26.03.2019

Nach der Versammlung der Bischöfe

Was jetzt passieren sollte

Die Vollversammlung der Bischöfe in Lingen hat Spuren hinterlassen. Es solle einen „synodalen Weg“ geben, um über die Zukunft der Kirche zu beraten, hieß es. Der Kirchenbote hat drei Verantwortliche im Bistum gefragt, was aus ihrer Sicht jetzt passieren sollte.

Deutliche Worte hatten die Mitglieder der Frauengemeinschaft für die Bischöfe. Foto: Georg Meppelink

 

Propst Martin Schomaker aus Bremen ist Moderator des Priesterrats, eins der Gremien, das den Bischof berät. Versammelt sind hier zum Beispiel sämtliche Dechanten. Er habe positiv den Abschlussbericht von Kardinal Reinhard Marx wahrgenommen, in dem er die Opfer sexuellen Missbrauchs direkt angesprochen habe, sagt Schomaker. „Ich wünsche und hoffe, dass es weiterhin Gesprächsangebote für Betroffene von Missbrauch durch Vertreter der Kirche – von Angesicht zu Angesicht – gibt“, sagt der Propst. Das koste Zeit und Kraft, „den Betroffenen sind wir dies aber schuldig. Es hat mir auch sehr gefallen, dass Kardinal Marx ausdrücklich für die kritischen Stimmen der Gläubigen gedankt hat.“

Wie es weitergeht? Die Bischöfe hätten sich klar positioniert, die Kirche brauche externe Beraterinnen und Berater. Es gehe um ein unabhängiges Aufarbeiten der Taten und um unabhängige Anlaufstellen für Betroffene. „Positiv habe ich wahrgenommen, dass dies im Konzept unseres Bistums ausdrücklich vorgesehen ist.“ Schomaker setzt sich dafür ein, die priesterliche Lebensform und die Zugänge zum priesterlichen Amt weiter in die Diskussion zu stellen. Seine Forderung: „Die Moraltheologie muss in der Sexualmoral übernommen und entsprechende Impulse für die Pastoral müssen formuliert werden.“ Im Alltag der Kirche sei die Gemeinschaft weiter zu pflegen: Männer und Frauen, Haupt- und Ehrenamtliche, Priester und „Laien“, verschiedene Lebensalter, Menschen mit und ohne Migrationshintergrund sollten gemeinsam in transparenten Entscheidungsprozessen zu Ergebnissen kommen. Schomaker fügt hinzu: „Aus den Berichten von der Konferenz nehme ich mit: In dieser Zeit gibt es – Gott sei Dank – keine Denkverbote.“

„Meine Erwartungen sind zurzeit leider gedämpft“

Der Katholikenrat im Bistum ist die höchste Vertretung der Laien, gewissermaßen die Spitze der Pfarrgemeinderäte. Vorsitzende Katharina Abeln aus Quakenbrück sieht die Ergebnisse der Lingener Konferenz als wichtigen Anfang, nun brauche es eine Umsetzung der gefassten Forderungen und Beschlüsse. „Es ist an der Zeit, dass alle Bistümer eine unabhängige Aufarbeitung der Missbrauchsfälle und Strafverfolgung der Täter durchführen“, sagt sie. Die geforderten Standards in der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle müssten für alle Bistümer mit allem Nachdruck verbindlich gemacht werden.

Ob sie sich mehr erhofft habe? Ihre Erwartungen seien zurzeit leider gedämpft, antwortet sie und fügt hinzu: „Ich hätte mich sehr darüber gefreut, wenn es zu einer weitgreifenden und mutigeren ,Lingener Erklärung‘ gekommen wäre.“ Damit meint sie Themen wie Macht, Zölibat, Sexualmoral oder die Stellung der Frau. Es sei gut, dass diese Fragen demnächst bearbeitet würden, „aber dennoch kann ich die Enttäuschung und Ungeduld in der Bevölkerung teilen“.

Ein Lob hat Abeln für das Bistum Osnabrück, in dem die gemeinsame Verantwortung von Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen für die Gestaltung der Kirche, also ein „synodaler Weg“, schon lange beschritten werde. Auch der Weg innerhalb der deutschen Bistümer müsse mit Beraterinnen und Beratern aus allen Bereichen, den diözesanen Räten und Berufsgruppen, erfolgen. „Der bereits vor einigen Jahren stattgefundene überdiözesane Dialogprozess stellt für die weitere Arbeit einen wichtigen Anfang dar. Aus der gewonnenen Dialogfähigkeit muss nun eine konkretere Handlungsfähigkeit erwachsen“, so Abeln. Sie bemängelt, dass es in manchen Fragen keine Einmütigkeit der Bistümer gebe, etwa beim Umgang mit Geschiedenen und Wiederverheirateten.

Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) ist die Vertretung von Zehntausenden jungen Menschen. Christian Scholüke, einer der hauptamtlichen Mitarbeiter im Generalvikariat, die die gewählten ehrenamtlichen Jugendvertreter in ihrer Arbeit begleiten, hatte nur geringe Erwartungen an die Konferenz: Wer sich in der Kirche auskenne, der wisse um die unterschiedliche Betrachtungsweise verschiedener Fragen durch die Bischöfe: „Deshalb hält sich mein Frust in Grenzen. Aber ich muss auch betonen: Ich hatte mehr erwartet!“ Und deshalb könne er den Frust der Basis nachvollziehen.

Als einen wichtigen Punkt im Gespräch zwischen Kirchenvertretern und Gemeindemitgliedern sieht er die Kommunikation. Manche Begriffe müssten einfach besser erklärt werden, sagt er und denkt an den „synodalen Prozess“: „Es muss klar sein, was gemeint ist. Das muss sich von oben nach unten durchziehen.“ Für weitere Gespräche wünscht er sich, die Bischofskonferenz möge einen Weg vorgeben, gleichwohl möchte er erreichen, dass Bistümer in einzelnen Fragen auch eigene Wege gehen können: „Dafür sind die Strukturen zwischen Norden und Süden einfach zu unterschiedlich.“

„Viele Dinge werden doch auch gut gemacht“

Und dann hat Scholüke einen Wunsch, bei dem er sich mit vielen jungen Leuten im BDKJ einig weiß: „Wir müssen wieder dahin kommen, über unsere inhaltliche Arbeit zu reden.“ Der BDKJ biete zum Beispiel in den Osterferien Schulungen für die Jugendleiter-Card (Juleica) an, das werde von einer großen Zahl mitgemacht. Ende Mai sei deutschlandweit eine 72-Stunden-Aktion geplant, bei der allein im Bistum Osnabrück 160 Gruppen mitmachten. „Wir wollen die negativen Dinge in der Kirche nicht beschönigen, aber wir dürfen doch auch zeigen, dass viele Dinge gut gemacht werden.“

Petra Diek-Münchow/Matthias Petersen