02.11.2017

Kleiderkammer versorgt bedürftige Menschen

Sie öffnen die Boutique

Boutique 2000 – der Name mag mittlerweile antiquiert klingen, doch die Aufgabe der Kleiderkammer in Oesede ist immer noch aktuell: bedürftige Menschen mit gut erhaltener Kleidung zu versorgen.

Seit bald 30 Jahren und damit von Anfang an im Kreis der Ehrenamtlichen dabei ist Annemarie Luttenberg. Helfen wollten sie und vier andere Frauen zunächst mit Paketen für die Menschen im damals notleidenden Polen – noch lange vor der Wende im Ostblock. Dann kamen viele Russlanddeutsche in den Osnabrücker Landkreis und damit auch nach Oesede. Nicht nur Kleidung brauchten die Menschen, erinnert sich Annemarie Luttenberg. „Zeitweise war auch unsere Garage zu Hause voll mit Möbeln.“

Elisabeth Tiemann und Annemarie Luttenberg (v.l.) wurden für ihre Arbeit in der Kleiderkammer geehrt. Foto: Stefan Buchholz

Die Spendenbereitschaft der Menschen für die Kleiderkammer ist ungebrochen. Der Bedarf auch. Gut 80 Kunden kämen zum wöchentlichen Montagstermin. Einen Nachweis ihrer Bedürftigkeit brauchen sie nicht.

Die Kleiderkammer bestimmt Luttenbergs Zeit in der Woche. Noch immer fahren sie und ihr Mann durch den Ort und sichern sich bei Haushaltsauflösungen Brauchbares für die Kleiderkammer. Schon länger bietet die Kleiderkammer auch Bettwäsche, Spielwaren und Geschirr zum Verkauf an.

Dass die ehrenamtlichen Mitarbeiter um Annemarie Luttenberg die Waren nicht kostenlos abgeben, hat einen Grund: „Was nichts kostet, hat auch keinen Wert“, sagen die Aktiven. Hosen, Blusen und Röcke kosten einen Euro, ein Wintermantel drei Euro. Seltsam: Immer wieder versuchen Menschen, dann noch mit den Kleiderkammermitarbeitern zu handeln. Auch Diebstahl gebe es hin und wieder. Der Erlös aus der Kleiderkammer und den Textilien, die man nicht mehr an die Menschen weitergeben kann, geht mittlerweile an viele karitative Initiativen der Kirchengemeinde.

Für das Engagement gab es eine Auszeichnung. Stellvertretend für das gesamte Kleiderkammerteam erhielten Annemarie Luttenberg und Elisabeth Tiemann die Ehrengabe der Stadt Georgsmarienhütte.

Ihre Arbeit sei ein unverzichtbarer Bestandteil für ein funktionierendes Gemeinwohl, sagte Generalvikar Theo Paul in der Festansprache. „Rein marktwirtschaftliche Systeme versagen bei der Erfüllung sozialkultureller Aufgaben.“ Die Fortentwicklung einer Gesellschaft sei deshalb von Menschen abhängig, die mehr tun als ihre Pflicht, so Paul.

Stefan Buchholz