08.03.2019

Bischöfe tagen in Lingen

So aufregend wie 1999?

Vor 20 Jahren diskutierten die Bischöfe in Lingen über einen möglichen Verbleib im System der Schwangerschaftskonfliktberatung. Michaela Fenten und Maria Brand können sich noch gut an diese Tage erinnern. Und auch dieser Konferenz sehen sie wieder mit Spannung entgegen.

Erinnerungen an 1999: Mahnplakate vor dem Eingang der Lingener St.-Bonifatius-Kirche mit Bischof Karl Lehmann aus Mainz, der damals noch nicht im Kardinalsrang war. Fotos: Thomas Pinzka/Petra Diek-Münchow

„Wie unsere Aula da noch ausgesehen hat – mit den grünen Wänden und der knallroten Decke. Ganz schön bunt“, sagt Michaela Fenten. Die Verwaltungsleiterin des Ludwig-Windthorst-Hauses (LWH) schaut sich mit Studienleiterin Maria Brand und ihrem für die Öffentlichkeitsarbeit zuständigen Kollegen, Michael Brendel, eine alte Nachrichtensendung vom 22. Februar 1999 an. Das Video zeigt in mehreren Szenen, wie die Bischöfe ankommen, sich begrüßen und später im Sitzungssaal stehen. „Guck mal, da ist Kardinal Lehmann und dahinten, das ist Johannes Dyba“, sagen sie und erkennen den damaligen Vorsitzenden der Bischofskonferenz und ein paar Schritte von ihm entfernt den Bischof von Fulda.

„Das war schon eine echte Nummer für uns“

Maria Brand und Michaela Fenten gehören zu dem guten Dutzend Mitarbeiter aus dem 80-köpfigen Team, die die erste Frühjahrsvollversammlung im LWH im Februar 1999 selbst erlebt haben – und die auch jetzt 20 Jahre später wieder dabei sind. Fenten, eine der Dienstältesten in der katholischen Akademie, arbeitete damals als Sekretärin von LWH-Leiter Reinhold Jackels. Maria Brand war gerade als neue Studienleiterin im Einsatz. „Das war schon echt eine Nummer für uns, so große Namen im Haus zu haben“, sagt Michaela Fenten und schlägt das Gästebuch von 1999 auf. Auf vier Seiten haben alle Bischöfe unterschrieben – Franz-Josef Bode taucht gleich unten auf der ersten Seite auf. „Damals saß er noch weiter hinten in der Aula“, erinnert sich Brand. „Jetzt ist er stellvertretender Vorsitzender.“ Bode sitzt den Erzbischöfen und Kardinälen direkt gegenüber.

Gut können sich beide Frauen auch noch an die lange Checkliste erinnern, die es vor der Bischofskonferenz abzuarbeiten galt. Und daran, dass in der Aula einige Wände frisch gestrichen und die Glühbirnen ausgetauscht wurden. Bei der Ankunft begleiteten die LWH-Mitarbeiter damals dann jeden Bischof persönlich auf sein Zimmer. „Die hätten sich vielleicht nicht zurechtgefunden. Da standen bei uns noch überall Gästehäuser auf dem Gelände“, sagt Brand, die dem Paderborner Erzbischof Johannes Joa­chim Degenhard den Weg zu seiner Unterkunft wies.

Michaela Fenten (rechts) und Maria Brand waren damals schon dabei.

Das war später nicht mehr nötig, aber dafür hatte das Team jeden Tag alle Zimmer zu kontrollieren. „Abends waren wir manchmal ganz schön platt“, erinnert sich Michaela Fenten. Aber auch daran: „Die Bischöfe waren immer sehr freundlich und nie von oben herab.“ Wenn die zwei Frauen von diesen aufregenden Tagen erzählen, tauchen viele Bilder in ihrem Gedächtnis wieder auf. Von dem großen Einzug der Bischöfe beim Auftaktgottesdienst in der Lingener St.-Bonifatius-Kirche und den dagegen sehr ruhigen Werktagsmessen in der LWH-Kapelle mit nur wenigen Gäs­ten von draußen. Von den Zivildienstleis­tenden, die die Tagung mit großem Eifer verfolgten. „Danach waren die bei uns im Haus immer nur mit Panzertape unterwegs“, sagt Fenten und meint damit das extrastarke Klebeband. „Das hatten sie sich von den Fernsehleuten abgeguckt.“ Überhaupt der große Presserummel – beide Frauen haben nicht vergessen, wie sich bei den Pressekonferenzen zahlreiche Journalisten, Fotografen und Kameraleute um die Schar der Bischöfe drängelten. „Ich weiß noch, dass eine ganze Batterie von Übertragungswagen draußen vor dem Haus stand“, sagt Maria Brand.

Die Frauen hoffen auf so etwas wie eine „Lingener Erklärung“

Denn die Versammlung 1999 stand wegen des Themas Schwangerschaftskonfliktberatung im Fokus der Öffentlichkeit. Die Frage, ob es für schwangere Frauen nach einer Beratung in katholischen Einrichtungen auch weiter den Beratungsschein als Voraussetzung für eine straffreie Abtreibung geben solle, hatte innerhalb der katholischen Kirche heftige Diskussionen ausgelöst. Maria Brand weiß noch gut, wie engagiert die katholischen Frauenverbände und auch einige Seelsorger im Bistum Osnabrück damals für den Verbleib im staatlichen System kämpften. „Irgendwie fand ich es schon skurril, als ich dann bei uns diese Reihe älterer Herren gesehen habe, die über dieses für Frauen so wichtige Thema diskutiert haben“, sagt die Studienleiterin. Bei den Werktagsmessen waren dann immer Frauen aus dem LWH-Team als Lektorinnen im Einsatz, um die Lesung vorzutragen. Das sei kein Zufall gewesen – vielmehr ein deutliches Zeichen nach außen.

Auch 2019 wird das LWH wieder im Fokus stehen, da sind sich alle sicher. Es wird um den Missbrauch in der Kirche gehen. Und mehr als bei anderen Gasttagungen im Haus werden Michael Brendel, Maria Brand, Michaela Fenten und das ganze LWH-Team den Stand der Beratungen verfolgen und bei den Statements der Bischöfe zuhören.  „Wieder ist es ein Thema, das für die Kirche und ihre Stellung in der Gesellschaft sehr wichtig ist“, sagt Brand. „Da ist auch für uns das Ergebnis von großer Bedeutung. Dabei muss was Gutes herauskommen“, sagt sie und hofft auf so etwas wie eine „Lingener Erklärung.“

Petra Diek-Münchow