05.06.2020

Messdiener im Bistum Osnabrück

Nur mit Abstand am Altar

Wenn Corona nicht wäre, würden sich die Messdiener der nordwestdeutschen Bistümer an diesem Wochenende in Osnabrück treffen. Aber die Wallfahrt fällt aus. Wie is die Situation der Ministranten in den Gemeinden? 

Heilige Messe in St. Matthäus in Melle. Die Messdiener halten Abstand. Foto: Martin Walbaum

Der 13-jährige Hanno Meyer und seine elfjährige Schwester Deike aus Papenburg sind seit der Erstkommunion in ihrer Kirchengemeinde als Messdiener aktiv. Nicht nur das Ministrieren an sich, sondern auch die Gemeinschaft und die verschiedenen Aktionen bereiten den Geschwistern viel Freude. Nach der rund zweimonatigen Corona-Pause, in welcher keine Gottesdienste stattfinden durften, gehörten Hanno und Deike nun zu den ersten Messdienern im Bistum Osnabrück, die in einer Messe mitwirkten. Die meisten katholischen Gemeinden hingegen verzichten seit Wiederaufnahme der Gottesdienstfeiern im Mai bislang noch auf den Einsatz von Ministranten – und folgen damit einer entsprechenden Empfehlung des Bistums. Ein ausdrückliches Verbot besteht allerdings nicht.

Vorerst keinen Messdienerplan erstellen 

Etwa 10.000 Kinder und Jugendliche engagieren sich in der Diözese als Messdiener, die meisten von ihnen sind zwischen neun und 17 Jahren alt. Die aktuelle Situation birgt große Herausforderungen, und vielerorts machen sich die Verantwortlichen Gedanken darüber, wie man die jungen Leute trotz des Ausfalls der regelmäßigen Treffen bei der Stange halten kann. Das weiß auch Timo Hilberink, Referent für Minis-
trantenpastoral im Bistum Osnabrück. „Es schlagen zwei Herzen in meiner Brust“, bringt er das Dilemma auf den Punkt. „Der Einsatz im Gottesdienst ist das, was die Messdienerarbeit ausmacht. Insofern müsste gelten: je eher desto besser.“ Im Sinne des Gesundheitsschutzes sei es allerdings dringend geboten, mit Bedacht vorzugehen.

Einen wesentlichen Aspekt machten dabei die räumlichen Gegebenheiten aus, erklärt Hilberink: „Jede Kirche sieht anders aus“, sagt er. Eine zu kleine Sakristei oder ein zu enger Altarraum könnten ein Hindernis darstellen, wenn es um die Einhaltung der aktuell geltenden Abstandsregeln geht. Auch sind die Möglichkeiten hinsichtlich der Aufgaben während der Messe beschränkt: Während das Bedienen der Schellen zum Eucharistischen Hochgebet oder das Tragen von Leuchtern durch die Ministranten erfolgen kann, wird etwa die Gabenbereitung durch den Priester selbst ausgeführt. Hilberink empfiehlt weiterhin, in den ersten Wochen auf die Erstellung eines Messdienerplans zu verzichten und stattdessen gezielte Anfragen zu stellen. Die Möglichkeit, abzulehnen, müsse immer gegeben sein, da etwa ein Ministrant selbst oder ein nahestehendes Familienmitglied zur Risikogruppe gehören kann.

In Papenburg hat man entsprechende Vorkehrungen getroffen, um den Messdienereinsatz im Gottesdienst zu ermöglichen: Zur Gewährleistung des Abstands von 1,50 Meter wurden im Altarraum die Stühle auseinandergestellt und zudem Punkte auf den Boden geklebt, die markieren, wo die Ministranten zu stehen haben, berichtet Peter Winkeljohann, Kaplan in der Papenburger Pfarrei St. Antonius. Bezüglich der Aufgaben sagt er: „Die Ministranten repräsentieren die Gemeinde am Altar und leisten allein deshalb schon einen wichtigen Dienst.“

