09.08.2018

„Ökumenisches Netzwerk Bibel Niedersachsen"

Rückenwind für die Heilige Schrift

Die Bibel ist das Buch der Bücher. Sie verbindet Konfessionen und Religionen. Das neue „Ökumenische Netzwerk Bibel Niedersachsen“ will die Arbeit mit der Heiligen Schrift fördern.

Christian Schramm ist Referent für Bibel und Theologie im Bistum Hildesheim. Foto: Archiv

„Sie werden lachen – die Bibel“. Der Dramatiker und Lyriker Bertolt Brecht war sicher alles andere als ein bekennender Christ. Und doch nannte er die Bibel als das Buch, das für ihn das wichtigste Buch der Weltliteratur ist. Christian Schramm kann den Satz von Brecht nachvollziehen: „Die Bibel ist eine wahre Kraftquelle“, sagt der Referent für Bibel und Theologie im Bistum Hildesheim: „Wer einmal das gespürt hat, was in den Versen und Geschichten der Heiligen Schrift steckt, den lässt sie nicht mehr los.“ Offenkundig auch keinen weltbekannten Dramatiker wie Brecht, der sich Zeit seines Lebens mit den Mächtigen angelegt hat – einerlei auf welcher Seite der politischen Landkarte sie standen.

Die Kulturen des sogenannten Abendlandes leben mit biblischem Rückenwind: In den modernen westlichen Gesellschaften ist zwar nicht alles biblisch, aber ohne die biblische Grundlage bliebe nicht viel. In der Bibel sind die Wurzeln der Menschenrechte gelegt.

„Die Arbeit mit der Bibel fördern, stärken und neu anregen – genau das will das Ökumenische Netzwerk Bibel“, sagt Pastor Steffen Marklein. Er ist der Bibelpastor“ der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover und hat mit Christian Schramm zusammen das Netzwerk aus der Taufe gehoben. Eine Internetseite bietet als Ausgangspunkt vielfältige Informationen zur Bibel und wie man sie erfahren und erleben kann (siehe „Zur Sache“). Für Schramm ist diese Zusammenarbeit sehr wertvoll: „Wir werden die ökumenischen Kooperationen in Zukunft noch ausbauen.“

Zwar wird das Netzwerk zurzeit an erster Stelle von den beiden großen Kirchen in Niedersachsen getragen, beteiligen können sich aber alle, die sich bib­lisch engagieren. „Ein Netzwerk lebt von den Mitspielenden“, betont Schramm: „So möchte ich alle zum Mitmachen ermutigen, denen die Bibel am Herzen liegt.“

Angebote auf Wunsch auch in den Gemeinden

Ausgangspunkt ist zurzeit noch eine Internetseite. Doch dabei soll es nicht bleiben: „Wir möchten biblisch Interessierte und Engagierte auch von Angesicht zu Angesicht zusammenbringen“, erläutert Schramm.  Eine erste Idee: ein Fachtag zur Bibel. Thema und Ablauf stehen detailliert noch nicht, aber der Termin: Samstag, 18. Mai 2019 in Hannover.

Bibelpastor Steffen Marklein geht davon aus, dass es in Sachen Bibel „viel mehr im Land gibt, als wir wahrnehmen.“  Dabei geht es auch um soziale und politische Verantwortung: „Aus der kritischen Auseinandersetzung mit der Bibel können gute und wichtige Impulse in die Gesellschaft hineinwachsen“, meint er. Die Bibel sei auch ein kritischer Orientierungspunkt für die Kirchen selbst: „Es tut der evangelischen und der katholischen Kirche gut, sich auf diese Wurzeln zu besinnen.“ Das gelte erst recht nach dem Reformationsgedenken im Jahr 2017.

Den Schatz der Bibel erschließen – das benennt Christian Schramm als Grundgedanken seiner Arbeit. Bewusst sagt er Bibelschule: „Dem Wort Gottes Raum geben, sich von der Heiligen Schrift ansprechen und anregen lassen, die Bibel als Motor und Kraftquelle entdecken.“ Dazu gibt es Vorträge und Veranstaltungen, auf Wunsch auch direkt in Gemeinden: „Eine biblische Orientierung der Pastoral und des Gemeindelebens ist eine lohnende Herausforderung“, meint Schramm und sichert Pfarreien seine Unterstützung zu, auch Neues auszuprobieren. Zum Beispiel die „Lectio divina“, die „göttliche Lesung“: eine alte und wieder entdeckte Übung, bei der Verse der Bibel immer wieder vorgelesen, durchdacht und besprochen werden.

Rüdiger Wala

Kontakt im Bistum Osnabrück: Uta Zwingenberger, Telefon 0 54 01/33 60, E-Mail: bibelforum@haus-ohrbeck.de


Zur Sache

Das neue Ökumenische Netzwerk Bibel wird von den beiden großen christlichen Kirchen in Niedersachsen getragen – zurzeit vor allem von der lutherischen Landeskirche Hannovers und dem Bistum Hildesheim. Ausgangspunkt und Grundlage der Arbeit ist eine neue Internet-Plattform.

Das Netzwerk will Akteure, Orte und Gemeinden miteinander verbinden, die sich in besonderer Weise der Bibel widmen. Dazu gehören beispielsweise das evangelische Zentrum „Woltersburger Mühle“ bei Uelzen oder die katholische Bildungsstätte „Haus Ohrbeck“ in Georgsmarienhütte mit dem Bibelforum des Bistums Osnabrück.

Ein Terminkalender listet Ausstellungen, Kongresse, Tagungen und Seminare auf. Die Webseite führt auch zu Glaubenskursen oder Angeboten wie Bibliodrama oder Bibeltheater. Eine Karte weist den Weg zu mehr als 20 „Bibelgärten“ mit Pflanzen aus der Bibel. Eine wichtige Rolle spielt der jüdisch-christliche Dialog. Darüber hinaus bietet ein Blog auf zum Teil sehr persönliche Weise biblische Inspirationen zu aktuellen Themen.

www.netzwerk-bibel.de