09.07.2021

Junge Katholiken starten Aktion zum "Synodalen Weg"

Fragen aus und für Ostfriesland

Junge Leute aus Ostfriesland haben eine Umfrage zum Reformprozess „Synodaler Weg“ gestartet. Die ersten Ergebnisse zeigen, dass sich viele Katholiken deutliche Veränderungen für ihre Kirche wünschen.

Digital und auf Papier: Merit Klus und Darius Prahm machen bei der Umfrage der katholischen Jugend im Dekanat Ostfriesland zum Synodalen Weg mit. Foto: KJO/Dennis Pahl

Knapp 20 Fragen stehen auf der Liste, die der Regionalverband des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und die Katholische Jugend in Ostfriesland (KJO) für ihre Aktion entwickelt haben. Es geht darin um Themen, die derzeit viele Katholiken umtreiben – und die auch in dem Reformprozess Synodaler Weg diskutiert werden: Pflichtzölibat, Priesterweihe für Frauen, Sexualmoral, Diskriminierung, Missbrauch, Machtverteilung und Mitbestimmung. Mal kann man mit „Ja“ oder „Nein“ antworten, oft aber auch ein ausführliches Statement abgeben.

Meinungsbild zum Synodalen Weg

Jede und jeder, der in Ostfriesland lebt oder eine besondere Beziehung zu der Region hat, kann bei der Umfrage mitmachen. Entweder im Internet (Siehe auch „Zur Sache“) oder auf Papier, denn auch in fast jeder katholischen Kirche des Dekanates liegen die Fragenbögen noch bis Ende Juli aus. Zugleich sind die hauptamtlichen Teams in den Gemeinden und die Arbeitsgemeinschaft der Pfarrgemeinderäte eingebunden worden. „Das Alter der Teilnehmenden ist uns egal. Wir möchten ein Meinungsbild von der ostfriesischen Position zum Synodalen Weg zeichnen können“, sagt Dennis Pahl. 

Der Dekanatsjugendreferent gehört zur der Aktionsgruppe, die die Umfrage organisiert. Aber die meiste Arbeit, sagt er deutlich, haben sich vier junge, ehrenamtliche Frauen aus dem BDKJ und der KJO gemacht: Judith Willms, Merit Klus, Ruth San-dersfeld und Elisabeth Mach. Die Initiative ging dabei von Judith Willms aus, die Theologie in Osnabrück studiert – und ihre Bachelorarbeit zum Thema Priesteramt für Frauen geschrieben hat. Bei einer eInfoveranstaltung des BDKJ zum Synodalen Weg hörte sie, dass die Delegiertinnen und Delegierten sich nicht selten mit konservativen Ansichten auseinandersetzen müssen. Vor diesem Hintergrund finden sie und Elisabeth Mach es wichtig, „andere, liberalere Positionen mehr abzubilden“. Denn nach Wahrnehmung von Mach wünschen sich junge Leute deutliche Veränderungen in der Kirche. Sie fürchtet, dass sich „unsere Generation“ sonst noch weiter abwendet.

Die Aktionsgruppe erhofft sich von den Ergebnissen aber auch eine Rückendeckung gerade für die Arbeit der Osnabrücker Delegierten im Synodalen Weg. „Wir haben uns gefragt, wie wir diesen Prozess begleiten und eine Stütze sein können“, sagt Dennis Pahl. Deshalb sollen die Ergebnisse der Umfrage nach der Auswertung im August/September dann Bischof Franz-Josef Bode, Weihbischof Johannes Wübbe, Seelsorgeamtsleiterin Martina Kreidler-Kos und der Delegierten-Gruppe übergeben werden.

„Ziemlich begeistert“ von der Resonanz

Von der Resonanz ist Judith Willms „ziemlich begeistert“. Schon jetzt liegen dem Team etwa 120 Rückmeldungen aus der Diasporaregion vor, in der laut Pahl gut acht Prozent Katholiken leben. Bisher sind es die Antworten aus der Online-Umfrage – und die lassen eine eindeutige Haltung erkennen. In der Mehrheit wünschen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum Beispiel Zugang für Frauen zu allen Weiheämtern, die Anerkennung aller Menschen gleich welcher sexuellen Orientierung, mehr Mitspracherecht und eine geschlechtergerechte Sprache. 

Lob gibt es für das Engagement, die Offenheit und Authentizität der katholischen Kirche in Ostfriesland und des BDKJ vor Ort. Dekanatsjugendreferent Dennis Pahl ist nun gespannt auf die Ergebnisse der Fragebögen direkt aus den Kirchen. „Mal schauen, was unsere Gottesdienstbesucher sagen.“

Petra Diek-Münchow

Hinter der Umfrage stehen die Katholische Jugend Ostfriesland, der Regionalverband des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend und das Katholische Jugendbüro Ostfriesland. Teilnehmen können vor allem Menschen, die in Ostfriesland leben, gelebt haben oder arbeiten. Die Umfrage läuft bis Ende Juli. Die Fragen sind hier zu finden. Außerdem liegen Fragebögen in vielen ostfriesischen Kirchen und Gemeindehäusern aus.