfeld zuständig sind. In dem Schreiben, das Interessierte im Internet abrufen können, stehen viele Impulsfragen und Anregungen, die Ehren- und Hauptamtlichen bei der Wiederaufnahme der Messdienerarbeit helfen sollen. 

Kommunikationswege mit attraktivem Inhalt

Zum Beispiel dazu, wie die Jungen und Mädchen die jeweils aktuelle Form des Dienstes kennenlernen können, welche früher gut genutzten Angebote man zeitnah auch corona-konform umsetzen oder wie die Gemeinden den Erstkommunionkindern einen guten Einstieg in die Ministrantengemeinschaft ermöglichen kann. „Vielleicht durch einen verkürzten Kurs nach den Ferien, einen Intensivkurs am Ferienende oder einen Kompaktkurs an einem Wochenende“, schlägt er vor. 

Wichtig sind seiner Ansicht nach passende auch Kommunikationswege, die mit attraktiven Inhalten gefüllt sein müssten. Und er regt an, für den „Re-Start“ bewusst ein anderes Medium zu wählen: „Warum statt WhatsApp-Nachricht nicht mal ein „Welcome-back-Päckchen?“

Ein Tipp zieht sich durch alle Themen in Hilberinks Handreichung: Die verantwortlichen Teams, heißt es, sollten den „Corona-Einschnitt“ zum Nachdenken über bisherige Traditionen nutzen und nicht nur kurzfristig reagieren. Was kann bleiben und wovon sollen wir uns trennen? „Vielleicht entdecken die Gruppen in der neuen Situation, dass zum Beispiel eine zahlenmäßig kleinere Schar auch neue Chancen hat.“

Petra Diek-Münchow


Kontakt: Timo Hilberink (Referent für Ministrantenpastoral), Telefon 05 41/31 82 2,  E-Mail: t.hilberink@bistum-os.de
Die neue Handreichung sowie weitere Beiträge zur Messdienerarbeit im Bistum Osnabrück gibt es hier