25.01.2021

Anfrage zur Zulassung von Frauen zu liturgischen Diensten

Warum erst jetzt?

Wie kann es sein, dass erst jetzt Frauen zu den liturgischen Diensten offiziell zugelassen werden, wenn schon seit Jahren auch bei den Messfeiern auf dem Petersplatz in Rom Lektorinnen auftreten? Peter Christof Marx, Hanau

Tatsächlich hat die Meldung aus Rom, das Kirchenrecht zu ändern und jetzt auch Frauen als Messdienerinnen, Lektorinnen und Kommunionhelferinnen zuzulassen, mehr Empörung als Freude ausgelöst. Schließlich ist das seit Jahrzehnten bei uns gängige Praxis. War diese Praxis also eigentlich verboten? Es lohnt sich, genauer hinzuschauen.

Geändert wurde der Kanon 230 §1 des kirchlichen Gesetzbuchs. Dort stand bislang: „Männliche Laien, die das Alter und die Begabung haben, können durch den vorgeschriebenen liturgischen Ritus dauerhaft in den Diensten der Lektoren und Akolythen eingesetzt werden.“ Das „männlich“  ist jetzt gestrichen.

Lektor und Akolyth (eine Mischung aus Messdiener und Kommunionhelfer) waren früher niedere Weihen für Männer auf dem Weg zum Priesteramt. Die niederen Weihen wurden nach dem 2. Vatikanischen Konzil abgeschafft, die Dienste Lektor und Akolyt sollten weiterbestehen, auch als Form der stufenweisen Entscheidung für das Priesteramt. Deshalb werden bis heute Priesteramtskandidaten in verschiedenen Phasen des Studiums diese Dienste übertragen – und zwar in „dem vorgeschriebenen liturgischen Ritus“ und „dauerhaft“, wie es im Gesetzestext heißt.

Und genau das gilt zumindest in Deutschland weder für Männer noch für Frauen, wenn sie eines dieser Ehrenämter übernehmen. Für sie greift bislang Kanon 230 §2: „Laien können aufgrund einer zeitlichen Beauftragung die Aufgabe des ... erfüllen.“ 

Das heißt: Frauen und Männer durften auch bisher schon gleichermaßen den Dienst am Wort und an Brot und Wein ausüben. Aber zeitlich befristet (was in der Regel die Pfarrämter alle fünf Jahre neu bestätigen) und ohne einen „vorgeschriebenen liturgischen Akt“ (aber oft mit einem Segen).

Was sich faktisch also geändert hat, ist nicht die Gleichstellung von Mann und Frau, sondern die von Laien und angehenden Klerikern. Wobei abzuwarten bleibt, wie die Diözesen die Neuregelung umsetzen.

Susanne Haverkamp