Auch in Melle sind wieder Messdiener in den Gottesdiensten zugegen, wenn auch in reduzierter Zahl. Hier verweist man auf den Vorteil von Geschwisterkindern, da diese aus einem Haushalt stammen und somit nebeneinander gehen können. Wie pragmatisch manches Problem gelöst werden kann, zeigt ein Beispiel aus Osnabrück-Sutthausen: Weil die Sakristei dort zu klein ist, als dass die Ministranten sie betreten dürften, und somit das Anziehen der üblichen Gewänder nicht möglich ist, werden schlichtweg die bedruckten Messdiener-Pullis getragen – was immerhin auch für ein einheitliches Erscheinungsbild sorgt.

Messdienerzeitschrift mit Tipps und Optionen

Um während der Corona-Pause den Kontakt zu den Kindern und Jugendlichen nicht zu verlieren, sind die Verantwortlichen in den verschiedenen Gemeinden kreativ geworden. In Nordhorn etwa wurden Online-Leiterrunden und Online-Gruppenstunden auf die Beine gestellt, zudem erhielten die Ministranten zu Ostern einen Brief mit einem kleinen Geschenk und einem Nordhorn-Rätsel: Bei Abgabe der richtigen Lösung bis zum 1. Juni winkte die Chance, ein Spiel aus einem örtlichen Spielwarenladen zu gewinnen. Die Resonanz fiel gut aus, mehr als 20 Rückläufer sind eingetroffen, freut sich Jugendseelsorgerin Schwester M. Johanna Lücken. Zudem erstellte FSJler Ole Wilming einen sogenannten Actionbound, also eine digitale Schnitzeljagd rund um Nordhorns Kirchen, welche zu zweit oder mit der Familie erledigt werden konnte. „Das ist natürlich immer nur ein Ersatz und nicht das, was wir eigentlich wollen“, sagt Schwester Johanna. Um wieder einen Moment der Begegnung erleben zu können, soll am 8. Juni um 19 Uhr ein von Messdienern vorbereiteter Wortgottesdienst in der St.-Augustinus-Kirche gefeiert werden.

Der "kleine Kirchentag für Messdiener" muss ausfallen

Auch wenn das Ministrieren im Mittelpunkt steht, so gehört zum Messdiener-Dasein doch vieles mehr, unterstreicht Timo Hilberink. Ein herausragendes Ereignis hätte eigentlich am 6. Juni über die Bühne gehen sollen: die vierte Nordwestdeutsche Ministrantenwallfahrt. Mehrere Tausend Teilnehmer aus acht Bistümern wären an diesem Tag nach Osnabrück gepilgert und hätten einen „kleinen Kirchentag für Messdiener“ verbracht – doch die Veranstaltung wurde bereits im März wegen der Corona-Gefahr abgesagt. Hilberink, der in den vergangenen Wochen unter normalen Umständen viel Zeit in Vorbesprechungen und die Planung des Großevents gesteckt hätte, hat nun den Kontakt zu den Hauptamtlichen in den einzelnen Gemeinden gesucht, um zu besprechen, welche Möglichkeiten sich für die Ministranten bieten. In mittlerweile mehr als 60 Telefonaten sei es zum guten und interessanten Austausch gekommen. Diesen Monat möchte er den Zuständigen weitere Tipps und Optionen an die Hand geben – zum Beispiel eine achtseitige Messdienerzeitung, für die sechs Seiten vom Bistum vorbereitet und zwei Seiten lokal gefüllt werden können, um die gedruckten Ausgaben anschließend persönlich auszuhändigen.

Timo Hilberink hofft auf bessere Zeiten – ebenso wie die Ministranten Deike und Hanno Meyer. Etwas irritierend sei es anfangs schon gewesen unter den besonderen Bedingungen, sagt Deike. Doch bei den Geschwistern überwiegt eindeutig die Freude darüber, dass sie überhaupt wieder im Gottesdienst dienen können.

Sebastian Hamel