16.10.2020

Gesprächsgruppe für verwaiste Eltern

Trauert der Partner anders?

Zwei Kinderkrankenschwestern des Marien-Hospitals Papenburg/Aschendorf bieten eine Gesprächsgruppe für verwaiste Eltern an, die ihr Kind vor der Geburt oder innerhalb des ersten Lebensjahres verloren haben.

Für früh verwaiste Eltern kann es tröstlich sein, wenn sie eine Grabstelle für ihr Sternenkind haben.  Foto: Andrea Kolhoff

„Das Herz Ihres Babys schlägt nicht mehr.“ Das ist ein Satz, den betroffene Eltern niemals vergessen werden. Die Welt scheint stillzustehen. Auch wenn viele Mütter beim Kotrolltermin von einer Vorahnung begleitet wurden, ist die Bestätigung per Ultraschall endgültig und trotzdem so unwirklich. Von jetzt auf gleich ist alles anders, der Lebensentwurf der Familie zerplatzt.

Ivonne Fennen, Fachkinderkrankenschwester für Intensivpflege und Anästhesie sowie stellvertretende Abteilungsleitung der geburtshilflichen Abteilung und Pädiatrie im Marien-Hospital Papenburg, und Maria Papen-Koop, ebenfalls Kinderkrankenschwester, planen eine offene Trauergruppe für frühverwaiste Eltern in Papenburg. Unterstützt wird das Duo vom Marien-Hospital Papenburg/Aschendorf und vom Caritas Verband Landkreis Emsland. 

Ivonne Fennen und Maria Papen-Koop haben sich auf die ehrenamtliche Tätigkeit gut vorbereitet. Sie nahmen in einem Zeitraum von sechs Monaten an einer Qualifizierung zum Leiten von Trauergruppen teil, die sich an Eltern richten, die in der Frühschwangerschaft, vor der Geburt oder innerhalb des ersten Lebensjahres ein Baby verloren haben.  

Kontakt aufbauen, Abschied nehmen

Die Gesprächsgruppe befindet sich zurzeit im Aufbau, das Ziel ist jedoch schon ganz klar: „Wir möchten betroffene Eltern auf ihrem Weg unterstützen, ihnen Möglichkeiten und Wege zeigen ihrer Trauer Raum zu geben, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen.“ Dabei gehe es auch um Fragen wie „Was mache ich mit dem fertigen Kinderzimmer?“, „Wieso trauert mein Partner anders als ich?“, „Wie gehe ich mit Schwangeren in meiner Umgebung um?“.

Ivonne Fennen setzt sich im Marien-Hospital sehr für die Unterstützung und Begleitung frühverwaister Eltern ein und ist Ansprechpartnerin für das Fachpersonal. „Die Eltern sind wie betäubt, befinden sich in einer Art dichtem Nebel“, so Ivonne Fennen. „Diese sogenannte natürliche Anästhesie schützt den Körper, um die extreme Trauer nur stückweise aushalten zu müssen“. 

Die Eltern werden im Marien Hospital vertrauensvoll durch die gewünschte Geburt begleitet. Auf einfühlsame Art werden sie nach der Geburt bestärkt, Kontakt zu ihrem Kind aufzubauen – das Kind auf dieser Welt willkommen zu heißen, um dann bewusst Abschied nehmen zu können. Die Unterstützung soll durch die Trauergruppe über den Klinikaufenthalt hinausgehen. (kb)

Wer an der Gesprächsgruppe teilnehmen möchte, melde sich unter Telefon 0 49 61/9 44 10.