23.07.2020

Kirche und Corona (3)

Wie soll es weitergehen?

Auch wenn die Krise noch andauert, wollten wir von führenden Köpfen im Bistum wissen, welche der Corona-Erfahrungen sie beibehalten wollen und wie es mit der Kirche in Zukunft weitergehen kann. Das Statement von Martina Kreidler-Kos, zuständig für die Familienpastoral im Bistum.

Es geht um Gott in unserer Nähe

Martina Kreidler-Kos

Für mich hat die Corona-Zeit einen alten Begriff ganz neu gefüllt: die „Hauskirche“. Man konnte plötzlich erkennen, spüren, ausprobieren, anklicken, was das eigentlich sein soll. Weil wir nicht in die Kirche gehen konnten (zumindest nicht, um Gottesdienst zu feiern), kam die Kirche plötzlich zu uns – und zwar nach Hause! Ob man gemeinsam am Esstisch einem gestreamten Ostergottesdienst gefolgt ist oder doch lieber im eigenen Zimmer der Jugendvesper auf Instagram, ob man Kerzen ins Küchenfenster gestellt hat oder „Großer Gott, wir loben dich“ in Gärten geschmettert hat, ob man Geistlichen zugehört hat, die mit Lautsprecher unterwegs durch Wohngebiete waren und in Innenhöfen Liturgie feierten, ob man nach langer Zeit die gemeinsame Mahlzeit wieder eingeübt und mit einem Tischgebet gestartet hat – das alles war Hauskirche. Genauso wie das Enkeltreffen auf Whats-App, das der Großmutter die Isolation erleichterte, das kleine Trost-Video für das Silberpaar, das seine Feier absagen musste oder der improvisierte Nachbarschaft-Stationen-Gottesdienst im Freien.

Man könnte sagen, wir haben auf einmal eine bunte „Häuser-Kirche“ erlebt, vielleicht manchmal eine „Um-die-Häuser-Kirche“, aber vor allem eine Kirche zu Hause. Und dabei konnte etwas entstehen, was für viele schon lange nicht mehr spürbar war: Glaube kommt nahe. In so verstandener Hauskirche steckt die Erfahrung, dass Gott sich für unseren grauen – und in Corona-Zeiten oft ziemlich verängstigten – Alltag interessiert. Egal, wie es da aussieht: Er braucht keinen Palast, ihm gefällt es in unserem Haus, in der Mietwohnung oder im WG-Zimmer. Sogar die sterile Krankenhausstation oder der Flur im abgeschirmten Altenheim können sein Wohnraum sein, wenn wir es wollen und ihn lassen.

Und dabei ist nicht festgelegt, wie genau die Gemeinschaft aussieht, die sich da in einem Haus oder eben im Netz versammelt, wo sich Menschen von zu Hause aus anschließen. Das kann eine große bunte Patchworkfamilie genauso sein wie das alte Ehepaar oder die Clique, die sonst immer zusammen gereist ist. Es geht um eine Kirche in unserer Lebenswelt. Und damit geht’s um Gott in unserer Nähe. 

Das alte Wort „Hauskirche“ ist zumindest in meinen Ohren komplett entstaubt worden, es hat einen ganz neuen Klang bekommen. Den würde ich gerne retten, zum Schwingen bringen, auch in Zukunft laut hörbar werden lassen. Kirche zu Hause, das sollte unsere Kreativität weiter beflügeln und selbst dann noch wichtig sein, wenn wir uns wieder unbeschwert in Gotteshäusern treffen dürfen.