29.04.2021

Studie zur Religionsfreiheit

Starke Repressionen

Die Religionsfreiheit wird in vielen Ländern massiv verletzt – das zeigt die neue Studie des päpstlichen Hilfswerks „Kirche in Not“. Der Berliner Erzbischof Heiner Koch warnt vor einer wachsenden Religionsfeindlichkeit auch bei uns in Deutschland.

Die Kuppel mit einem Kreuz der Kirche Sankt Johannes der Täufer an der Taufstelle Qasr al-Yahud auf dem Gelände der Franziskaner am Jordan in Israel am 11. März 2021.
Eine Kirche an der Taufstelle Jesu in Israel: Überall auf der Welt wollen Menschen ihren ganz eigenen Glauben leben. In manchen Ländern aber werden sie drangsaliert und bedroht.

Die neue Studie des päpstlichen Hilfswerks „Kirche in Not“ zur Religionsfreiheit weltweit beleuchtet den Zeitraum von August 2018 bis November 2020. Und sie zeigt: In 62 Ländern wurde dieses Recht schwerwiegend verletzt – in fast jedem dritten der untersuchten Staaten. In 30 Ländern wurden Menschen aus Glaubensgründen ermordet. In jedem fünften Land mussten Menschen, die ihre Religionsgemeinschaft verlassen, mit massiven rechtlichen oder sozialen Konsequenzen rechnen.

Die internationale Gemeinschaft reagiert für den Geschäftsführenden Präsidenten von „Kirche in Not“, Thomas Heine-Geldern, bislang „zu wenig und zu spät“ auf Gewalt aus Gründen der Religion. Dabei gäben die aktuellen Zahlen Anlass zu „größter Besorgnis“. 

Die Pandemie hat die Entwicklung nach Erkenntnissen des Hilfswerks auf vielfältige Weise beeinflusst. So bezeichneten islamistische Terrorgruppen wie al-Qaida, der „Islamische Staat“ und Boko Haram auf Propaganda-Videos Covid-19 als Strafe Gottes für den „dekadenten Westen“. Dschihadisten wird ein sicherer Platz im Paradies versprochen.

Im Internet verbreiteten sich Verschwörungsmythen, denen zufolge Juden den Ausbruch verursacht hätten. Es traf aber auch andere Minderheiten: In Indien Muslime, in China, Niger, der Türkei und Ägypten wurden Christen verantwortlich gemacht. In Pakistan verweigerten islamische Wohltätigkeitsorganisationen Christen Nahrungsmittelhilfe und Notfall-Kits. Mancherorts ließ die Seuche dagegen die Religionsgemeinschaften zusammenrücken. In Bangladesch begrub eine islamische Wohltätigkeitsorganisation auch hinduistische und christliche Covid-19-Tote. 

Grübel kritisiert Repression der Uiguren in China

Der Beauftragte der Bundesregierung für weltweite Religionsfreiheit, Markus Grübel (CDU), kritisierte die wachsende Einschränkung der Rechte von Gläubigen. So gebe es in der Volksrepublik China eine „systematische und massive Repression“ der muslimischen Uiguren und der buddhistischen Tibeter.

Solche staatliche Unterdrückung gibt es in Deutschland nicht; deshalb sagte Grübel wohl, hier sei eine „Insel der Seligen“. Allerdings gebe es auch bei uns religionsfeindliche Straftaten. Zudem werde die Religionsfreiheit etwa mit Blick auf die Beschneidung von Jungen, das Schächten und das Glockenläuten zu Gottesdiensten infrage gestellt.

Der Berliner Erzbischof Heiner Koch berichtete, Vertreter nichtchristlicher Religionen hätten ihm ihre Sorge vor einer wachsenden Religionsfeindlichkeit in Deutschland offenbart. Zugleich betonte er, nach der ersten Welle der Pandemie zeige der Staat für die Erfordernisse der Religionsgemeinschaften „sehr viel Verständnis“. Sie müssten aber bereit sein, sich kritischen Anfragen zu stellen, wenn es etwa um religiöse Symbole im öffentlichen Raum gehe. 

kna