13.09.2018

KAB unterwegs mit dem Fahrrad

Welche Sorgen habt ihr?

Unter dem Motto „Wir dreh‘n am Rad – Faire Arbeit on Tour!“ haben Mitglieder der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) in die Pedale getreten. In Lingen hörten sie sich die Sorgen der Kraftwerksmitarbeiter an.

Unterwegs mit dem Rad: Mitglieder der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung. Fotos: Sebastian Hamel

Pünktlich um 9 Uhr treffen sich die Fahrradfreunde der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) auf dem Platz vor dem Alten Rathaus in Lingen. Mitglieder der Bezirke Emsland/Grafschaft Bentheim und Nordmünsterland sowie die Vorsitzenden des Bundesverbands, Maria Etl und Andreas Luttmer-Bensmann, begehen dort feierlich den Start der Fahrradaktion „Wir dreh‘n am Rad – Faire Arbeit on Tour.“ Mit der Fahrt, die in vier Etappen von Lingen über Rheine, Krefeld und Herzogenrath nach Köln führt, will die KAB unter anderem auf die Rolle des Arbeitnehmers in der digitalisierten Berufswelt aufmerksam machen. In der Woche zuvor war bereits eine Radtour durch Süddeutschland unternommen worden.

Lingens Erster Bürgermeister Heinz Tellmann und CDU-Landtagsabgeordneter Christian Fühner geben den Radlern gute Wünsche mit auf den Weg. Letzterer sagt mit Blick auf die Digitalisierung: „In der Wirtschaftswelt bewegt sich viel. Dabei darf der Einzelne nicht unter die Räder geraten.“ Fühner lobt, bei den KAB-Bestrebungen stehe der Mensch im Mittelpunkt, dessen Würde unverhandelbar sei. Jesus habe auch Solidarität mit den Armen und Bedrängten gepredigt.

Nachdem KAB-Diözesanpräses Christian Eilers den Reisesegen gesprochen und die Gruppe ein Video mit Genesungswünschen für den erkrankten Bischof Franz-Josef Bode aufgenommen hat, machen sich die Fahrer auf den Weg zur ersten Station. Da die KAB-Radtour von Begegnungen mit Menschen und Unternehmensbesuchen geprägt sein soll, wird ein für Lingen und die Region bedeutsamer Arbeitgeber aufgesucht, dessen Ende sich allerdings abzeichnet: das Kernkraftwerk Emsland. Begrüßt werden die KAB-Mitglieder von den Betriebsratsvorsitzenden Peter Hubelitz und Jürgen Thieben.

Zukunftssorgen bei den AKW-Beschäftigten

Die Abschaltung des Atomkraftwerks erfolgt zum 31. Dezember 2022 – entsprechend groß sind die Zukunftssorgen der Beschäftigten, sagt Hubelitz. Bis 2035 soll der Rückbau des Standorts vonstatten gehen. „Für viele hier ist dieser Schritt nicht nachvollziehbar“, sagt er. „Über Jahre hinweg haben die Mitarbeiter die Technik gehegt und gepflegt, und nun sollen sie sie kaputtmachen – während andernorts auf der Welt neue Kernkraftwerke entstehen.“

Im Gespräch: Mitglieder der KAB hörten sich die Zukunftssorgen
der Kernkraftwerksmitarbeiter an.

Die Betreuung von Arbeitnehmern ist für die KAB im Bistum Osnabrück ein aktuelles Thema: In diesem Jahr ist sie – zunächst begrenzt auf das Emsland – mit dem Angebot der Betriebsseelsorge an den Start gegangen. Die offizielle „Kick-off-Veranstaltung“ ist am Donnerstag, 20. September, im Ludwig-Windthorst-Haus (LWH) vorgesehen (siehe „Termin“). Das LWH betreut bereits den „Arbeitskreis Betriebsräte und Kirche“, zum 1. Oktober wird das KAB-Büro im Bezirk Emsland/Grafschaft Bentheim in die Einrichtung ziehen.

Ausführende Kraft der Betriebsseelsorge ist KAB-Sekretär Marcel Völtz, der die Radtour ebenfalls begleitete. Seine Stelle ist zu 50 Prozent für die neue Aufgabe bestimmt. Völtz geht in die Betriebe, um sich vor Ort für die Belange der Beschäftigten einzusetzen. Seine ersten Ansprechpartner sind dabei die gewählten Arbeitnehmervertreter. Bei konkreten Problemen, etwa der Suchterkrankung eines Mitarbeiters, kann die KAB-Betriebsseelsorge als Schnittstelle wirken und durch gute Vernetzung weitere Hilfswege aufzeigen.

Die Radtour, die am 13. September in Köln endete, stand auch unter dem KAB-Slogan „Arbeit. Macht. Sinn“ (Krefelder Beschluss 2017), der einen solidarischen und gerechten Welthandel fordert. Für Sonnabend, 6. Oktober, plant die KAB einen bundesweiten Aktionstag anlässlich des „Welttags für menschenwürdige Arbeit“.

Sebastian Hamel


Auftakt für die Seelsorge

Die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) bietet zum Thema Betriebsseelsorge eine Auftaktveranstaltung an. Sie beginnt am Donnerstag, 20. September, um 18.30 Uhr im Lingener Ludwig-Windthorst-Haus mit einem Gottesdienst mit Domkapitular Reinhard Molitor. Um 19.15 Uhr folgt der Vortrag „Betriebsseelsorge – wieder so eine Extrawurst?“ von Peter Hartlaub, Leiter der Betriebsseelsorge Würzburg. Molitor knüpft dann mit „Bistum und Sozialverbände – den Menschen nahe genug?“ an. Den Abschluss „Blitzlicht zur Betriebsseelsorge im Bistum Osnabrück“ bildet Betriebsseelsorger und KAB-Sekretär Marco Völtz um 20.30 Uhr. www.kab-os.de