23.02.2018

Einsatz für Wohnungslose

„Ein starkes Stück Osnabrück"

In der kalten Jahreszeit ist ihr Einsatz wichtiger denn je: Viele Ehrenamtliche sichern in der Wärmestube in Osnabrück die Hilfen für Wohnungslose und Bedürftige. 365 Tage im Jahr erhalten die Menschen hier Mahlzeiten und Kleidung – und finden jemanden, der zuhört.

Es ist immer etwas zu tun in der Wärmestube: Klaus Hackmann und Willi Ahrens bereiten das Frühstück für den kommenden Tag vor. Foto: Thomas Osterfeld

Eine Schüssel braucht Irene Schmitz nicht, wenn sie den Salat für das Mittagessen vorbereitet: Die Gurken und Salatblätter, die sie an diesem Vormittag schält und klein schneidet, wandern einfach in eine blaue Wäschewanne. Große Portionen ist die 78-Jährige gewöhnt, wenn sie alle 14 Tage mit ihrer Freundin Hannelore van den Berg in der Küche der Wärmestube an der Bramscher Straße hilft, das Mittagessen für die Besucher zuzubereiten.

Vier Eimer Kartoffeln haben die Frauen heute schon geschält, 15 Kilogramm Hähnchengulasch bruzzeln bereits auf dem Großküchenherd. Auch Schwester Soteris packt tatkräftig mit an. Die Ordensschwester plant und koordiniert die Mittagsmahlzeiten, die in der Einrichtung für knapp 100 Bedürftige täglich frisch zubereitet und kostenlos ausgegeben werden. „Einen Wochenplan haben wir nicht. Es gibt, was uns gespendet wird.“

100 bis 150 Menschen kommen täglich in die Wärmestube, die 1981 von Bruder Otger im damaligen Franziskanerkloster gegründet wurde. Sie können sich aus verschiedensten Gründen nicht mehr selbst versorgen, sind teilweise obdachlos. Zum Monatsende steigen die Zahlen. Die ersten Besucher stehen morgens um 5.30 Uhr vor der Tür, Diakon Jochen Meyer schließt ihnen auf. Geöffnet ist die Einrichtung dann bis 16 Uhr, 365 Tage im Jahr. In dieser Zeit können die Besucher sich aufwärmen, sie werden versorgt mit Essen und Kleidung, wer möchte kann duschen, Kleidung waschen oder auch schlafen. Alle sind willkommen, „wir fragen niemanden, warum er hier ist“, betont Meyer.

Eigene Mittel hat die Wärmestube nicht, die Hilfen werden nur aus Spenden finanziert. Einzelhändler, Großhändler, Privatpersonen oder Lebensmittelhersteller stellen kostenlos Waren zur Verfügung. Jeden Tag kommen ehrenamtliche Helfer, die das Mittagessen kochen, die Speisen servieren oder in der Kleiderkammer helfen. Aber die Menge der Spendenware geht zurück, „finanzielle Unterstützung wird deshalb immer wichtiger für uns“, betont Jochen Meyer, der auch Leiter der Einrichtung ist.

Täglich werden 320 Scheiben Brot geschmiert

Es klopft an der Küchentür. „Ist der Kaffee alle?“, fragt Irene Schmitz freundlich den Besucher. „Ihr habt ja heute einen Durst“, lacht sie und sorgt schnell für Nachschub. Gute Stimmung ist eigentlich immer in der Küche der Wärmestube.„Ich kannte die Einrichtung nicht wirklich, über Bekannte bin ich vor etwa neun Jahren hier gelandet“, erzählt die Rentnerin, während sie weiter Gurken schneidet. „Man lernt hier wirklich Schicksale kennen und hat mehr Verständnis dafür, wenn jemand auf der Straße lebt. Es ist ja keiner freiwillig hier.“ Und wenn Irene Schmitz oder Hannelore van den Berg auf der Straße angesprochen und nach Geld gefragt werden, dann erzählen sie von der Wärmestube und erklären den Weg: „Hier wird dir geholfen.“

