10.08.2022

Zum ersten Mal in der Zeltlagerleitung

"Ich hatte immer Spaß dabei"

Mehrere tausend Kinder und Jugendliche aus dem Bistum sind in den Ferien mit ihrer Kirchengemeinde ins Zeltlager gefahren. Für die 25 Jahre alte Nele Jursch war es eine Premiere: Zum ersten Mal gehörte sie zur Lagerleitung.

Endlich wieder: Auch Kinder und Jugendliche aus Haselünne sind in diesem Jahr im Zeltlager gewesen. Foto: Sven Diephaus

Nele Jursch hat eine neue Erfahrung gemacht: „Es ist doch erstaunlich, mit wie wenig Schlaf der Mensch mal für eine begrenzte Zeit auskommen kann“, sagt sie und lacht. Erlebt hat sie das als Mitglied der Lagerleitung der Osnabrücker St.-Franziskus-Gemeinde; die Tour ging ins nordhessische Hofgeismar. Die 25-Jährige hat sich inzwischen längst wieder erholt und ist zufrieden: „Mir wurde viel anvertraut, ich konnte vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmern helfen.“ Und trotz aller Anstrengung: „Ich hatte immer viel Spaß dabei.“

Geschmack am Zeltlager schon als Kind gefunden

Schon als Kind hat Nele Jursch das Zeltlager von St. Franziskus kennengelernt und schnell Geschmack daran gefunden. Wer in der dritten Klasse ist, darf mitfahren und erlebt zwölf Tage, an denen es normalerweise nicht langweilig wird. Mit 16 war Nele Jursch das erste Mal Gruppenleiterin, hat Mädchen betreut, die ihre kleinen Schwestern hätten sein können, hat sie im Laufe der Jahre aufwachsen sehen, zu Persönlichkeiten reifen, wie sie sagt. Sie hat erlebt, wie die Kinder gelassener wurden, wie sie Selbstständigkeit erlangten, Rücksicht lernten.

Im Laufe der Jahre hat sie sich selbst auch weiterentwickelt und war jetzt bereit, weitere Verantwortung zu tragen. Aus vier Köpfen besteht das Lagerleitungsteam, sie teilte sich die Aufgaben mit Henry Kemp, Lennart Kurze und Julian Görtner. Unterstützung gab es extern durch Pastoralreferentin Anne Burgard, die auch von Osnabrück aus anreiste, um einen Gottesdienst zu feiern. Tenor: Vor Gott ist jeder Mensch wichtig, niemand ist austauschbar. „Diese Gottesdienste fand ich als Kind schon cool“, sagt Nele Jursch im Rückblick. Es feiert sich in der lockeren Lageratmosphäre eben leichter als in der heimischen Kirche. 

Das Lagerleitungsteam von St. Franziskus: Henry Kemp, Nele Jursch, Lennart Kurze und Julian Görtner.

Nach der Rückkehr aus dem Lager musste Nele Jursch ihre Eindrücke erst einmal in Ruhe sortieren. Allzu viel war in den zwei Wochen auf sie zugekommen – vom normalen Tagesablauf bis zur persönlichen Betreuung einzelner Kinder. „Wir haben eine tolle Gemeinschaft erlebt, in der jeder den anderen getragen hat“, sagt sie. Die besondere Herausforderung bestand darin, fehlende Erfahrung der Gruppenleiter auszugleichen, die durch die beiden Jahre ohne Zeltlager entstanden war – eine außergewöhnliche Form von Long-Covid gewissermaßen.

Weil sich die über 130 Kinder und die rund 50 Begleiterinnen und Begleiter so nahe waren, wurde es am Schluss auch noch einmal emotional. Als am letzten Abend jene geehrt waren, die Spiele gewonnen oder sich auf andere Weise ausgezeichnet hatten, lud Nele Jursch alle ein, noch einmal zur Ruhe zu kommen. Sie rief dazu auf, sich einen besonderen Moment des Lagers vor Augen zu rufen und im Kopf als Erinnerung „abzuspeichern“. „Eine Minute lang war es ganz still, und das bei 180 Leuten“, sagt sie. „Wir haben in diesem Moment die Gemeinschaft richtig gespürt.“

Für 2023 fehlt noch ein geeigneter Zeltplatz

Die vielen Reisen als Kind und Jugendliche ins Zeltlager sind an Nele Jursch nicht spurlos vor­übergegangen. Die Begleitung der Kinder, ihre über die Jahre sichtbare Entwicklung, hat ihren Berufswunsch beeinflusst: Sie will Lehrerin werden, „denn ich liebe Kinder“. Gerade hat sie das Studium abgeschlossen, jetzt folgt die nächste Etappe: Nach den Sommerferien beginnt sie ein Referendariat an einer Förderschule in Osnabrück. Und dann macht sie sich mit ihrem Team auch Gedanken über das Zeltlager 2023. Denn dafür muss noch ein Zeltplatz gesucht werden.

Matthias Petersen