24.01.2020

Digitale Kommunikation

Nicht bitten, sondern bieten!

Mit digitaler Kommunikation können Vereine und soziale Organisationen viele Menschen erreichen und für ihre Arbeit  begeistern. Onlineplattformen und soziale Netzwerke helfen dabei. Das alles wird aber noch viel zu wenig genutzt, betont der Unternehmer Georg Staebner und gibt Tipps.

Beim Crowdmoving bieten Vereine online Möglichkeiten zum Mitmachen. Ein gutes Beispiel: die Anpacker App des Caritasverbandes Osnabrück. Foto: Roland Knillmann/Caritas

Warum ist es gerade für soziale Organisationen wichtig, auch die digitalen Möglichkeiten zu nutzen?

Uns sterben die Ehrenamtlichen weg. Die Altersgrenze der Menschen, die sich engagieren, steigt. Die Jüngeren fehlen. Wir müssen neue Wege gehen, wenn wir sie erreichen wollen. Viele junge Menschen lesen heute nicht mehr die Zeitung, sie gehen nicht mehr unbedingt an Orte, um sich zu informieren. Sie suchen und kommunizieren im Internet. Dort müssen wir mit unseren Angeboten sichtbar werden.

Reicht da nicht eine eigene Homepage?

Die Homepage ist der Ort, an dem sich alle wichtigen Informationen über eine Organisation oder eine Gemeinde befinden. Sie sollte auf jeden Fall gut gestaltet, abwechslungsreich und benutzerfreundlich sein. Das ist wichtig, hat aber wie gesagt eher einen informativen Charakter. Eine persönliche Beziehung baut man mit einer Homepage nicht auf.

Wie kann das im Internet gehen?

Hier kommen die Sozialen Medien ins Spiel. Auf einem Facebook- oder Instagram-Account gehe ich davon aus, dass meine „Fans“ und „Follower“ mich kennen und wissen, wofür ich stehe. Ich spreche sie mit einem vertraulichen „Du“ an und halte sie mit Posts und Bildern auf dem Laufenden. In den sozialen Netzwerken kann man sich austauschen und auf Projekte aufmerksam machen, sie ermöglichen eine Diskussion und den Austausch von Meinungen. Die Kommunikation ist hier ganz anders, persönlicher und ich kann tatsächlich eine Beziehung zum Internetnutzer aufbauen. Es gibt genügend Menschen, die so zu einem Ehrenamt gekommen sind: Sie haben im Internet gesucht, sind auf eine Organisation aufmerksam geworden, sind ihr gefolgt und haben nach und nach eine Beziehung zu ihr aufgebaut.

Welche Kanäle sollte man nutzen?

Das kommt ganz darauf an, wen ich erreichen möchte. Jugendliche nutzen eher Instagram, die mittlere Altersklasse ist mehr auf Facebook unterwegs. Twitter ist unabhängig vom Alter und erreicht überwiegend Menschen, die Interesse an Medien, Neuigkeiten und Nachrichten haben. 

Und wie kommt es vom digitalen Kontakt zum konkreten Engagement?

Lassen Sie mich ein reales Beispiel erzählen. Eine Frau wollte sich gern in Düsseldorf sozial engagieren und wurde im Internet auf den Verein „Krass e.V.“ aufmerksam, der sich für die kulturelle Bildung von benachteiligten Kindern einsetzt. Sie studierte die Homepage und folgte dem Verein aufmerksam über soziale Netzwerke, lernte ihn kennen und schätzen. Aber sie traute sich nicht, nach einem möglichen Ehrenamt zu fragen, weil sie befürchtete, dass sie für die gesuchten Aufgaben nicht geeignet sei. Dann wurde sie auf eine Ausschreibung für ein Crowdmoving-Projekt aufmerksam: Für ein Kinderfest benötigte der Verein dringend Helfer. In der Ausschreibung wurde genau beschrieben, welche Aufgaben noch offen waren, unter anderem die Besetzung eines Infostandes. Hierfür meldete sie sich, der Verein nahm Kontakt zu ihr auf und heute ist sie fester Bestandteil des Ehrenamtsteams.  

Also sollte man am besten auf vielen Ebenen aktiv sein? 

Ja, auf jeden Fall um Ehrenamtliche für ein Projekt zu gewinnen. Die Homepage gibt ihnen Informationen, soziale Medien sind gut für den Beziehungsaufbau, aber eher wie ein ewiges Meeting. Die Gespräche sind oft unproduktiv, weil nicht festgehalten wird, wie was umgesetzt werden soll. Dafür eignet sich dann wieder eine Onlineplattform, wie wir sie bei helpteers für soziale Organisationen als Service anbieten. Hier werden diese Crowdmoving-Projekte vorgestellt. 

Crowdmoving – was ist das?

Crowdmoving will Menschen über digitale Kanäle aktivieren und funktioniert vielleicht ähnlich wie ein freiwilliges Engagement im Kindergarten. Hier zeigt ein Aushang den Eltern, wie sie sich anhand von ganz konkreten Aufgaben beim nächsten Fest einbringen können: Kuchen backen, Infostand bestücken, Aufbau, Abbau, basteln usw. Die Eltern tragen sich in Listen ein und alle wissen, wer was macht und was noch offen ist. Beim Crowdmoving ist der Aushang im Internet zu finden, dadurch ist die Reichweite viel höher. Das Prinzip ist das gleiche, nur der Ansatz ist vielleicht etwas anders: Die Vereine bitten nicht um Hilfe, sondern bieten Möglichkeiten zum Mitmachen. Es werden ganz konkrete Aufgaben für ein konkretes Projekt benannt und gezeigt, wofür noch Helfer gebraucht werden. Mit einem „Klick“ können Unterstützer die Aufgaben übernehmen. Alle Beteiligten haben den gleichen Informationsstand. Das entlastet auch die Kommunikation der Organisatoren untereinander.

Hört sich gut an. Und Sie helfen dabei?

Wir bieten sozialen Organisationen an, sich auf einer eigenen Plattform im Internet darzustellen und helfen bei der Umsetzung. Wer keine eigene Plattform anlegen möchte, kann kostenlos auf unserer Plattform „helpteers.net“ ein Projekt anlegen und sichtbar machen. Auch Menschen, die sich engagieren möchten, sind hier unterwegs.
„Nicht bitten, sondern bieten“, das ist unser Motto. Für die Gesellschaft ist das freiwillige Engagement unverzichtbar. Wir müssen den Menschen Anknüpfungspunkte geben und auch über digitale Verbindungen Kontakte herstellen. Es gibt so viele Möglichkeiten, um nach Unterstützung zu fragen, zu viele Menschen werden aber noch nicht erreicht. Das wird noch viel zu wenig genutzt.

Interview: Astrid Fleute

www.helpteers.net
www.HeldenUndVisionaere.de