06.12.2019

Aktion „Weihnachtsmänner on Tür"

Mit Männern von Tür zu Tür

Weihnachten ist ein Männerfest, sagt Sebastian Mutke. Deshalb lädt der Pastoralreferent Männer ein, etwas über den Herbergsvater oder den heiligen Josef zu erfahren. Und lässt Parallelen in den heutigen Alltag entstehen.

Versammlung vor Schmuckstücken: Im Bramscher Autohaus Timmer erfuhren die Männer vom Firmenchef etwas über Veränderungen in der Automobilindustrie. Foto: Matthias Petersen

Dieser Anblick lässt Männerherzen höherschlagen. Im Autohaus Timmer in Bramsche stehen nicht nur Neuwagen in der Verkaufshalle, sondern auch zwei echte Schätzchen: ein Ford Taunus aus dem Jahr 1964 und ein fahrbereiter Ford Mustang, dessen Motor man – schließt man die Augen – förmlich aufheulen hören kann. In der Ecke eine alte Zapfsäule, durch deren Schläuche schon lange kein Benzin mehr fließt. Sven Timmer erzählt die Geschichte der Firma, die erst seinem Großvater, dann seinem Vater gehörte. Seit einem Jahr ist er selbst der Chef. Seine Zuhörer sind rund 30 Männer. Keiner von ihnen weiß, was ihn erwartet.

Sebastian Mutke, Männerreferent im Bistum Osnabrück, hat zu Beginn des Treffens im Pfarrheim der St.-Martinus-Gemeinde Spannung aufgebaut. Sein Ansatz: Weihnachten ist eigentlich ein Männerfest. Gut, auch Maria habe ihren nicht unwesentlichen Anteil, aber ansonsten handelten doch im Wesentlichen Männer: der heilige Josef, der wenig spricht, aber Gott vertraut. Die Könige, die dem Kind Gaben bringen. Der Herbergsvater, der seine Scheune zur Verfügung stellt. Herodes, der dem Kind nach dem Leben trachtet. Alles Männer.

Auch die Kirche befindet sich in einer Umbruchssituation

In Bramsche ist der Auftakt zu einer Reihe von Veranstaltungen im Bistum, die ähnlich ablaufen, doch auch einige Überraschungen bereithalten werden. Der Besitzer des Autohauses erzählt, wie sehr die Branche durch die Klimakrise im Umbruch ist und dass künftige Generationen Autos vermutlich im Internet kaufen werden. Für Sebastian Mutke der Einstieg in seinen Impuls: auch die Kirche befinde sich in einer Umbruchsituation. Da sei Verantwortungsbewusstsein gefragt, für das der heilige Josef in der Weihnachtsgeschichte stehe: „Es steht nicht in der Bibel, ob er zornig war oder geweint hat. Er war einfach da und hat Verantwortung übernommen.

Weiter geht‘s. In der Nachbarschaft werden die Männer bereits erwartet. Die Heilpädagogische Hilfe Bersenbrück (HpH) betreibt eine Wohngruppe für Menschen mit psychischer Erkrankung. Christoph Pieper ist Fachdienstleiter Pflege und in dieser Eigenschaft so etwas wie der Herbergsvater. In einem fiktiven Interview schlüpft er in die Rolle des Mannes, der vor 2000 Jahren seinen Stall für die Heilige Familie zur Verfügung stellte. Erst habe er sich gesträubt, weil er Angst vor den Fremden hatte, dann seien auch noch so viele Leute gekommen und hätten seine Vorräte vertilgt. Plötzlich seien alle wieder weg gewesen. Aber unter dem Strich empfinde er doch Genugtuung. „Schließlich war da ja auch dieses kleine Baby“, sagt Herbergsvater Pieper und lässt ahnen, dass es für ihn als Mann auch ein emotionales Ereignis gewesen sein muss.

Die Ankunft der Engel passiert in der Druckerei

Schließlich spaziert die Gruppe noch in eine Buchbinderei. Es soll um das Engelhafte des Abends gehen, so hat es Sebastian Mutke angekündigt. Und tatsächlich: Der Lärm der Druckmaschinen, das Getöse in den Hallen erinnert ihn an die Ankunft der Engel. Allerdings scheitern am Lärm auch alle Bemühungen von Gastgeber Jeroen Koppies, den Männern etwas über die Druckerei zu erzählen. Autokataloge werden hier hergestellt und in die ganze Welt vertrieben. Der geplante spirituelle Impuls mit leiser Musik fällt dem Lärm zum Opfer. Mutke belässt es beim Abschlussgebet im Pfarrheim.

Dort gibt es Würstchen vom Grill und Bier – für Sebastian Mutke wichtige Bestandteile eines Männerabends. Dabei lässt es sich leichter reden. Über Männer in der Weihnachtsgeschichte. Und über die Frage, welche Rolle jeder Einzelne dabei spielt.

Matthias Petersen

 

Treffpunkte für die Aktion

„Weihnachtsmänner on Tür“:
Bremen, 7. Dezember, 18 Uhr, AtriumKirche
Norden, 12. Dezember, 19.30 Uhr, St.-Ludgerus-Kirche
Aurich, 16. Dezember, 19 Uhr, St.-Ludgerus-Kirche
Salzbergen, 18. Dezember, 19 Uhr, St.-Cyriakus-Gemeindehaus
Sögel, 19. Dezember, 19.30 Uhr, St.-Jakobus-Kirche

„Weihnachtsfrauen on Tür“:
12. Dezember, 18 Uhr, Bremen, AtriumKirche