10.04.2019

100 Jahre Ordensleben

Wie kamen die Schwestern nach Nette?

Auch wenn sie im Volksmund „Netter Schwestern“ heißen, nach Gut Nette bei Osnabrück, so liegen die Anfänge der Missionsschwestern vom heiligen Namen Mariens in Meppen. Sie sind in Deutschland, Schweden, Brasilien und Paraguay tätig. 1920 wurde die Kongregation gegründet.

Freuen sich auf Frankreich: Generalratsschwester Elisabeth (v.l.),
Generaloberin Schwester Andrea und Generalökonomin Schwester Karola.
Foto: Andrea Kolhoff

Zurück zu den Anfängen – das heißt für die Schwestern des Klosters Nette, anlässlich des 100-jährigen Bestehens nach Frankreich zu fahren und das Maristenkloster bei Lyon zu besuchen. Dort haben vor 100 Jahren sechs junge Frauen aus Deutschland ihr Noviziat begonnen. Sie hoffen damals, als Ordensschwestern in die Mission nach Ozeanien gehen zu können. Doch mit Eintritt Frankreichs in den Ersten Weltkrieg Anfang August 1914 müssen die Frauen sich auf dem Amt melden und werden zusammen mit anderen Deutschen, die nun als Feinde gelten, in ein Lager deportiert. Sie schlafen auf Stroh auf dem Fußboden, frieren und hungern wie die anderen auch. Später werden sie verlegt, nach über fünf Monaten kommen sie frei.

Sie werden nach Deutschland abgeschoben, doch den Wunsch, in die Mission zu gehen, haben sie immer noch. Sie können in Haselünne bei den Ursulinen unterkommen und hoffen, nach dem Krieg nach Frankreich zurückzukehren. Aber das zerschlägt sich und der Versuch, ein Noviziat der französischen Kongregation in Deutschland zu errichten, scheitert.  

Durch die Initiative des Osnabrücker Bischofs Wilhelm Berning kommt es 1920 zu einer Neugründung. Am 23. März unterzeichnet der Bischof das Gründungsdekret der „Gesellschaft der Missionsschwestern vom heiligsten Namen Maria“. Das ist die Geburtsstunde der Netter Schwestern. Doch damals ist vom Gut Nette noch nicht die Rede.

Die Schwestern bewohnen ein Einfamilienhaus in Meppen, das sie „Sancta Maria“ nennen. Im Volksmund heißt es „das Klösterchen“. Dort leben sechs Schwestern, von denen zwei in Frankreich Postulantinnen waren, zwei Novizinnen und zwei Professschwestern.

Bischof Berning ist es wichtig, dass die Schwestern die „missio canonica“ erwerben, damit sie Religionsunterricht erteilen können. Sie sollen den Glauben mit Freuden verbreiten. Der junge Orden wächst und schon bald wird ein Erweiterungsbau für das Mutterhaus in Meppen errichtet, der im Oktober 1923 eingeweiht wird. Neun Jahre später, 1932, zählt die religiöse Genossenschaft 115 Schwestern und 15 Filialen.

Missionsarbeitin Mecklenburg

Auch mit der Missionstätigkeit hat es geklappt. Da zu dieser Zeit auch Mecklenburg zum Bistum Osnabrück zählt, findet der Bischof schon bald einen Einsatzort, in dem einige Schwestern missionarisch tätig sein können: In Müritz unterrichten sie Erstkommunionkinder und bereiten sie auf die Beichte vor. Anfang 1922 ist hier unter ganz einfachen Bedingungen eine Filiale des Ordens entstanden. Die Schwestern unterweisen auch Kinder polnischer Landarbeiter, deren Väter in den Sommermonaten auf den Feldern Mecklenburgs arbeiten und ihre Familien dann mitbringen.

Im gesamten Bistum finden sich Einsatzorte für die Schwestern des jungen Ordens: in Kinderheimen und Kommunikantenanstalten in Parchim, Neubrandenburg und Teterow, in der Fürsorgearbeit mit Müttern und Kindern in Bremen, Hamburg und Kiel. Mutter Marcella, Oberin von 1922 bis 1932, ließ die Ordensschwestern zum Beispiel zu Fürsorgerinnen, Kindergärtnerinnen und Krankenschwestern ausbilden.

