09.06.2022

Urlauberseelsorge an der Küste

Eine Tüte Urlaub zum Mitnehmen

Nicht mehr lange – und die ersten Bundesländer haben Ferien. Die katholische Urlauberseelsorge in Ostfriesland steht in den Startlöchern. Dabei geht es nicht nur um Aktionen, sondern vor allem um ein offenes Ohr und Begegnung.

Sie freuen sich auf Gespräche im Kirchen-Strandkorb: die evangelische Pastorin Christiane Elster (links) und die katholische Urlauberseelsorgerin Natalia Löster. Foto: privat

Gut zwei Wochen noch, dann startet Nordrhein-Westfalen in die Sommerferien. Gerade von dort reisen stets viele Menschen für ihren Urlaub an die ostfriesische Nordsee. Pastoralreferentin Natalia Löster vom Büro „Seelsorge am Meer“ in Norden sowie ihre Kolleginnen und Kollegen auf den Inseln planen daher in ökumenischer Zusammenarbeit gerade intensiv ihre Angebote für die nächsten zwei Monate.

Das Programm ist gut gefüllt: unter anderem mit Gottesdiensten an der frischen Luft – darunter auch zum ersten Mal eine Feier für Menschen und ihre Haustiere in Norddeich, mit Liederabenden und Spieletreffs, mit einem Kindermusical und einer „Tüte Urlaub“ zum Mitnehmen. Die gibt es in der St.-Ludgerus-Kirche in Norden und im „Kirchenstrandkorb“. Der steht genau da am Sandstrand in Norddeich, wo die Gäste in die Nordsee springen, spazieren gehen, Krimis lesen oder Sandburgen bauen. „Immer, wenn dort unsere Fahne weht, trifft man jemanden von uns“, sagt Natalia Löster.

Der weiße Strandkorb ist für sie ein gutes Beispiel, dass Urlauberseelsorge viel mehr ist als eine Liste von Veranstaltungen. Es geht darum, offene Ohren und Herzen anzubieten für Themen, die die Menschen umtreiben. „Die Leute wollen im Urlaub nicht nur betüddelt werden, sondern beschäftigen sich durchaus mit ernsthaften Dingen“, sagt Löster. Manches bahne sich gerade in der von Alltagshektik befreiten Zeit einen Weg an die Oberfläche.

Auch Einheimische brauchen Rückzugsorte

Wichtig findet Löster dabei aber, solche Themen nicht zu erzwingen, sondern sie einfach passieren zu lassen – auch bei zufälligen Begegnungen. „Tür-und-Angel-Gespräche“ nennt sie das. Dass die Urlauberseelsorge sich dafür Raum und Zeit nimmt, „haben wir vielleicht anderen Anbietern voraus“.

Ein Thema, dass die Menschen in diesen Tagen sehr beschäftigt, ist der Krieg in der Ukraine und seine Folgen. Die Urlauberseelsorger spüren dabei viele Ängste und Sorgen. In anderen Momenten treffen sie Gäste, die der Kirche eigentlich längst den Rücken gekehrt haben – und dann der „Frau von der Kirche“ doch von ihren Verletzungen und ihrer Zerrissenheit erzählen. „Und es tut ihnen gut, das auch mal aussprechen und abladen zu können.“ 

Ein bisschen abladen – das gilt laut Löster aber nicht nur für die Touristen aus der Ferne, sondern auch für Einheimische aus der Nähe. „Wir alle brauchen Rückzugsmomente und -orte“, sagt sie. Daher entwickelt sie in einem mit Gemeindemitgliedern aus Norden und Esens besetzten Arbeitskreis kleine Auszeiten für den Alltag: Lichtergebete, meditative Strandspaziergänge, „Klönsnäcks“ nach der Sonntagsmesse. Oder auch Postkarten mit Segenssprüchen. Die kann man dann einfach mal an die beste Freundin schicken. Ganz analog mit der Post.

Petra Diek-Münchow


Zur Sache

Das Büro der „Seelsorge am Meer“ zieht um. Ab Mitte/Ende Juni sitzt das Team im Pfarrhaus in der Osterstr. 20 in Norden, gleich neben der katholischen Kirche.

Die Urlauberseelsorge an der Küste plant unter anderem diese Angebote:

- ab 30. Juni ökumenischer Kirchen-Strandkorb am Sandstrand in Norddeich,donnerstags von 16 bis 17 Uhr
- Sonntagsgottesdienste auf dem Sandstrand in Norddeich: 3. und 24. Juli sowie 7. und 21. August, jeweils um 11 Uhr 
- Gottesdienst für Menschen mit ihren Tieren: unter freiem Himmel vor der „Arche“ (Nordlandstraße) in Norddeich am 9. Juli um 11 Uhr

Weitere Infos in Kürze unter www.seelsorge-am-meer.de