15.03.2021

Anfrage

Warum gab es in Israel Schweine?

Kürzlich war in der Bibellesung der Text dran, in dem Jesus unreine Geister in eine Schweineherde fahren ließ, immerhin 2000 Tiere. Wozu gab es Schweineherden, wenn die Juden doch kein Schweinefleisch essen? Ina Panzer, per E-Mail

Die Gebote des Alten Testaments (Lev 11,7 und Dtn 14,8) verbieten den Israeliten, Schweinefleisch zu essen oder auch nur ein totes Schwein zu berühren. In der Auseinandersetzung mit griechisch-römischen Einflüssen wird das zu einem so wichtigen Merkmal, dass Juden bereit sind, dafür zu sterben, wie etwa im Makkabäerbuch erzählt wird.

Dabei haben archäologische Ausgrabungen gezeigt, dass Hausschweine in Palästina schon seit etwa 6000 v. Chr. vorkamen. Im angrenzenden Ägypten wurden sie in großen Herden gehalten, in Palästina war ihre Zahl gegenüber der von Schafen, Ziegen und Rindern eher gering. 

Im frühen Israel war das Verbot von Schweinefleisch wohl noch nicht so weit verbreitet. Zudem wurden Schweine auch zur Fett-, Leder- und Borstengewinnung genutzt.Dieser wirtschaftliche Nutzen dürfte auch ein Grund dafür gewesen sein, zur Zeit Jesu Schweineherden zu halten. Zudem befindet sich Jesus bei dieser Erzählung in der Nähe griechisch-römisch geprägter Städte am Ostufer des Sees. Dort waren Schweineherden keine Seltenheit, da dort viele Nichtjuden lebten und Schweine somit vermehrt gegessen und für religiöse Opfer gebraucht wurden. Besonders hochgeschätzt wurden sie wegen ihres ungestümen und teilweise aggressiven Wesens aber nicht, sondern eher als chaotisch oder sogar böse betrachtet.

Die Austreibung des Dämons durch Jesus dürfte daher auch eine bildliche Ebene haben, denn der Dämon nennt sich in dieser Erzählung selbst Legion. Die in Palästina stationierte 10. Legion Roms trug in ihrem Wappen einen Eber. Somit wird in dieser Geschichte auf bildliche Weise der Dämon der Besatzungsmacht Rom auf seinen eigenen Wunsch hin in die unreinen und aggressiven Schweine verbannt und ins Meer – gemeint ist der See Gennesaret – gestürzt (Markus 5,13). Jesus selbst wird dabei als jemand gezeigt, der die chaotischen Mächte dieser Welt bändigen kann, und erweist sich somit als Herrscher der Welt.

Christoph Buysch