16.09.2020

Umbau der ehemaligen St.-Bonifatius-Kirche

Kindertagesstätte mit Glockenturm

St. Bonifatius im Bremer Westen ist nach umfangreichen Bauarbeiten ein attraktiver Kirchenstandort geworden: mit einer neuen Kita und einem Gemeindezentrum.

Markenzeichen der neuen Kita St. Bonifatius ist der Glockenturm. 
Foto: Anja Sabel

An der Straße hält ein Lkw. „Die Betten kommen, da muss ich kurz zum Eingang“, unterbricht Irmgard Jakobs das Gespräch. Die Leiterin der Bremer Kindertagesstätte St. Bonifatius hat alle Hände voll zu tun: Kisten auspacken, Lieferungen entgegennehmen, Absprachen treffen mit Handwerkern und ihren Kolleginnen. Inzwischen aber toben Kinder durchs Haus. 

Mit ihrem Glockenturm sticht die neue katholische Kita im Stadtteil Findorff heraus. Das Besondere: Ihre Räume befinden sich in der ehemaligen St.-Bonifatius-Kirche. Für dieses Bauprojekt wurde das Gotteshaus entkernt und komplett umgestaltet. „Dass das Gebäude von außen noch an die Kirche erinnert, freut uns sehr“, sagt Irmgard Jakobs. 

Überhaupt findet sie es spannend, „eine neue Kita auf den Weg zu bringen“ –mit neuem Team sowie Kindern und Eltern, die sich alle erst noch kennenlernen. Das reizte sie so sehr, dass sie ihre Arbeitsstelle wechselte. Zuvor leitete Irmgard Jakobs die Kita St. Hedwig in der Neuen Vahr, die im vergangenen Jahr erweitert wurde. „Ich bin also erfahren, was Umbaumaßnahmen betrifft“, sagt sie und lacht. 

750 Kinder in elf katholischen Kitas

Die Kita St. Bonifatius startet mit zwei Krippengruppen mit jeweils zehn unter Dreijährigen sowie einer Kindergartengruppe mit 20 Kindern im Alter von drei bis sechs Jahren. Später kommen noch zwei Elementargruppen mit je 20 Kindern dazu. Träger der Einrichtung ist der Katholische Gemeindeverband. „Inzwischen betreuen wir 750 Kinder in elf Kitas“, sagt Geschäftsführer Christopher Peiler. 

Kita-Plätze sind knapp in der Großstadt Bremen. Das neue Angebot in Findorff ist deshalb willkommen. Die Räume verteilen sich auf einer Fläche von knapp 1000 Quadratmetern: Im Erdgeschoss sind die Krippenräume, im ersten Obergeschoss ist der Kindergartenbereich. Das zweite Geschoss teilt sich die Kita mit der Kirchengemeinde. Dort befindet sich der Bonifatiussaal – zur Hälfte Versammlungsort, zur Hälfte Gottesdienstraum. 

Irmgard Jakobs gefällt das besondere Farbkonzept. Die Krippenräume sind in Braun gehalten – symbolisch für die Erde. Das helle Grün in den Kindergartenräumen symbolisiert die Pflanzenwelt und das Blau im Obergeschoss den Himmel. Blau ist auch die Farbe der Muttergottes – schließlich gehört der Kirchenstandort St. Bonifatius zur Pfarrei St. Marien. Und so entdeckt man im Obergeschoss auch die alte Marienfigur aus der ehemaligen Kirche.  

Naturerfahrungen und gesundes Essen

Ein Willkommensgruß für die Krippenkinder. Foto: Anja Sabel

Auf ein pädagogisches Konzept hat sich Irmgard Jakobs noch nicht festgelegt. Es könne in Richtung Bewegung-Kita oder Naturerfahrungen gehen, sagt sie. „Immerhin haben wir den Bürgerpark in der Nähe.“ Auch die Raumfarben würden dazu passen. Ebenso gesunde Ernährung, auf die sie Wert legt. Die Kita St. Bonifatius hat eine Küche, in der täglich frisch gekocht wird. 

Wichtig ist auch der Kontakt zur Gemeinde. Was das betrifft, gerät Jakobs ins Schwärmen. „Wer hat schon die Kirche in der Kita? Da ist auch religionspädagogisch viel möglich.“ Sie hat viele Ideen, etwa einen Tag der offenen Tür, „wir sind ja mitten in einem Wohngebiet“. Aber: „Wegen Corona müssen wir uns noch gedulden.“

Das rund 3,2 Millionen teure Bauprojekt schließt das neue Gemeindezentrum St. Bonifatius mit ein. Zeitlich gesehen „eine Punktlandung“, sagt Geschäftsführer Peiler. Trotz Corona-Krise, trotz besonderer Herausforderungen, die sich beim Umbau einer Kirche ergeben. 

Peiler lobt die gute Zusammenarbeit mit Bauleiter Hubert Schowwe vom Stephanswerk, Holger Albers vom Kirchenvorstand und Andree Buschermöhle vom Katholischen Gemeindeverband Bremen. „Alles war von vorn-herein so geplant, dass es bei der Bauabnahme kaum Beanstandungen gab.“

Die frühere Treppe am Eingang der ehemaligen St.-Bonifatius-Kirche mit ihren 14 tiefen Stufen war für viele ältere Kirchenbesucher ein Problem. Jetzt ist der Eingang barrierefrei. 

Senioren als Vorleser oder Elterncafé: Es gibt viele Ideen

Im Bonifatiussaal werden demnächst Gottesdienste gefeiert.
Foto: Anja Sabel

Wer keine Treppen steigen kann oder will, nutzt einen Aufzug. Zum Gemeindezentrum gehören der Bonifatiussaal, eine Küche und Sanitärräume. „Insgesamt ein stimmiges Konzept, sagt Pfarrer Josef Fleddermann. „Mir gefällt, dass die Kita, das Gemeindezentrum und die Caritas-Wohngruppe für Geflüchtete im ehemaligen Pfarrhaus jetzt eine Einheit bilden.“ 

Im Bonifatiussaal ist der Korpus des Kreuzes aus der Kirche zu finden sowie sichtbar eingelassen in die Wand das Reliquiengefäß, das vorher im Altar war. „Mit der Dienstagsmesse wollen wir wieder beginnen“, sagt Pfarrer Fleddermann. Nach Corona könne man dann weitere Pläne schmieden. Zum Beispiel, ob Senioren in der Kita vorlesen oder ob es ein Elterncafé geben soll. „Unser Standort St. Bonifatius eröffnet uns viele Möglichkeiten.“ Die Kosten für das Gemeindezentrum belaufen sich auf 600 000 Euro. 350 000 Euro Zuschuss gab es vom Bistum.

Anja Sabel

Die Einweihung des neuen Gemeindezentrums findet am Mittwoch, 11. November, um 10 Uhr mit einem Gottesdienst mit Bischof Franz-Josef Bode statt.