07.10.2020

Offener Brief für Haupt- und Ehrenamtliche

"Wir müssen Neues wagen"

Irmintraud Teuwisse-Eckard aus Nordhorn hat einen offenen Brief für Haupt- und Ehrenamtliche in den Gemeinden geschrieben – als Ermutigung und Dankeschön für ihren Einsatz in der Corona-Zeit. Sie ist auch selbst in der Kirche engagiert, unter anderem in der Passantenpastoral in Nordhorn.

 


Warum haben Sie diesen Brief geschrieben? 
Ich spüre bei Gesprächen mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in unseren Gemeinden viel Enttäuschung und Müdigkeit. Es gibt offenbar wenig Verständnis dafür, was diese Menschen alles leisten und stattdessen viele Forderungen, dass alles so bleiben soll, wie es vor Corona war oder doch so schnell wie möglich wieder so sein soll. Dieser Anspruch-Kritik-Haltung gegenüber unseren pastoralen Teams will ich Positives entgegensetzen


Und was steht drin?
Zunächst einmal ein Dankeschön an die Teams für ihren Einsatz, ihre Kreativität und ihre Sorgfalt im Vielerlei der Corona-Vorschriften. Und ein Dank für die ungezählten Stunden der Telefonbegleitung, für die spirituellen Impulse im Netz und in der Zeitung, für Andachten und Feiern auch im kleinen häuslichen Rahmen. Gleichzeitig möchte ich ermutigen, sich nicht von Urteilen und Forderungen bestimmen zu lassen, sondern getrost, tapfer und fröhlich den eigenen Auftrag und die Berufung zu leben. Lasst euch nicht von diesem Gegenwind des Gejammers irritieren!


Wie erleben Sie selbst die Situation?
Neben vielen guten neuen Ideen und einem Einsatz mit ganzem Herzen und aller Kraft nehme ich auch Erschöpfung und Überforderung wahr, allen Wünschen gerecht zu werden – was völlig unmöglich ist. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kriegen oft die volle Wucht ab, und das haben wir als Gemeindemitglieder nicht immer im Blick. Es braucht ein gesundes Selbst- und Gottesbewusstsein, weil so vieles, was getan wird, nicht plakativ nach außen kommuniziert werden kann.


Was möchten Sie mit dem Brief erreichen?
Zuerst ist es Dank und Ermutigung an die Adresse all dieser wundervollen Menschen. Zum anderen wünsche ich mir ein weitherziges Verständnis und einen Vertrauensvorschuss, dass Raum für Neues entsteht, wo Altvertrautes nicht mehr weiterbestehen kann.


Wie meinen Sie das? 
Wir können nicht immer nur Altes erhalten, wir müssen Neues wagen und denken. Wir werden doch diese Krise gar nicht meistern können, wenn nur alle beklagen, was nicht geht. Dann kriegen wir als Kirche eine Ausstrahlung von Depression und das entspricht nicht der Botschaft, die wir verkündigen.

Interview und Foto: 
Petra Diek-Münchow 

 

Und das ist offene Brief von Irmintraud Teuwisse-Eckard an alle Priester, Pfarrer, pastoralen Mitarbeiter und die unzähligen Freiwilligen und Ehrenamtlichen in unseren Pfarreien und Gemeinden:

 

"Was ich euch einmal sagen wollte:

Ich bin so dankbar für euren Einsatz, eure Kreativität euer Durchhalten und euer immer neues Dasein für uns!

Ich danke euch für die unzähligen Stunden, die ihr am Telefon oder vor Ort verbracht habt, um Menschen zu begleiten, um sie zu trösten, ihnen beizustehen und ihre Sorgen zu teilen.

Ich danke euch für alle Gottesdienste in den Häusern und Kirchen, im Freien und ganz im Verborgenen, auch für die geistlichen Impulse im Netz, am Telefon, in den schriftlichen Mitteilungen und in der Zeitung.

Wieviel Engagement und Fantasie strahlt dies alles aus!

Ich danke euch für eure kreative Sorgfalt in dieser schwierigen Zeit mit all den Corona Vorschriften.

Ich wünsche euch jeden Tag neu die Freude an eurem Dienst.

Und wenn euch ab zu auch einmal ein Wind der Klagen, des Jammerns und der Vorwürfe ins Gesicht bläst, dann wünsche ich euch, dass ihr ihm tapfer, getrost und fröhlich begegnet. Kein Mensch kann alle Erwartungen erfüllen, auch keine Kirche, auch keine Gemeinde. Ihr seid nicht da, um alle Wünsche zu befriedigen oder alle Erwartungen, ihr seid da, um eure Berufung zu leben, um euren Auftrag auszuführen. Und das tut ihr mit ganzem Herzen, mit all eurer Kraft, mit ganzer Seele und all eurer Zeit und schöpferischen Ideen.

Auch dafür danke ich euch und nicht nur ich, sondern alle, die es in diesen letzten Monaten erlebt haben.

Erinnert euch immer daran:, Kein Gottesdienst ist vergessen, kein Zuhören, kein Nachdenken und miteinander Überlegen, kein Gespräch, wie es gehen kann, keine unruhige Nacht, weil die Sorgen nicht schweigen wollten.

Ihr seid wert geachtet, ihr seid wunderbare Menschen!

Bleiben wir alle weiter miteinander dankbar und erfinderisch unterwegs in dem Wissen, dass Einer uns beauftragt, sendet, stärkt und jeden Tag ermutigt zur Freude! Dann wird manches vielleicht auch ganz anders, aber Kirche bleibt lebendig und dynamisch durch den, der sie allezeit trägt, führt und leitet."