02.10.2018

Reaktionen auf Missbrauchsstudie

Vertrauen durch Offenheit gewinnen

Reaktionen auf die Veröffentlichung der Missbrauchsstudie: Der Katholikenrat will strittige Fragen behandelt wissen, Propst Martin Schomaker aus Bremen will den Zölibat auf den Prüfstand stellen – und aus dem Erzbistum Hamburg gibt es Vorwürfe.

Generalvikar Theo Paul (am Mikrofon) räumte bei der Pressekonferenz auch Fehler bei früheren Versetzungen ein. Foto: Petersen

In Zusammenhang mit der jetzt veröffentlichten Missbrauchsstudie der Deutschen Bischofskonferenz hat der Katholikenrat im Bistum Osnabrück dazu aufgerufen, auch strittige kirchliche Fragen anzugehen. Dazu gehöre die Frage nach der Stellung der Frau in der Kirche, die Frage nach der Zeitgemäßheit des Zölibates und die Frage des Umgangs mit Macht in der Kirche, heißt es in einer Stellungnahme der Laienvertretung. Verloren gegangenes Vertrauen sei nur über Offenheit und Transparenz und über eine wirksame Prävention wiederzugewinnen.

Im Anschluss an die Präsentation der Studie in Fulda hatte es in vielen Bistumsstädten weitere Pressekonferenzen gegeben, so auch in Osnabrück und Hamburg. Das Erzbistum Hamburg war erst 1995 entstanden, bis dahin hatte die Personalverantwortung in Osnabrück gelegen. Der Hamburger Generalvikar Ansgar Thim sagte jetzt, dass es vor 1995 „im damals zuständigen Bistum Osnabrück … eine Versetzungspraxis gegeben hat, offenkundige Täter ohne Verfahren zu versetzen. In den Akten konnten wir Wechselwirkungen insofern feststellen, dass damals im Bistum Osnabrück beschuldigte Priester in nördliche Regionen versetzt wurden.

Versetzungen betrafen alle Bistumsregionen

Generalvikar Theo Paul hatte in der vergangenen Woche bereits „schwerwiegende Fehler in der Versetzungspraxis“ eingeräumt. Die Versetzung von mutmaßlichen Missbrauchstätern habe aber alle Regionen des Bistums betroffen, sagte er jetzt auf Anfrage des Kirchenboten.

Im Osnabrücker Dom ging Domkapitular Reinhard Molitor am vergangenen Sonntag auch auf das Thema Missbrauch ein. Er rief die Kirche dazu auf, zu ihrer Schuld zu stehen, sonst mache sie sich überflüssig. „Eine Kirche, die kritiklos und intransparent Strukturen der Macht zulässt, macht sich überflüssig“, fügte er hinzu.

Propst Martin Schomaker, Moderator des Osnabrücker Priesterrats, hat sich dafür ausgesprochen, den Zölibat für Priester auf den Prüfstand zu stellen. „Ich persönlich kann mir vorstellen, dass die Kirche die Regeln für Priester verändert“, sagte er dem Bremer „Weserkurier“. Nötig sei eine Debatte ohne Denkverbote und Ängste. (bpo/pe/epd)