02.10.2020

Bewusster Umgang mit Lebensmitteln

Reste essen statt wegwerfen

Am Erntedankfest geht es auch um einen bewussten Umgang mit Lebensmitteln. Wie lässt sich vermeiden, dass gute Nahrungsmittel weggeworfen werden? 18 Bildungsstätten in Deutschland beteiligen sich an einem Projekt, das Ideen sammelt und weitergibt.

Den Brokkoli bitte nicht wegwerfen! Viele Lebensmittelretter engagieren sich bei Aktionen unter dem Motto "Zu gut für die Tonne" oder "Mittel zum Leben". Foto: imago-images/Rainer Unkel

Was machen wir mit den Resten vom Sonntagsessen? Welche Obst- und Gemüsesorten haben in der Region gerade Saison? Wie wird man Lebensmittelretter? Auf www.pinwand.mittel-zum-leben.info werden Tipps gesammelt und Erfahrungen zum nachhaltigen Umgang mit Lebensmitteln ausgetauscht. Jeder darf Beiträge mit Rezeptideen für Essensreste, Hinweise auf Projekte gegen Lebensmittelverschwendung, politische Initiativen oder Veranstaltungen zum Thema teilen. 

Projektkoordinator Peter Klösener von der Katholischen Landvolkhochschule Oesede prüft die Beiträge vor Veröffentlichung und ruft dazu auf, Ideen beizusteuern und sich miteinander auszutauschen. „Wir wollen und dürfen es nicht länger hinnehmen, dass in Deutschland nahezu ein Drittel der Lebensmittel weggeworfen wird“, unterstreicht er. „Das ist unter ethischen und ökologischen Gesichtspunkten nicht mehr vertretbar.“

Nach Schätzungen landen knapp zwölf Millionen Tonnen Lebensmittelreste aus Privathaushalten, Handel und Gastronomie auf dem Müll, nach einer Studie des Thünen-Instituts zu Lebensmittelabfällen im Jahr 2015 wirft jede und jeder von uns pro Jahr ungefähr 75 Kilogramm Lebensmittel weg. Das bundesweite Projekt „Mittel zum Leben“ richtet sich also auch an Privatverbraucher, so Klösener.  

 

Richtig kalkulieren
Sowohl im privaten wie auch im gewerblichen Bereich sei es eine Herausforderung, Mengen richtig zu kalkulieren, um Reste zu reduzieren oder ganz zu vermeiden, sagt Klösener. „Hier muss ein Umdenken und eine Sensibilisierung für das Thema Verschwendung stattfinden“, so Klösener. Bei Feiern erlebe er es selbst immer wieder: Gastgeber wollen nicht knauserig erscheinen, für jeden Geschmack etwas anbieten und das auch noch reichlich. „Am Ende sitzen sie dann ratlos mit den Resten da.“

In den Einrichtungen der Katholischen Landvolkhochschule in Oesede gehen sie mit gutem Beispiel voran: Anstelle eines großen Büffets werden die Speisen auf kleinen Platten an den Tischen serviert. Nach einer Weile geht eine Servicekraft herum und fragt ganz gezielt nach, wer noch Nachschlag möchte. „Das mag auf den ersten Blick umständlich erscheinen, aber es verhindert, dass wir zu viel wegwerfen müssen. Denn was einmal auf dem Tisch stand, muss aus Hygienegründen entsorgt werden.“

 

Speisen einpacken lassen
Ein Bewusstsein für den Wert von Lebensmitteln als „Mittel zum Leben“ zu schaffen, sei der erste Schritt hin zu einer dringend notwendigen gesellschaftlichen Veränderung, so Klösener. Dazu gehören viele kleine Schritte: „Warum nicht mal den Gastgeber loben, dass das Büffet am Ende der Feier leergefegt ist? Dann hat er doch gut kalkuliert“, sagt Klösener. Übriggebliebene Speisen von privaten Feiern könne man den Gästen mitgeben oder in der Nachbarschaft verteilen. Im Restaurant könne man um eine kleinere Portion bitten, wenn man schon weiß, dass man nicht alles schaffen wird, oder sich den Rest einpacken lassen. 

 

Foodsharing und Fairteiler 
An Ideen und Initiativen, um Lebensmittelverschwendung zu reduzieren, bestehe kein Mangel. Immer mehr Menschen nutzen zum Beispiel Foodsharing-Angebote, Apps wie „Too good to go“ oder Tauschkühlschränke (sogenannte Fairteiler), nicht weil ihnen das Geld für den Einkauf im Supermarkt fehlt, sondern weil sie bewusst Lebensmittel „retten“ wollen, die sonst auf dem Müll landen würden. Wer verreist, aber noch einiges an Joghurt und Quark im Kühlschrank hat, kann dies zu einer „Fairteiler“-Station bringen.

Wer in seinem Ort oder Stadtteil selbst eine „Fairteiler-Station“ aufbauen möchte, muss Folgendes beachten: Der öffentlich zugängliche Standort des Fairteilers muss auf der Onlineplattform foodsharing.de eingetragen sein. Dort können sich ehrenamtliche Lebensmittelretter (foodsaver) eintragen, die die Station beliefern, nutzen oder betreuen wollen. Im Team sollte ein Hauptverantwortlicher sein, der den Fairteiler organisiert und kontrolliert, denn der Fairteiler muss regelmäßig aufgeräumt und gereinigt werden. Die Station selbst besteht aus einem Kühlschrank, Schrank und  Regal. Falls der Fairteiler im Freien steht, muss dafür gesorgt sein, dass die Lebensmittel vor Tieren geschützt sind.  

 

Vorbereitet einkaufen
Es ist sinnvoll, vor jedem Einkauf Kühlschrank und Vorratsschränke zu überprüfen. Was könnten Sie aus den vorhandenen Lebensmitteln noch kochen? Schreiben Sie sich Einkaufszettel. Lassen Sie sich nicht verführen von schillernden Sonderangeboten und Großpackungen zum Spezialpreis. Bleiben Sie bei den Sachen, die sie wirklich brauchen.

 

Lob für leere Regale
Vor Jahrzehnten war es normal, dass beim Bäcker abends nicht mehr alle Brote vorhanden waren. Dann bürgerte sich ein, dass Bäckereifilialen nachmittags neu beliefert werden und Brötchen frisch nachbacken. Andere kehren diesen Trend jetzt wieder um, damit nicht so viel weggeworfen werden muss. Tipp: Loben Sie ruhig einmal das Personal hinter dem Bäckereitresen, wenn abends um sechs nur noch wenige Brote in der Auslage liegen. Es ist doch toll, wenn am Ende des Tages weniger weggeworfen wird.

 

Haltbarkeitsdatum ausreizen
Greifen Sie ruhig mal zu den Produkten, deren Mindesthaltbarkeitsdatum schon in wenigen Tagen abläuft. Wenn Sie die Milch oder den Joghurt ohnehin sofort verbrauchen wollen, schadet das ja nichts. Werfen Sie Lebensmittel, deren Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist, nicht sofort weg. Anschauen, riechen, schmecken – das hilft, um herauszufinden, ob etwas noch gut ist oder eben nicht mehr. 

Regine Hoffmeister

Weitere Informationen gibt es unter www.mittel-zum-leben.info