Irene Schmitz kümmert sich um den Salat für das Mittagessen.
Fotos: Thomas Osterfeld

Im Nebenraum rattert die Brotschneidemaschine. Zum Abendbrot bekommen alle Besucher ein Päckchen mit fertig geschmierten Brotscheiben mit auf den Weg. Dafür sind Willi Ahrens und Klaus Hackmann heute zuständig. Die beiden Rentner gehören einer Männer-Kolpinggruppe an, die sich seit fast zehn Jahren in der Wärmestube engagiert. 320 Scheiben werden geschnitten, geschmiert, mit Aufschnitt belegt und verpackt. Jeden Tag. „Es macht Spaß, man kann anpacken, etwas Sinnvolles tun. Wir haben ja Zeit“, erzählen die Männer übereinstimmend.

Immer freitags sind sie da, einmal im Monat ist jeder an der Reihe. Aber auch sonst stehen sie parat, wenn starke Männer gebraucht werden. Denn die Einrichtung ist ihnen ans Herz gewachsen: „Was würde mit den Menschen passieren, wenn es das hier nicht gäbe?“

Und tatsächlich: Die Wärmestube ist alternativlos in Osnabrück: „Zu uns kann jeder kommen. Ruhetage gibt es nicht“, erzählt Jochen Meyer. Er setzt sich oft zu den Besuchern, knüpft Kontakte, vermittelt Hilfen, so sie denn gewünscht werden. „Es ist spannend hier, jeder Tag bietet Überraschungen“, betont der Diakon. Auch Bischof Franz-Josef Bode unterstützt und wertschätzt die Arbeit: Für ihn ist die Wärmestube ein „starkes Stück“ der Stadt und der Kirche in Osnabrück.

Mittlerweile hat sich der Speiseraum gefüllt, eine lange Schlange steht vor der Essensausgabe. Nach einem kurzen Gebet beginnt Jochen Meyer, Kartoffeln und Hähnchengulasch auf die Teller zu verteilen. Irene Schmitz reicht den Besuchern einen Salat. Auch Nachtisch gibt es jeden Tag, ganz zuverlässig. Dankbar suchen sich die Menschen einen Platz. Eine warme Mahlzeit an diesem Tag ist für sie gesichert – auch dank der vielen ehrenamtlichen Helfer und Spender.

Astrid Fleute

Weitere Infos zur Wärmestube und auch zum Spendenkonto der Einrichtung: www.bistum-osnabrueck.de/waermestube-osnabrueck/


 

Bremer Wohlfühlmorgen für Wohnungslose

Ein Frühstück mit frischen Brötchen, ein neuer Haarschnitt, eine Shiatsu-Massage, medizinische Beratung und Fußpflege, gute Gespräche, Erinnerungsfotos, Live-Musik, eine Leseecke, Duschen in der Johannis­oase und sogar ein Zahnarztmobil: Viele Ehrenamtliche sorgten am vergangenen Wochenende wieder für einen gelungenen Wohlfühlmorgen für wohnungslose Menschen.

Bereits seit sechs Jahren schnürt ein Aktionsbündnis aus Malteser-Hilfsdienst, Caritas Bremen, der St.-Johannis-Schule und dem Atlantic-Grand-Hotel ein Wohlfühlprogramm für Bremer Obdachlose. Rund 200 Besucher zählen die Organisatoren jährlich. Etwa 20 Schüler, 20 weitere ehrenamtliche Helfer sowie Spender stellen sicher, dass alle Angebote unentgeltlich genutzt werden können. Ein Kurzurlaub von der Straße soll es sein, zumindest für ein paar Stunden. „Wir schenken unseren Gästen Aufmerksamkeit und Wertschätzung, einen Wellnesstag für Leib und Seele“, sagt Andreas Schack vom Malteser-Hilfsdienst. (kb)