Auch heutzutage ist es üblich, dass die Ordensschwestern eine Ausbildung oder ein Studium vorweisen. „Weil ein Eintritt in eine Ordensgemeinschaft die nötige Reife und Entscheidungsfähigkeit voraussetzt“, sagt Generaloberin  Schwester Andrea Walterbach. Auch die psychische und physische Gesundheit seien wichtig. Schwester M. Andrea ist gelernte Hauswirtschaftsleitern und war als Ordensfrau lange Zeit Berufsschullehrerin für Hauswirtschaft und Religion in Meppen, bevor sie ins Mutterhaus nach Kloster Nette umzog. Mitglieder des Generalrats im Kloster Nette sind auch Generalökonomin Schwester M. Karola Wamhoff – gelernte Verwaltungswirtin – und die Gemeindereferentin Schwester M. Elisabeth Büning, die unter anderem 29 Jahre lang in der Ordensniederlassung in Stockholm tätig war. Schwester Elisabeth betreut die Mitglieder der Weggemeinschaft (siehe „Stichwort“).

Alle drei freuen sich auf die anstehende Fahrt vom 13. bis 18. Mai nach Lyon, bei der 29 Schwestern (darunter auch drei aus Brasilien), Maristenpater Bernd Kordes und auch ein Mitglied der Weggemeinschaft sich in Frankreich auf Spurensuche der Gründungsschwestern begeben. Besichtigt werden sollen auch die Orte, an denen die jungen deutschen Schwestern damals interniert waren.

Mutterhaus in Meppen von Gestapo geschlossen

Schwere Zeiten machten die Frauen noch einmal durch, als sie als Missionsschwestern vom heiligen Namen Mariens in Meppen tätig waren. Mit der Übernahme der Regierung durch die Nationalsozialisten 1933 wurde die Lage für kirchliche Einrichtungen zunehmend schwierig. Konfessionelle Volksschulen wurden geschlossen, kirchliche Kindergärten von der nationalsozialistischen Volkswohlfahrt abgelöst, arbeitsfähige Deutsche dürfen nach 1939 nicht mehr in Orden eintreten. Das Mutterhaus in Meppen wird am 28. April 1941 von der Gestapo durchsucht, am 15. Mai geschlossen. 38 von Meppen ausgewiesene Schwestern finden durch Vermittlung von Bischof Berning eine Bleibe auf Gut Nette.

Als durchsickert, dass die Gestapo die Ordensschwestern zur Arbeit in einer Bombenfabrik bei Celle zwangsverpflichten will, kommt die Wehrmacht den Nazis zuvor. Der Standortälteste verpflichtet die Ordensschwestern zur Arbeit im Sanitätsvorbereitenden Dienst. Sie müssen Medikamente sortieren und abpacken. Arbeitsplatz ist die Osnabrücker Ursulaschule. Dann beschlagnahmt die Wehrmacht die Räume auf Gut Nette, so dass die Schwestern dort wohnen und arbeiten können.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wird aus Gut Nette das Kloster Nette. 1951 starten die ersten Schwestern ihre Arbeit in Schweden. 1956 reisen Netter Schwestern als Missionarinnen nach Brasilien aus, seit 1998 sind Schwestern auch in Paraguay tätig. Mittlerweile zählen zum Orden 147 Schwestern in Deutschland, 60 in Brasilien, 23 in Schweden und drei in Paraguay. Sie alle werden das Jubiläum an ihren Orten feiern.

Andrea Kolhoff

In Kloster Nette sind verschiedene interne Feiern vorgesehen. Der Fotograf Sebastian Olschewski dokumentiert derzeit das Leben im Kloster, Anfang 2020 ist eine Fotoausstellung mit seinen Bildern geplant. Am 25. März 2020 soll ein Jubiläumsgottesdienst mit Bischof Franz Josef Bode gefeiert werden.